Young Lions Minimum ein Löwe

Donnerstag, 11. Juni 2015
Vorjahres-Löwen-Gewinner: Dominique Winkel und Stefanie Golla haben schon einen
Vorjahres-Löwen-Gewinner: Dominique Winkel und Stefanie Golla haben schon einen
Foto: Weischer Media

Die Erwartungen sind hoch – höher als in den Vorjahren. Wollen die deutschen Junioren bei den Young Lions das Ergebnis aus dem vergangenen Jahr toppen, müssen sie mehr als einen goldenen und einen silbernen Löwen in Cannes holen.

Schließlich gab es 2014 dank der Preise für Stefanie Golla und Domique Winkel (Kolle Rebbe) in der Design- und für Pia Mader und Oliver Tiersch (JvM) in der Print-Kategorie das beste Ergebnis im Nachwuchswettbewerb in Cannes seit seinem Start vor nunmehr 20 Jahren. Zuvor ging das Team Germany jahrelang fast leer aus: Seit dem ersten Young-Lions-Wettbewerb, der 1995 nur aus der Print-Kategorie bestand, konnte die deutschen Junioren bis 2011 nur fünf Löwen holen, davon eine goldene sowie je zwei silberne und bronzene Trophäen.

Ein Zustand, der den deutschen Festivalrepräsentanten Weischer Media und einige gestandene Kreative so unzufrieden gemacht hat, dass sie nicht nur das Auswahlprocedere der Teilnehmer vor fast drei Jahren neu gestaltet, sondern auch einen Workshop zur Vorbereitung des Teams Germany initiiert haben. Wie ernst es ihnen damit ist, lässt auch der Name der Trainingsveranstaltung erahnen: Boot Camp.
„Wir würden gern wieder etwas mehr Kampfgeist schüren. Gerade Menschen zu Beginn ihrer Karriere brauchen die Möglichkeit, sich mit anderen zu messen.“
Katja Garff
Natürlich ging es auch beim zweiten Camp, das drei Wochen vor dem Start des International Festival of Creativity in Hamburg bei Weischers Kooperationspartner Google durchgeführt wurde, nicht um Drill im Sinne der US-amerikanischen Erziehungsanstalten, in denen sich mehr oder weniger auf die schiefe Bahn geratene Teenager rund um die Uhr von bulligen Männern und Frauen anbrüllen lassen müssen.

Aber als sanfter Kick in den kreativen Allerwertesten dürfen die Nachwuchswerber die Veranstaltung schon begreifen. „Wir würden gern wieder etwas mehr Kampfgeist schüren. Gerade Menschen zu Beginn ihrer Karriere brauchen die Möglichkeit, sich mit anderen zu messen“, erklärt Katja Garff, Marketingleiterin bei Weischer Media, die Motivation für das Nachwuchsengagement des deutschen Festivalrepräsentanten.

Mehr Kampfgeist macht tatsächlich Sinn, weiß Pia Mader, die 2014 beim ersten Boot Camp dabei war und mit ihrem JvM-Kollegen Oliver Tiersch mit einer Arbeit für den World Wide Fund For Nature (WWF) anschließend einen silbernen Löwen gewonnen hat: „Das letzte Jahr war ein Aufrüttler. Man hat gesehen, es ist was möglich, und ein Platz unter den ersten drei ist nicht utopisch.“

In diesem Jahr hat Mader wieder im Vorentscheid gepunktet und sich damit erneut für die Print Young Lions qualifiziert – diesmal geht sie mit Karl Wolfgang Epple (Thjnk) als neuem Partner an den Start. „Es ist natürlich von Vorteil, dass ich schon weiß, wie der Wettbewerb in Cannes abläuft“, glaubt sie. Diesen Vorteil soll den Festival-Frischlingen die Teilnahme am Boot Camp vermitteln.

Dazu gibt es Insights von Profis wie Armin Jochum, Kreativchef bei Thjnk, der aus zahlreichen eigenen Erfahrungen weiß, wie Jurys bei internationalen Awardshows ticken. Motion-Graphics-Designer Robert Hranitzky schildert den Ablauf den Nachwuchswettbewerbs, die erfolgreichen Junioren Stephanie Golla und Dominique Winkel, wie sie im vergangenen Jahr mit ihrem Entwurf für das World Children’s Festival einen goldenen Design-Löwen gewonnen haben.

Für Garff ist das Abschneiden bei den Young Lions auch ein Index dafür, wo die Kreativbranche in Deutschland steht. „Der Nachwuchsbereich ist sehr ehrlich, weil er eins zu eins widerspiegelt, auf welchem Stand sich ein Land befindet“, glaubt sie. Gemessen am Ergebnis der Young Professionals beim Nachwuchswettbewerb des Art Directors Club für Deutschland (ADC) Ende Mai steht es nicht besonders gut. Die Jury hat den Titel „Junior des Jahres“ in diesem Jahr nicht vergeben, weil unter den Wettbewerbsbeiträgen ihrer Ansicht nach kein herausragender, besonders mutiger zu finden war.

Aber trotz dieses Index und Vorbereitungsformaten mit Signalnamen will Garff nicht zu viel Druck aufbauen – zu groß wäre die Enttäuschung, wenn das Team Germany leer ausginge: „Zu sagen, wir wollen das Vorjahresergebnis mit einmal Gold und einmal Silber toppen, wäre sehr vermessen. In den letzten Jahren hatten wir viele Platzierungen unter den ersten zehn, und dann ist man sowieso schon ein Gewinner. Aber das Ziel für 2015 ist mindestens eine Auszeichnung.“ ems/fam

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