08.09.2008
Ruzicka-Prozess
Ruzicka-Prozess: Ex-Finanzchef Ihlefeld sagt aus
Im Untreuprozess gegen die beiden ehemaligen Aegis-Manager Aleksander Ruzicka und David Linn wurde am heutigen Montag der frühere Aegis-Finanzchef Hans-Henning Ihlefeld befragt. Der heute 67-Jährige war von 1992 bis 2004 kaufmännischer Geschäftsführer beziehungsweise CFO der Mediaagenturgruppe.
Ihlefeld schilderte vor Gericht seine Tätigkeit für Aegis Media beziehungsweise deren Vorgängerfirma HMS Carat. Zu seinen Aufgaben gehörten das Personal- und Rechnungswesen, die Buchhaltung und später auch das Controlling. Die entsprechende Abteilung sei ab etwas 1994 im Zuge der Expansion von Aegis nach Osteuropa aufgebaut worden.
Mehr Interesse für dieses Thema habe dagegen sein Nachfolger Andreas Bölte gezeigt. Schon während der Einarbeitung von Bölte ab März 2004 habe es erste Verdachtsmomente gegen Ruzicka gegeben. Für Misstrauen hätte vor allem dessen Lebensstil gesorgt, der nicht mit seinem Gehalt als CEO in Übereinstimmung zu bringen war. Da man aber nur vage Anhaltspunkte hatte, habe man sich nicht an die Firmenzentrale in London gewendet, sondern den Rat von Firmenanwalt Johann-Christoph Gaedertz gesucht.
Dieser habe zunächst die Einschaltung einer Detektei und nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft eine anonyme Strafanzeige vorgeschlagen. "Wir wollten unserem Verdacht so unauffällig wie möglich nachgehen, andernfalls wäre es zur Katastrophe gekommen", so Ihlefeld. Gemeint ist damit die Sorge vor einer sofortigen Entlassung von Bölte und Ihlefeld durch Ruzicka. An die Details der Strafanzeige und deren Zustandekommen konnte sich der Zeuge nicht mehr erinnern und verwies mehrfach auf seinen Nachfolger Bölte.
Trotz des Verdachts, den die beiden Finanzverantwortlichen schon ab Mitte 2004 gegen Ruzicka hatten, und der bereits laufenden Strafanzeige kam es auch für das Jahr 2005 noch zu einer Bonuszahlung an den CEO in Höhe von mehr als 230.000 Euro. Diese wurde von Ihlefeld und Bölte unterschrieben. Der Bonus wurde gewährt, weil die Ziele für die Region Zentraleuropa erreicht werden konnten. In Deutschland wurden die Zielvorgaben dagegen leicht verfehlt.
Ruzickas Verteidigung legte einen Schwerpunkt ihrer Befragung auf die Firma Programm- und Lizenzvermarktung (PLV). Diese war Ende 1999 vom damaligen Gruppenchef Kai Hiemstra gegründet worden. Als Gesellschafter traten neben ihm weitere frühere Führungskräfte auf, darunter auch Ihlefeld. Ziel sei es gewesen, Kunden an den Produktionskosten von TV-Shows zu beteiligen. Im Gegenzug sollten die Werbungtreibenden TV-Freispots aus dem Agenturpool von Aegis bekommen. Das Geschäftsmodell sei von der Firmenzentrale genehmigt worden. "London war sehr an diesem Modell interessiert", so Ihlefeld. Bei Erfolg sollte es auch in anderen Ländern eingesetzt werden. Allerdings habe PLV nicht funktioniert. Es habe auch einen Darlehensvertrag in Höhe von 10 Millionen Mark zwischen PLV und HMS Carat gegeben.
Wie schon andere Zeugen zuvor machte auch Ihlefeld noch einmal deutlich, dass er die Zusammenarbeit von Aegis mit der Wiesbadener Werbeagentur ZHP aus finanzieller Sicht für wenig vorteilhaft hielt. "Aus meiner Sicht war das Problem, dass Aegis zu wenig an den Deals mit ZHP verdient hat", erklärte Ihlefeld. Die 20 Prozent, die aus der Kapitalisierung von agentureigenen Freispots über ZHP bei der Mediaagentur verblieben, empfand Ihlefeld als "verdammt wenig". mam
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