Wunderman-Chef Joachim Bader "Nicht nur ein Satellit"

Freitag, 04. August 2017
Wunderman-Chef Joachim Bader
Wunderman-Chef Joachim Bader
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Bei Wunderman ist derzeit viel in Bewegung, national wie international. Auf globaler Ebene dockt die Digitalagentur Possible bei dem WPP-Netzwerk an. In Deutschland kommt die bisherige Commarco-Tochter KKLD unter das Gruppendach. Im Interview mit Horizont erläutern Wunderman-Chef Joachim Bader und KKLD-Gründer Alexander Diehl, was sie sich davon versprechen.
Wessen Idee war es eigentlich, KKLD bei Wunderman anzudocken? 
Joachim Bader:
Die Ursprungsidee kam von unserem CEO Mark Read und Europachefin Mel Edwards. Alexander und ich haben uns dann ausgetauscht, ob wir uns das vorstellen können. Wir kennen uns seit 14 Jahren und haben schon bei Neue Digitale zusammengearbeitet. Wir haben schnell festgestellt, dass der Schritt für beide Seiten gut passt. Wunderman kann mit KKLD in Bereichen wie Service Design und Customer Experience noch besser werden, KKLD erhält Zugang zu einem globalen Netzwerk sowie Data- und CRM-Kompetenz. KKLD war innerhalb von WPP bislang unter dem Dach der Scholz & Friends-Holding Commarco angesiedelt und sollte mit den Agenturen dieser Gruppe kooperieren. Warum hat das nicht so geklappt wie erhofft?
Alexander Diehl:
Wir haben gemeinsam festgestellt, dass wir viele Anknüpfungspunkte und eine gemeinsame Vision mit Wunderman haben. Unsere Vorstellungen davon, wie sich der Markt entwickelt und was Agenturen heute leisten müssen, passen sehr gut zusammen. Wir sehen viele spannende Möglichkeiten für beide Seiten und vor allem für unsere Kunden, wenn wir diesen Weg zusammen gehen.

KKLD passt also besser zu Wunderman als zu Commarco und Scholz & Friends?
Diehl:
So möchte ich das nicht sagen. Aber das, was Wunderman vorhat, passt sehr gut zu dem, was wir planen.

Was haben Sie denn vor?
Bader:
Wunderman gehört schon jetzt zu den fünf größten Digitalagenturen der Welt. Diese Position wollen wir weiter ausbauen. Dazu wollen wir nicht nur organisch wachsen, sondern schauen auch, in welchen Feldern wir noch besser werden beziehungsweise uns verstärken können. Service Design und Customer Experience gehören ohne Zweifel dazu. Und hier macht KKLD einen exzellenten Job. Drive now ist wohl eines der bekanntesten Beispiele. Diese Kompetenzen können wir gut gebrauchen. Wir wollen aber auch nicht verhehlen, dass die Achse New York/Berlin, die unser neuer Partner abdeckt, positiv gewirkt hat. Berlin ist in Sachen Talent nach wie vor ein sehr wichtiger Markt. Dort waren wir als Wunderman bislang nicht vertreten.
KKLD-Gründer Alexander Diehl
KKLD-Gründer Alexander Diehl (Bild: KKLD)

Diehl: Für uns sind das Netzwerk und der Zugriff auf die Ressourcen von Wunderman interessant. Wir beraten Kunden bei digitalen Transformationsprozessen, auch länderübergreifend. Dafür braucht man einen glaubwürdigen Partner. Wir können unsere Kernthemen künftig nicht nur international beraten, sondern auch umsetzen. Hinzu kommt: Der Markt verändert sich sehr schnell. Das erfordert eine neue Generation von Agenturmanagern, die diesen Wandel gestalten und begleiten. Auch in dieser Hinsicht fühlen wir uns bei Wunderman und Joachim Bader sehr gut aufgehoben.

Gibt es denn schon gemeinsame Kunden oder Projekte?
Diehl:
Das Ganze ist noch sehr frisch. Wir fangen jetzt bei den Bestandskunden an, den erweiterten Service anzubieten. Wir können an dieser Stelle nicht ins Detail gehen, aber wir arbeiten schon konkret an ersten Projekten. Das Interesse bei den Kunden ist jedenfalls groß.

Wird KKLD auch gesellschaftsrechtlich bei Wunderman eingegliedert?
Bader:
KKLD ist eine starke Marke, national wie international. Die wollen wir erhalten. Und zwar nicht nur die Marke, sondern auch die GmbH. Das heißt allerdings nicht, dass KKLD nur ein Satellit ist, der nichts mit uns zu tun hat. Im Gegenteil, wir werden eng kooperieren: bei Bestandskunden und im Neugeschäft. Das gilt auch für übergeordnete Aufgaben und Funktionen. Die muss man nicht doppelt abbilden. Für die Kunden wird es ein Modell aus einem Guss geben.
Diehl: Ich bleibe ja auch Shareholder. In dieser Hinsicht ändert sich also nicht viel.

Aber bislang war der Hauptgesellschafter doch die Commarco-Gruppe.
Bader:
Das ist jetzt Wunderman.

Wie läuft es denn insgesamt? Man hört nicht nur Gutes: Das Geschäft mit Jaguar/Land Rover soll nun auch in Deutschland zu Spark44 wandern und in der Schweiz will das Management geschlossen aussteigen.
Bader:
Auf globaler Ebene ist Jaguar/Land Rover tatsächlich nicht mehr Kunde von Wunderman. In Deutschland arbeiten wir bislang aber weiter für diesen Kunden. Ob das langfristig so bleibt, werden wir sehen. Der deutsche Kunde ist sehr zufrieden mit uns und das Mandat für CRM liegt aktuell noch bei uns.

Und wie sieht es in der Schweiz aus, die Sie ja ebenfalls verantworten? Da hat wie gesagt die komplette Führung hingeschmissen, angeblich auch wegen Differenzen mit Ihnen.
Bader:
Wir haben ein sehr gutes Arbeitsverhältnis. Aber die Kollegen waren, beziehungsweise sind es ja noch, sehr lange dabei. Dass man sich nach so langer Zeit entscheidet, noch mal etwas Neues zu machen, ist verständlich. Wir arbeiten gemeinsam in einem geordneten Übergabeprozess. Ich bin guter Dinge, dass das klappt. Wir haben auf Direktorenebene sehr gute und erfahrene Leute, die das operative Geschäft führen. Parallel suchen wir eine neue Geschäftsführung.

Man hört allerdings nicht nur aus der Schweiz, sondern auch aus dem deutschen Markt, dass es um die Stimmung nicht zum Besten bestellt ist.
Bader:
Wir befinden uns gerade in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess – weltweit, aber auch in der von mir verantworteten Region. Darin steckt viel Potenzial für die Agentur, für die Kunden und für die Mitarbeiter. Natürlich will nicht jeder diesen Prozess mitgehen. Ich bin aber absolut überzeugt, dass unser Plan für Wunderman richtig ist. Den werden wir mit voller Kraft umsetzen. Das sieht man auch daran, dass wir das deutsche Management mit COO Kai Greib weiter ausbauen.

Interview: Mehrdad Amirkhizi

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