Media-Affäre
Ruzicka-Prozess: Kai Hiemstra widerspricht Ruzicka
Im Untreueprozess gegen die Ex-Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn kam es am Montag dieser Woche zum Aufeinandertreffen von Media-Urgestein Kai Hiemstra mit seinem früheren Ziehsohn Ruzicka. Dabei würdigte der 69-jährige Gründer der Mediaagentur HMS, aus der später die Deutschlands-Niederlassung von Carat und später von Aegis Media wurde, seinen Nachfolger so gut wie keines Blickes.
Hiemstra sollte als Zeuge zu den Usancen bei der Firma PLV aussagen. Diese wurde von Ruzicka mehrfach als Blaupause für das Modell angeführt, nach dem er die Firmen Camaco und Watson etabliert hat. Von der Anklage werden diese und andere Unternehmen als Tarnfirmen angesehen, über die insgesamt 51,2 Millionen Euro aus dem Vermögen von Aegis Media abgeflossen sind.
Hiemstra schilderte im Verlauf seiner Befragung die Entstehung und Arbeitsweise von PLV, die er Anfang der 90er-Jahre gegründet hatte. Er beschrieb die von ihm und weiteren Carat- bzw. Aegis-Geschäftsführern gehaltene Firma als "eine Art legitimierte Sparbüchse, aus der immer dann, wenn es nötig war, Geld an Carat ging". Die Geschäftsidee sei gewesen, interessante TV-Formate vorzufinanzieren und an die TV-Sender zu verkaufen. Zu den auf diesem Wege entstandenen Formaten gehörten offenbar unter anderem "Gottschalks Hausparty" und eine Sendung mit Jörg Pilawa.
Die Bezahlung durch die TV-Anstalten sei über Naturalrabatte erfolgt, die man dann entweder direkt an große Kunden durchgereicht, auf eigene Rechnung verkauft oder zur Gewinnung von Neugeschäft eingesetzt habe. Bei den PLV-Gesellschaftern sei "kein Pfennig" hängengeblieben. "Das ging alles in die Firma", so Hiemstra vor Gericht.
Die Aegis-Zentrale in London war laut Bundesverdienstkreuzträger Hiemstra von Beginn an in das PLV-Modell eingebunden. "Andernfalls wären wir schnell in den Verdacht der Veruntreuung geraten", so der Media-Experte. Die britische Muttergesellschaft hatte PLV ein Darlehen über 10 Millionen Euro gewährt. An schriftliche Vereinbarungen mit der Konzernzentrale konnte sich Hiemstra allerdings nicht erinnern. Er gehe aber davon aus, dass es entsprechende Schriftstücke gegeben habe.
Ausdrücklich widersprach Hiemstra der bisherigen Darstellung von Ruzicka zum Thema Informationsgewinnung. So etwas habe es während seiner Amtszeit nicht gegeben. "Wir haben nie jemanden dafür bezahlt, dass er uns Informationen beschafft. Das wäre ja Bestechung gewesen", so Hiemstra. Die Agentur habe aufgrund ihrer erfolgreichen Arbeit eine herausgehobene Stellung im Markt gehabt. Deshalb sei ein separates Budget für Kundenpflege und Kontaktmanagement auch nicht nötig gewesen.
Die Verteidigung von Ruzicka stellte nach der Entlassung von Hiemstra aus dem Zeugenstand einen Beweisantrag, mit dem sie durch die Befragung eines früheren Geschäftspartners von Hiemstra das Gegenteil beweisen will. Dazu legte sie verschiedene Dokumente wie interne Memos, Faxanschreiben und Gesprächnotizen vor. Die Verhandlung wird am kommenden Montag fortgesetzt. Dann werden noch einmal der heutige Aegis-Zentraleuropachef Andreas Bölte und Ex-CFO Hans-Henning Ihlefeld befragt. mam
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