27.06.2008
Ruzicka-Prozess: Ferrero-Manager tritt in den Zeugenstand
Diese Woche wurde der Prozess gegen die ehemaligen Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn am Mittwoch und dem heutigen Freitag fortgesetzt. Die sechste Strafkammer des Wiesbadener Landgerichts unter Vorsitz von Richter Jürgen Bonk konzentrierte sich dabei erneut auf die Verlesung von Dokumenten über die vermeintlichen Geldabflüsse und befragte weitere Zeugen.
Am Mittwoch wurde der Ferrero-Manager Steven O. in den Zeugenstand gerufen, der seit 2003 die Marketing-Services des Süßwarenherstellers leitet. Während dieser Zeit war Steven O. der Vorgesetzte von Herbert Korrell, der vor wenigen Monaten ebenfalls in das Visier der Ermittler geriet und daraufhin bei Ferrero gekündigt wurde. Den bisherigen Ermittlungen zufolge soll Korrell über seine Ehefrau Gelder von den Beschuldigten erhalten haben, die über die mutmaßlichen Tarnfirmen transferiert worden sein sollen. Gegen das Ehepaar Korrell läuft ein eigenständiges Ermittlungsverfahren.
Darüber hinaus erklärte Steven O., dass Ferrero neben den Jahresverträgen mit den TV-Vermarktern durchaus auch Interesse an kurzfristigen Sondervereinbarungen habe, "weil damit bessere Konditionen erzielt werden können". Ferrero sei aber auch klar, dass es neben den Kunden spezifischen Rabatten auch agenturbezogene Konditionen gäbe.
Auf die Frage von Richter Bonk, ob er auch von der Barterfirma Emerson gewusst habe, antwortete der Zeuge, dass er von Emerson erst im Nachhinein durch die Presse erfahren und vorher nichts von dieser Firma gehört habe.
Auch über Korrells Kündigung stellte der Richter einige Fragen an den Ferrero-Manager. Als Grund für dessen Ausscheiden gab Steven O. zu Protokoll: "Es sei eine Frage der möglichen Untreue oder vielmehr des Vertrauensbruchs gewesen". Er selbst habe keine Dokumente gesehen, die diesen Vertrauensbruch belegt hätten. Zum Bruch hätte letztlich geführt, dass sich Korrell geweigert habe, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.
Am heutigen Freitag wurde mit Evelin B. eine weitere Aegis-Mitarbeiterin befragt. Als Unit-Direktorin betreute sie bei HMS früher den Kunden Ferrero, arbeitete inzwischen aber in der elektronischen Media-Planung der Aegis Media-Gruppe. Sie wurde unter anderem über den Umgang mit den Rechnungen von Emerson FF befragt. Die Zeugin erwiderte darauf, dass ihr das Rechnungsprocedere mit Emerson FF von der damaligen Einkaufsleiterin Claudia Jackson vorgegeben worden war. Jackson wird wie Ruzicka und Linn von der Staatsanwaltschaft der schweren Untreue bezichtigt. Vor Beginn der Ermittlungen konnte sie sich allerdings nach Argentinien absetzen, wo sie mittlerweile eine Polo-Club betreiben soll.
Laut Zeugin Evelin B. sei gemäß Jacksons Anweisungen in der Disposition das Kürzel Emerson FF hinterlegt und im Buchhaltungssystem des Einkaufs gekennzeichnet worden.
Diese Aussage nahm Ruzickas Strafverteidiger Marcus Traut zum Anlass, nach Beendigung der Zeugenbefragung eine abschließende Erklärung abzugeben. Hierbei beantragte er die Aufhebung von Ruzickas Haftbefehl. Traut begründete seine Forderung damit, dass die Zeugin B. bestätigt habe, dass die Geschäftsvorgänge von Emerson FF in den netsprechenden Buchungsvorgängen der Mediaagentur bekannt gewesen seien.
Daraufhin erwiderte der verantwortliche Staatsanwalt Wolf Jördens, dass die Zeugin nichts Neues gesagt habe und die Buchungsvorgänge in der Anklageschrift vermerkt seien. "Sie waren Teil der Camouflage, sonst hätte Aegis die Rechnungen nicht bezahlt", fügte Jördens hinzu.
Vor der Sommerpause wird es noch einen Gerichtstermin am 2. Juli geben. Laut Richter Bonk sollen an diesem Tag Unterlagen aus den Ermittlungsakten über Firmen in Dubai und Südafrika eingeführt werden. Nach der Sommerpause wird der Prozess am 4. August mit der Zeugenbefragung von Andreas Bölte, fortgesetzt, der nach der Inhaftierung von Ruzicka im Oktober 2006 dessen Posten als CEO von Aegis Media Central Europe übernahm und Ruzicka bei der Wiesbadener Polizei angezeigt hatte. ejej
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