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07.01.2010

Interview

von Volker Schütz,
Chefredakteur

Lothar S. Leonhard: "Viele Anzeigen sind im Nichts verschwunden"


Redet Klartext: Lothar S. Leonhard 

Redet Klartext: Lothar S. Leonhard

Er ist, wie es so schön heißt, ein "Urgestein" der deutschen Werbeszene, prägte als Chef von Ogilvy Deutschland und Präsident des Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) die Agenturlandschaft. In einem
Interview der „Frankfurter Rundschau" äußert sich der 67-Jährige über die Zukunft der Medien und die Bedeutung des Internets.
 
Für klare Aussagen und trockenen Humor ist Leonhard republikweit bekannt. Auch im „FR"-Interview redet er Tacheles. Die (illusorische) Hoffnung vieler Verleger, dass die Anzeigen nach der Krise wiederkommen, kanzelt er kurz und bündig als "Blödsinn" ab. Auf die Verwunderung des FR-Redakteurs, wohin die "Image-Anzeigen für Markenartikel denn verschwunden sind", antwortet Leonhard: "Unter Verlegern gab es lange Zeit das Missverständnis, dass die werbende Wirtschaft dazu da ist, um Medien zu finanzieren. Die Wahrheit ist: Die Firmen investieren einen Euro in Werbung in der Hoffnung, dass sie eines Tages dafür 1,50 Euro herausbekommen. Deshalb lautet die Antwort auf ihre Frage: Viele Anzeigen sind im Nichts verschwunden." In dem von Controller dominierten Marketing sei stattdessen das Internet zum „Dorado für jeden Betriebswirt" avanciert - auch wenn man mit den Klicks die Wirkung von Internetwerbung nur scheinbar messen könne.
Überhaupt gebe es genauso wenig sichere Prognosen über funktionierende Konsumentenansprache auf digitalen Kanälen (Werbung, Blog, Community) wie für  Imageanzeigen in Print. Leonhard: „Ich hoffe, dass daraus die Einsicht erwächst, die unmittelbare betriebswirtschaftliche Kausalität in der Werbung wieder in Frage zu stellen." Tröstliche Worte findet Leonhard dann aber doch für die Medienanbieter. Richtung TV sagt er: "Das Fernsehen hat noch immer eine große Bedeutung. Für die emotionale Wertigkeiten einer Marke ist das Fernsehen kaum zu überbieten." Richtung Print meint Leonhard: "Wir haben mehr Printmedien als der Markt braucht. Wir werden vor allem bei den Zeitschriften eine Marktbereinigung erleben. Gute Zeitungen, die sich durch verlegerische Empathie auszeichnen, haben eine Zukunft." vs
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Leser-Kommentare zu diesem Artikel (1)
Bache, Heinz-Michael sagte am 09.01.2010 um 19:32

Liebeserklärung an ein Urgestein

Lieber Leo, was hat man Dir denn angetan? Wer hat Dir deine bewundernswerte Nachdenklichkeit - stets von feinen Fäden hintergründigen Humors durchzogen - genommen? Wer hat Dich angetrieben zu einer Attacke, die selbst bei heftigsten Wohlwollen, das Du mehr als verdient hast, ein wenig unkontrolliert wirkt? Waren es die Fragen des FR-Redakteurs? Wie beruhigend für die Apologeten des Anzeigengeschäfts, endlich deutlich gesagt zu bekommen, dass es Blödsinn ist, Verlusten hinterher zu schleimen, weil diese für immer und ewig im Nichts verschwunden sind. Leo, der Türmer, der Aufklärer, der uns demnächst auch zu beschreiben versteht, was ein schwarzes Loch im All ist! Und endlich einer Blutgrätsche gleich, Deine allumfassende Antwort auf die Frage aller Fragen, dass nämlich die werbende Wirtschaft die Medien finanziert. Was für ein Brüller, Leo! Und richtig, die Verleger sollten aufhören, den Anzeigenkunden Ihre Leser zu verkaufen, nur weil sie von den Anzeigenkunden größere Beträge einstecken - hingegen von den Lesern kleinere. Gut, dass Du in dieser Zeit, in der ganz offenbar betriebswirtschaftliche Kriterien die Werbeträgerauswahl domestizieren, die Erkenntnis erinnernd preist, dass in Wirklichkeit die Leser die Auftraggeber der Medien sind. Denn die Leser kaufen keine Anzeigen, sondern wollen genau wie Du selbst die Welt in ihrem Spiegel erkennen. Anzeigenkunden sollten deshalb wissen, warum die Leser ihr Medium schätzen und was sie von den Anzeigen in Ihrer Zeitung und Zeitschrift erwarten. Schließlich will die werbende Wirtschaft mit den Lesern ins Geschäft kommen und die erwarten, dass man sie ernst nimmt. Wem das zu mühsam ist, der ist reif fürs Fernsehen! Und wer teilt nicht zuletzt Deine Hoffnung, lieber Leo, dass betriebswirtschaftliche Kausalität in der Werbung bitte wieder kritischer gesehen wird. Es hilft schon, wenn wir endlich aufhören Betriebswirtschaft so zu nutzen, wie der Betrunkene die Laterne: nämlich als Stütze, statt Erleuchtung. In nichtendenwollender Zuneigung Dein Michael

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