Kreative im Gespräch
08.02.2013
"Mehr Mut. Mehr Geld!": Drei Top-Kreative im HORIZONT-Interview

Guido Heffels, Dörte Spengler-Ahrens und Stefan Zschaler (r.)
Alle reden von Storytelling. Warum werden in der Werbung trotzdem so wenig gute Geschichten erzählt?
Dörte Spengler-Ahrens: Emotionale Markenerlebnisse schaffen, Menschen mitnehmen – das geht am besten mit guten Geschichten. Bildgewaltig, gefühlsgeladen, eindrucksvoll. Nicht umsonst ist die Bibel eine Geschichtensammlung und keine Gebrauchsanleitung oder Regelwerk. Wie man mehr davon bekommt? Mehr Mut. Mehr Geld!Stefan Zschaler: Geschichten haben mit so weichen Faktoren wie Enthusiasmus, Leidenschaft oder Empathie für Menschen zu tun. Damit tut sich der Deutsche im Marketing traditionell schwer. Wenn dazu noch die Entscheidungshoheit für Kommunikation von CFOs übernommen wird, ist die Luft für Investitionen in Emotionalität verdammt dünn.
Alle reden von Content Marketing. Warum werden trotzdem immer noch so wenig unique Inhalte crossmedial inszeniert?
Spengler-Ahrens: Content Marketing – Stratos von Red Bull, Invisible Drive von Mercedes – beides eher technische Dinge, die durch starke emotionale Faszination einen massiven Impact bei den Menschen hatten. Das ist nur bedingt planbar und im Falle von Red Bull mit grossem Mut zum Risiko verbunden – was wenn der tollkühne Held verunglückt wäre? Beide Beispiele zeigen die Grundvoraussetzungen für einen solchen Erfolg: Emotionaler Killerinstinkt (das sicherere Gespür dafür, was Menschen fasziniert). Mut zur Vision (von zehn Ideen wird nur eine ein Volltreffer). Mut zum Risiko (Spektakuläre Ideen sind selten eine „Nummer Sicher“). Und damit: Mut zur Investition.Heffels: Alles bedingt seine Zeit. Vor allem braucht es die Erkenntnis, dass man sich für derartige Herangehensweisen einer ganz anderen Teamaufstellung bedienen muss. Da zögert man noch im Milieu. Am Ende aber wird alles gut. Wir leben jedoch leider in einem Kulturkreis, der den Wert hochwertig produzierter Serieninhalte nicht zu schätzen weiß. „Breaking Bad“, „Walking Dead“, „Homeland“ – in Deutschland undenkbar.
Zschaler: Hier online, da offline, dort Media. Es gehört immer noch zur Alltagsroutine, dass sich getrennte Einheiten bei crossmedialen Kampagnen ans Werk machen. In Unternehmen wie in Agenturen. Es fehlt die Bereitschaft, sich auf ein Miteinander in größeren Gruppen einzulassen. Oft aus der Eitelkeit Einzelner, man könnte seine Pfründe verlieren.
Alle reden vom steigenden Anspruch an digitale Kreation. Warum ist die meiste digitale Kreation trotzdem immer noch ziemlich langweilig und technikgetrieben?
Spengler-Ahrens: Im Moment klaffen die zwei Welten noch zu sehr auseinander. Auf der einen Seite gibt es Sturm und Drang – eine irre Fülle an Kreativität in eher kleinen Projekten. Auf der anderen Seite der Wunsch nach Standard, Nummer Sicher und messbaren Ergebnissen in den großen Projekten.Heffels: Die breite digitale Kampagne für jeden gab es noch nie. Stattdessen nutzt das Medium viel mehr aus, was es originär ausmacht. Ganz gezielt in verschiedene hochattraktive Zielgruppensegmente rein. Wenn Sie von diesen Superduperlaserphazer-Kampagnen nichts wissen, liegt das daran, dass Sie wohl nicht zur Zielgruppe gehören. Ja, das ist dann wirklich traurig. Lassen Sie sich von Umstehenden spontan in den Arm nehmen an.
Zschaler: KPIs, KPIs, KPIs. Da man mit den digitalen Möglichkeiten vermeintlich alles messen kann, kommen innovative Ideen bei internen Messpropheten, Besserwissern und Bedenkenträgern gar nicht erst durch.
Exklusiv für Print- und iPad-Abonnenten
Die Statements lesen Sie auch in der aktuellen HORIZONT-Ausgabe 6/2013 vom 7. Februar.
HORIZONT abonnieren
HORIZONT E-Paper abonnieren
HORIZONT for iPad beziehen
Alle reden vom War for talents. Warum auch sollten kreative Talente heute noch in die Werbung wollen?
Spengler-Ahrens: Werbung ist so ein altmodisches Wort. Wir sollten das, was wir tun, in Worte fassen. Nennen wir uns Aufmerksamkeitsregisseure. Nennen wir uns Emotionbuilder. Nennen wir uns Traumlenker. Dann klappt’s auch mit dem Nachwuchs.Heffels: Wir schaffen es zwar durch Akademien und ähnlichen Hokuspokus einen scheinbar akademischen – und irgendwie sinnigen – Ausbildungsweg zubilden, vermitteln den wirklichen Antrieb aber nicht. Nämlich die Lust, Dinge wirklich nachhaltig und sichtbar verändern zu können, nebst der Sehnsucht nach Selbstverwirklichung. Wo sonst habe ich heutzutage die Möglichkeit, mich querbeet durch alle Medien zu entfalten? Stattdessen führen wir Diskussionen über Work-Life-Balance, betäuben uns mit den Nationenrankings der Kreativwettbewerbe und beschäftigen uns notorisch wahnsinnig mit uns selbst. Wenn Picasso so gedacht hätte, nein, nicht auszudenken.
Zschaler: Die Skepsis junger Leute vor der Werbung hat weniger mit Möglichkeiten als mit Vorurteilen zu tun: viele Überstunden und schlechte Bezahlung. Aus meiner Sicht gibt es aber wenig Berufsfelder, in denen man Freizeit, Hobbies und Beruf so genial miteinander verbinden kann. Wer gute Ideen hat oder Leidenschaft für Kommunikation mitbringt, wird sehr schnell gut bezahlt. Auch ohne akademische Vorbildung. Natürlich wird er eine ausgewogene Work-Life-Balance in ambitionierten Agenturen schwer finden. Ich hatte allerdings schon immer ein Problem mit der strikten Trennung von Arbeits- und Privatleben. Ich habe doch nur ein Leben. Interview: Anja Sturm
Kommentare
Online-Special

Das erste ADC-Festival in Hamburg ist mit dem Ablauf des Ausstellungstages am 18. Mai Geschichte. Die Gewinnerarbeiten und die erfolgreichsten Kampagnen, Bildergalerien sowie Berichte vom und rund um den Kreativgipfel hat HORIZONT.NET in einem Online-Special übersichtlich aufbereitet. Hier gehts zum ADC Online-Special
Ranking Inhaberagenturen
Inhaberagenturen legen 5,5 Prozent zu / Serviceplan dominiert Rangliste
Serviceplan bleibt die mit Abstand größte inhabergeführte Agenturgruppe in Deutschland. Für das vorige Jahr meldet der von CEO Florian Haller geführte Firmenverbund einen Honorarumsatz von 174 Millionen Euro (plus 8 Prozent) und fast 1300 Mitarbeiter. Damit weist die Gruppe fast 100 Millionen Euro mehr Umsatz aus als der Zweitplatzierte Jung von Matt, der mit einem Wachstum von 10 Prozent im deutschen Markt auf ein Gross Income von 78 Millionen Euro kommt.
Hier gehts zum Ranking mit den Top 50 Agenturen
Serviceplan bleibt die mit Abstand größte inhabergeführte Agenturgruppe in Deutschland. Für das vorige Jahr meldet der von CEO Florian Haller geführte Firmenverbund einen Honorarumsatz von 174 Millionen Euro (plus 8 Prozent) und fast 1300 Mitarbeiter. Damit weist die Gruppe fast 100 Millionen Euro mehr Umsatz aus als der Zweitplatzierte Jung von Matt, der mit einem Wachstum von 10 Prozent im deutschen Markt auf ein Gross Income von 78 Millionen Euro kommt.
Hier gehts zum Ranking mit den Top 50 Agenturen
Nachrichten
Alle Nachrichten
Kreation
Kreation
Die meist geklickten Kampagnen der letzten 30 Tage:
Kreation des Monats
Auf HORIZONT.NET wird zwölfmal im Jahr die Kreation des Monats gekürt. Anders als bei traditionellen Awards entscheidet keine aus Experten zusammengesetzte Jury über die Werbekampagnen, sondern die HORIZONT.NET-Nutzer selbst. Diese können jeweils für ihren Favoriten abstimmen. Zur Abstimmung
HORIZONTJobs
Aktuelle Etats
Kreationsnewsletter
Der HORIZONT.NET Kreationsnewsletter
Der wochentägliche Newsletter HORIZONT.NET Kreation bietet Kreativen, Mediaplanern und Marketern neben den aktuellsten Kampagnen auch interessante Marktdaten wie den Branchencheck und die Werbeinsel des Tages.
Das bietet der Kreationsnewsletter
Jetzt bestellen
Der wochentägliche Newsletter HORIZONT.NET Kreation bietet Kreativen, Mediaplanern und Marketern neben den aktuellsten Kampagnen auch interessante Marktdaten wie den Branchencheck und die Werbeinsel des Tages.
Das bietet der Kreationsnewsletter
Jetzt bestellen
Agenturprofile
HORIZONT auf Facebook


















