Media-Affäre
Aleksander Ruzicka bleibt in Untersuchungshaft
Im Fall des ehemaligen Aegis-Managers Aleksander Ruzicka bleibt die sechste Strafkammer der Wiesbadener Landgerichts hart. Wie jetzt bekannt wurde, lehnte das Gericht unter Vorsitz von Richter Jürgen Bonk vorige Woche die Haftbeschwerde ab, die Ruzickas Strafverteidiger Marcus Traut einen Monat zuvor eingereicht hatte.
Mit der Haftbeschwerde sollte laut Hartmut Ferse, Sprecher der Wiesbadener Staatsanwaltschaft, die Freilassung Ruzickas aus der Untersuchungshaft erwirkt werden, "ohne, dass das Verfahren gegen ihn ausgesetzt oder beendet würde".
Zuvor hatte Ruzickas Anwalt bereits zweimal versucht, mittels eines Aussetzungsantrags den gesamten Prozess auf unbestimmte Zeit unterbrechen zu lassen. In der Folge hätte der Haftbefehl gegen den 47-Jährigen außer Vollzug gesetzt werden müssen. Doch auch diese Anträge wurden von der Kammer abgelehnt.
Wie bei der Ablehnung der beiden Aussetzungsanträge bleibt die Kammer auch in Sachen Haftbeschwerde bei ihrer Argumentation. Laut Ferse begründet sie ihre neuerliche Entscheidung damit, dass bei Ruzicka nach wie vor ein dringender Tatverdacht und Fluchtgefahr bestünde.
Ruzcikas Rechtsanwalt Traut widerspricht. Ihm sei nicht bekannt, dass sein Mandat in Südafrika Immobilien besitze, sagte Traut dem "Wiesbadener Kurier". Zudem hätte der ehemalige CEO der Wiesbadener Mediaagenturgruppe Aegis Media bereits deutlich gemacht, dass er sich dem Verfahren nicht entziehen wolle. Schließlich hätte er sich in den sechs Wochen zwischen der polizeilichen Durchsuchung seines Wiesbadener Hauses im September 2006 und seiner Verhaftung Ende Oktober 2006 nicht abgesetzt. Außerdem betont Traut, dass die bisherige Beweisaufnahme nichts erbrachte habe, was die Anklage seines Mandanten stützen würde.
Insgesamt geht das Verfahren, das seit Mitte Januar 2008 läuft, nur schleppend voran. Von den 86 Fällen der schweren Untreue, die Ruzicka und dem einstigen Aegis-Einkaufschef David Linn vorgeworfen werden, ging bislang kein einziger in die Beweisaufnahme ein. Laut Staatsanwaltschaft sollen Ruzicka, Linn und die ehemalige Aegis-Mitarbeiterin Claudia Jackson 52 Millionen Euro bei der Agentur veruntreut haben. Dafür soll laut Anklageschrift ein Netz von mehr als 20 Tarnfirmen aufbaut worden sein, das bis nach Südafrika reichen soll.
Wie der "Wiesbadener Kurier" weiter berichtet, stünden die südafrikanischen Gesellschaften nur mittelbar mit dem Angeklagten in Verbindung. Die Firma Fine Asset Limited sei zum Beispiel laut Staatsanwaltschaft mit Treuhandverträgen an den Angeklagten gebunden. Dennoch seien Oberstaatsanwalt Ferse zufolge die Wiesbadener Richter zu dem Ergebnis gekommen, dass der wirtschaftliche Nutzen dieser Immobilien bei Ruzicka lag.
Der Prozess gegen ihn wird kommenden Montag fortgesetzt. Terminiert ist er bislang bis Ende September, doch es muss damit gerechnet werden, dass danach noch weitere Verhandlungstage folgen werden. Ruzicka sitzt im Gefängnis in Weiterstadt in Untersuchungshaft.
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