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Jung von Matt und die Stolpersteine: Jetzt meldet sich der Knstler zu Wort



ber kaum eine andere Gewinnerarbeit aus Cannes wird derzeit hitziger diskutiert als ber die Arbeit "Stones Telling Stories" von Jung von Matt. Der Mediendienst Meedia nennt die Kreation eine "Mogelpackung", der Casefilm (siehe oben) verdrehe Tatsachen und prahle mit technischen Funktionen, die es gar nicht gebe. In einem weiteren Artikel prangern die Kollegen an, dass auch die Idee der digitalen Stolperstein-Karte nicht neu gewesen sei. Und das, obwohl Meedia noch im Mai in ganz anderen Tnenber dieKampagne berichtete, sie sogar als "wunderbare Aktion" bezeichnethatte. In sozialen Netzwerken wird die Agentur jetzt ordentlich gebasht. An dieser Stelle soll keine Lanze fr die Arbeit und das Vorgehen von Jung von Matt gebrochen werden. Doch noch ist nicht alles zu dem Fall gesagt.

 
Gunter Demnig (Foto: Stolpersteine.com) 

Gunter Demnig (Foto: Stolpersteine.com)

Der Knstler Gunter Demnig, den Jung von Matt als "Auftraggeber" angibt, etwa, war bisher nicht gefragt worden, was er von den Vorwrfen hlt. Gegenber HORIZONT.NET stellt sich Demnig auf die Seite der Agentur. ber die Lsung von Jung von Matt sei er "durchaus froh", denn mit seiner "kleinen Crew wre das nicht mglich gewesen". Er rumt aber auch ein, dass die ganze Aktion noch nicht final ist. "Mit den Verlinkungen gibt es noch Probleme. Aber das sollte alles zu machen sein." Das ganze sei "als work in progress zu sehen". Die einzelnen Initiativen htten jetzt die Mglichkeit, ihre Bilder und Daten einzusetzen. Demnig mahnt zur Geduld: "Das wird sicher etwas dauern." Fr ihn sei die Seite eine gute Ergnzung zu seinen Stolpersteinen.
Das ndert allerdings nichts an der Tatsache, dass Jung von Matt mit ihrer Einreichung eine neue Stufe des Award-Wahnsinns gezndet hat. Denn der Eindruck, dass die Agentur sich einen aufmerksamkeitsstarken Bereich vorgeknpft und in einem Case-Film aufgebauscht hat, um bei den Juroren Eindruck zu schinden, lsst sich nicht von der Hand weisen. Die Stolpersteine sind eine Goldidee - damit, dass bei einem so sensiblen Thema wie dem Holocaust die Reaktionen heftig ausfallen wrden, htte Jung von Matt rechnen mssen. Mal abgesehen davon, dass es mehr als unsensibel ist, mit einer Goldarbeit zu einem Holocaust-Mahnmal Kreativpunkte zu sammeln. Ein offizielles Statement wollen die Verantwortlichen nach wie vor nicht abgeben.
 
Jung von Matt hat sich hier in die Nesseln gesetzt, so viel steht fest. Die Truppe von Jean-Remy von Matt und Peter Figge ist bei weitem nicht die einzige Agentur, die ihre Arbeiten mit gut gemachten Case-Filmen pusht. Vermeintlich beeindruckende Ergebnisse und nicht nachprfbare Zahlen sind bei dieser Form der Aufbereitung an der Tagesordnung - nachvollziehbar sind sie nicht. Die Zeit, um all die Fakten zu berprfen, fehlt in internationalen Jurys meist. In Cannes schafften es die Macher der Stolperstein-Cases so, den Juroren einen goldenen Media Lion und einen bronzenen Integrated Lion abzuluchsen. Das allerdings nicht ohne eigene Stolpersteine.
 
Denn Fakt ist: In der Cannes-Jury (zumindest in der Sparte Titanium & Integrated) wurde durchaus ber die Echtheit der Arbeit diskutiert. Ein Jurymitglied hatte seine Mitjuroren darber aufgeklrt, dass das beworbene Denkmal bereits seit Jahren existiert und keineswegs auf die Initiative von Jung von Matt zurckgeht. Daraufhin wurde nach HORIZONT.NET-Informationen in der Jury diskutiert, inwiefern die Agentur hier berhaupt eine Leistung erbracht habe. Die goldenen Stolpersteine von Demnig gibt es bereits seit 1997. Damals wurde der erste Stein in Berlin-Kreuzberg verlegt. Die Juroren entschieden aber, dass das Projekt mit der digitalen Verlngerung durch die Kampagne wieder strker ins Bewusstsein der Menschen rcke und daher einen Bronze-Lwen verdient habe. jm/jf
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