Media-Affäre
06.08.2008
Ruzicka-Prozess: Gab es Freitod-Absichten?
Brisante Aussage im Untreue-Prozess gegen die Ex-Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn: Die heute befragte Kriminalkommissarin Ricarda Z. erklärte, dass sie bei der Auswertung der bei Ruzicka beschlagnahmten Computer und Festplatten auch auf eine Datei gestoßen sei, in der Handlungsanweisungen für den Fall einer Verhaftung oder eines Freitods von Ruzicka hinterlegt waren.
Die Verteidigung des Angeklagten bat unmittelbar nach dieser Aussage um eine Unterbrechung der Verhandlung. Rechtsanwalt Marcus Traut sagte, dass er einen Antrag vorbereiten wolle, sollten persönliche und private Aufzeichnungen des Angeklagten zur Sprache kommen. Prozessbeobachter gehen davon aus, dass es sich um einen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit gehandelt hätte.
Doch auch so war der heutige Verhandlungstag spannend genug. Kommissarin Ricarda Z. schilderte anhand der von ihr ausgewerteten Dateien, wie aus ihrer Sicht die Geldströme von den mutmaßlichen Tarnfirmen Camaco und Watson nach Südafrika verlaufen sind. Mit den Geldern wurden nach Überzeugung der Ermittler Immobilien in Kapstadt und Johannesburg im Wert von mehreren Millionen Euro finanziert - darunter auch zwei Farmen mit einer Fläche von 4,6 und 4,3 Millionen Quadratmetern.
Ruzicka hatte bei seiner Vernehmung durch die Ermittlungsbehörden erklärt, dass er kein Eigentum in Südafrika hat. Die Zeugin Ricarda Z. kam zu einer anderen Einschätzung. Sie zeigte auf, welche Immobilien aus ihrer Sicht über Ruzicka zuzurechnende Firmen dem Angeklagten gehören. Dabei sah die Konstruktion laut Ricarda Z. so aus, dass die Geschäfte über zwei Firmen in Dubai abgewickelt wurden. Eine davon fungierte demnach als Holding für andere Firmen, von denen eine auch Grundbesitz in Südafrika hielt. Über die andere Dubaier Firma sollte der Zeugin zufolge der Zahlungsverkehr abgewickelt werden.
Zu Beginn des heutigen Verhandlungstags hatte die Verteidigung von Ruzicka den Antrag gestellt, Verantwortliche aus der Aegis-Konzernzentrale in London wie Networkchef Jerry Buhlmann und Holding-CEO Robert Lerwill als Zeugen zu laden. Sie sollen zu ihrer Rolle beim Zustandekommen der Ermittlungen gegen Ruzicka befragt werden. Begründet wird der Antrag damit, dass man die Aussagen des deutschen Aegis-Chefs Andreas Bölte von Anfang der Woche zu diesem Thema für "unschlüssig und unglaubhaft" hält. So sei es lebensfremd, dass ein Neuling im Unternehmen - wie Bölte es 2004 bei Aegis war - ohne Rückendeckung der Konzernleitung solch weitreichende Ermittlungen gegen seinen Vorgesetzten und damaligen Zentraleuropa-Chef Ruzicka anstoßen konnte.
Für Aufsehen sorgte kurz danach eine Intervention von Staatsanwalt Wolf Jördens. Er bat mitten in der Verhandlung um eine Unterbrechung und ein Gespräch mit Richter Bonk. Wie hinterher zu hören war, ging es dabei wohl um Sicherheitsfragen. So soll Jördens unter anderem den freien Zugriff von Ruzicka auf den Computer seiner Verteidiger beanstandet haben.
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