Xaver So erleben Hamburger Agenturen die Sturmflut

Freitag, 06. Dezember 2013
Den Agenturen im Hamburger Hafen steht das Wasser förmlich bis zum Hals (c) Silja Schulze van Loon
Den Agenturen im Hamburger Hafen steht das Wasser förmlich bis zum Hals (c) Silja Schulze van Loon

Bei ORCA van Loon geht heute ausnahmsweise mal gar nichts. Nur Auszubildende Silja Schulze van Loon hält die Stellung. Alle anderen Mitarbeiter sind wegen Xaver im Home Office. Die Sturmflut, die gestern Nacht die Agenturen im Hamburger Hafen heimsuchte, hat bei ORCA van Loon einige Schäden verursacht. Am Freitagmorgen war nicht nur die Zufahrtsstraße, sondern auch die Eingangshalle geflutet. "Das Wasser hat sich durch die Beton-Außenwand nach innen gedrückt", erzählt Van Lohn. Auch einer von zwei Aufzügen ist defekt. "Gestern stand das gesamte Areal um die Elbphilharmonie unter Wasser, besonders letzte Nacht war Xaver wirklich extrem", erzählt Schulze van Loon, die die Flut auch in Bildern festgehalten hat (sehe Galerie).

Unpassierbar: Der Keller von BrawandRieken (c) Agentur
Unpassierbar: Der Keller von BrawandRieken (c) Agentur
Die Agentur ist nur eine von mehreren, die im Hamburger Hafen untergebracht ist und unter Xaver zu leiden hat. "Endlich ein Pool im Keller!", lautet der nicht ganz ernst gemeinte Kommentar von Peter Brawand, dem Chef von BrawandRieken, zu dem Sturmtief. Xaver hat das Untergeschoss der Agentur komplett überflutet (siehe Bild links).

Auch bei Kolle Rebbe ging und geht es drunter und drüber. "In der Speicherstadt, so wie in ganz Hamburg, herrschte ein Ausnahmezustand", sagt Andreas Winter-Buerke. Der Geschäftsführer der Kreativagentur hat gestern die Mitarbeiter um 17 Uhr nach Hause geschickt. Die Gefahr, von herumfliegenden Gegenständen getroffen zu werden, sei zu groß gewesen. Der Luxus, sich zuhause im Trockenen eine Mütze Schlaf zu gönnen, wurde allerdings nicht jedem zuteil. "Das Facility Managament und die IT Abteilung mussten eine Nachtschicht schieben und verließen erst in den frühen Morgenstunden das Schiff", so Winter-Buerke. Grund waren undichte Stellen, die geflickt und Stromleitungen, die gewartet werden mussten. Auch der Arbeitsbeginn heute wurde um eine Stunde auf 10 Uhr verlegt. "Ein Gefühl wie eine Mischung aus Schulfrei und Titanic", so Winter-Buerke.

Blick auf die Elbphilharmonie (c) Silja Schulze van Loon
Blick auf die Elbphilharmonie (c) Silja Schulze van Loon
Mit einem blauen Auge davongekommen ist Philipp und Keuntje. Aber nur, weil einige Vorkehrungen getroffen wurden, wie Agentursprecherin Christine Sior berichtet. Aus Angst vor der Sturmflut haben die Mitarbeiter der Agentur nicht nur den Keller, sondern auch das Atrium im Erdgeschoss geräumt. So mussten unter anderem eine Sitzgruppe und diverse Technik-Utensilien aus dem Konferenzraum in die erste Etage geschleppt werden. Auch die Fahrstühle wurden mit sogenannten Dammbalken gesichert (siehe Foto-Galerie). Im Nachhinein hätte man sich die Räumung des Erdgeschosses zwar sparen können, denn in der Nacht lief nur der Keller voll. "Es hätte aber auch anders ausgehen können", weiß Sior.

Scholz & Friends blieb ebenfalls vom Schlimmsten verschont. Sprecher Markus Mayr musste zwar heute morgen durch Wasser waten, um zu seinem Arbeitsplatz zu gelangen. Auch ein Aufzug fiel in der Niederlassung Am Sandtorkai 76 aus. Größere Schäden gab es aber nicht. Gleichwohl ist in der Agentur zur Stunde nur noch eine Handvoll Mitarbeiter anzutreffen. Grund ist nicht die gestrige Weihnachtsfeier, sondern erneut Xaver: Denn wegen der Überschwemmung wurde nun auch das Leitungswasser abgestellt. "Man hat den Mitarbeitern daher nahegelegt, ins Home-Office zu gehen und sich die Strapazen zu ersparen", erzählt Mayr. mas
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