Zweiter Ruzicka-Strafprozess Anklage fordert 3 Jahre und 6 Monate - Verteidigung will Freispruch

Donnerstag, 12. Februar 2015
Am kommenden Dienstag fällt das Urteil im zweiten Strafprozess gegen Aleksander Ruzicka
Am kommenden Dienstag fällt das Urteil im zweiten Strafprozess gegen Aleksander Ruzicka
Foto: Aegis

Im zweiten Strafprozess gegen den früheren Aegis-Manager Aleksander Ruzicka wurden am Mittwoch die Plädoyers gehalten. Die Staatsanwaltschaft sieht den Vorwurf der Urkundenfälschung und des versuchten Prozessbetrugs als erwiesen an und fordert eine Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Die Verteidigung sieht das anders und verlangt einen Freispruch. Das Langericht Wiesbaden will sein Urteil am kommenden Dienstag verkünden.
Worum geht es noch mal? Die Anklagebehörde wirft Ruzicka vor, aus der Haft heraus ein Dokument manipuliert zu haben, das ihm im Falle einer Kündigung durch Aegis Media eine Abfindung von 89 Millionen Euro zusichert. Die Unterschriften auf dem Dokument habe der frühere CEO gefälscht, so die Auffassung der Staatsanwaltschaft. Ruzickas Anwalt weist diesen Vorwurf zurück und führt ein Gutachten ins Feld, das zu keinem eindeutigen Ergebnis kommt. Es sei nicht entscheidbar, ob die fraglichen Unterschriften (der früheren Aegis-Manager Hans-Henning Ihlefeld und Josef Vogt, die Redaktion) echt oder gefälscht sind, heißt es in der Expertise des Hessischen Landeskriminalamts aus dem Jahr 2010.
Aleksander Ruzicka
Bild: Foto: Aegis

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Von dem Ausgang des aktuellen Verfahrens dürfte auch abhängen, wie es mit Ruzickas erster Haftstrafe weitergeht. Wegen schwerer Untreue war er vom Landgericht Wiesbaden zu elf Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Diese Strafe ist Anfang 2018 verbüßt. Sollte es in Sachen Urkundenfälschung und versuchten Prozessbetrugs jetzt zu einem Freispruch kommen, darf sich Ruzicka Hoffnungen machen, schnell in eine andere Haftanstalt verlegt zu werden und bald darauf in den offenen Vollzug zu kommen. Derzeit sitzt er ohne Hafterleichterungen im Gefängnis Weiterstadt ein - einer Anstalt der höchsten Sicherheitsstufe. Dorthin war er im vergangenen Jahr aus der JVA Darmstadt verlegt worden. Den sogenannten Überhaftbefehl hat das Oberlandesgericht Frankfurt inzwischen aufgehoben. Unabhängig vom dem Strafprozess läuft das Zivilverfahren zwischen Aegis Media und Ruzicka weiter. Die Agenturgruppe fordert von ihrem früheren CEO Schadensersatz in Höhe von 20 Millionen Euro. Dieser hat seine 89-Millionen-Euro-Forderung fallengelassen, macht aber andere Ansprüche geltend. Ob es zu einem Vergleich kommt, bleibt abzuwarten. mam
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