Media-Affäre
04.08.2008
Ruzicka-Prozess: Laut Bölte hat Linn Wiedergutmachung angeboten
#GALERIEL# Der mit Spannung erwartete heutige Verhandlungstag im Prozess gegen die beiden ehemaligen Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn hat ein indirektes Schuldeingeständnis des Angeklagten Linn zu Tage gefördert. Wie der heute befragte Ruzicka-Nachfolger Andreas Bölte auf Nachfrage von Linns Verteidigung bestätigte, hat der ehemalige Einkaufschef Linn nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft im Dezember 2006 von sich aus das Gespräch mit Aegis gesucht, sein Bedauern über die Vorfälle geäußert und eine Schadenswiedergutmachung angeboten.
Dem Vernehmen nach hat er vorgeschlagen, rund zwei Millionen Euro an seinen früheren Arbeitgeber zurückzubezahlen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten Ruzicka und Linn sowie weiteren Beschuldigten vor, insgesamt 52 Millionen Euro veruntreut zu haben.
Interne Ermittlungen bei Aegis sowie die Einschaltung einer Detektei hatten keine eindeutigen Beweise für ein Fehlverhalten Ruzickas erbracht. Dennoch hatte man laut Bölte weiterhin den Verdacht, dass Ruzicka Gelder aus dem Unternehmen abzog - nicht zuletzt aufgrund seines kostspieligen Lebenswandels.
Insgesamt machte Bölte einen aufgeräumten und gut vorbereiteten Eindruck. Auch auf kritische Nachfragen des vorsitzenden Richters Jürgen Bonk hatte er plausible Antworten parat. Gut parierte Bölte auch die Befragung durch Ruzickas Verteidiger Marcus Traut, die erneut nichts Entlastendes für den Angeklagten ergab. Prozessbeobachter sprachen hinterher von einem schwachen Auftritt Trauts. Er und seine Kollegin Eva Schrödel stimmten einer einvernehmlichen Entlassung von Bölte aus dem Zeugenstand nicht zu.
Die kommenden Prozesstage dürften ähnlich spannend wie der heutige werden. Für den kommenden Montag wird mit einer Erklärung des Angeklagten Linn gerechnet. Ebenfalls an diesem Tag will die Kammer Reinhard Zoffel, den einstigen Gründer der Wiesbadener Werbeagentur Zoffel, Hoff Partner (ZHP) befragen. Über ZHP (heute: Wunschkind) sollen laut Anklageschrift rund 9 Millionen Euro veruntreut worden sein. Einen Tag später ist dann mit einem wahren Blitzlichtgewitter im Gerichtssaal zu rechnen. Dann wird Volker Hoff in den Zeugenstand treten. CDU-Mitglied Hoff ist Mitbegründer von ZHP und derzeit Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten in Hessen.
Erst einmal findet übermorgen (6. August) aber die Befragung der Polizeibeamten statt, die Heinrich Kernebeck vernommen haben. Die endgültige Entscheidung, ob gegen den einstigen Mitgründer der Aegis-Tochter HMS ebenfalls ein Hauptverfahren eröffnet wird, steht noch aus. Derzeit prüft das OLG Frankfurt diese Frage. Ebenfalls am Mittwoch werden die Beamten befragt, die die beschlagnahmte Festplatte von Ruzickas Computer ausgewertet haben.
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