Wolfgang Faisst, SAP XM "Die Media-Revolution ist in vollem Gange"

Sonntag, 11. Juni 2017
Wolfgang Faisst, Head & Founder SAP Exchange Media
Wolfgang Faisst, Head & Founder SAP Exchange Media
© SAP XM

Anfang des Jahres hat sich Wolfgang Faisst, Gründer und Geschäftsführer von SAP XM, mit Thesen zur Transformation des Mediageschäfts ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt. Als Redner auf den Digital Marketing Days Ende Juni in Berlin und im Interview mit HORIZONT Online sagt er nun, warum die Werbungtreibenden ihm Recht geben.

In einem Interview mit HORIZONT Anfang des Jahres sagten Sie in Bezug auf Mediaagenturen: "Das alte Modell bricht zusammen". Seither ist es um SAP XM etwas ruhiger geworden. Würden Sie diesen Satz heute noch immer so sagen? Ja, den Satz würde ich heute wieder so sagen und klar bestätigen. Der Druck auf das bestehende System und seine Protagonisten wird eher größer als kleiner. Dieser Druck kommt vor allem von den Werbungtreibenden, die verstärkt einen grundlegenden Wandel hin zu Transparenz und verbesserter Effizienz fordern. Das beste Beispiel dafür ist Marc Pritchard von Procter und Gamble, der Anfang des Jahres genau diese Punkte aktiv eingefordert und dafür sogar klare Fristen gesetzt hat. Das System transformiert sich also auf Druck von außen und Teile der alten Strukturen und tradierten Geschäftsmodelle werden wegbrechen.

Dennoch hört man von SAP XM derzeit konkret eher wenig. Wir haben die Entwicklung frühzeitig erkannt und mit SAP XM ein alternatives Netzwerk bereitgestellt, das Werbungtreibende, Agenturen und Publisher bei voller Transparenz und deutlich verbesserter Budgeteffizienz direkt in der Cloud verbindet. Seit Anfang des Jahres haben wir uns auf den konsequenten Ausbau der Funktionalitäten und Partnerbeziehungen sowie auf die Akquise neuer Pilotkunden konzentriert. Hier werden in Kürze wieder News zu SAP XM kommen.

Sie haben im Januar eine "Revolution im globalen Marketing" angekündigt. Nun wird es eher eine Evolution? Die Revolution ist aus unserer Sicht in vollem Gange und wird begleitet von einem evolutionären Transformationsprozess, insofern sind beide Begriffe zutreffend für die jetzige Situation. Klar ist, dass die bestehenden Strukturen einen grundlegenden Wandel benötigen und der Weg dorthin wird geprägt von einer evolutionären Neu- und Weiterentwicklung bestehender Komponenten und Geschäftsbeziehungen. Die Unternehmen stehen vor der Aufgabe, die digitale Transformation und die Konsolidierung ihrer stark fragmentierten und damit ineffizienten Systemlandschaften zu meistern. Das betrifft vor allem den Bereich Marketing.

Wolfgang Faisst und Andreas Schwabe
Bild: SAP / BW7

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Das Interesse der Kunden sei "riesig", sagten Sie seinerzeit. Was heißt das konkret - wer hat bisher bereits angebissen? Wir konnten seit unserem Markteintritt Mitte 2016 Pilotkunden aus den verschiedensten Branchen, darunter einige globale Marktführer in ihren Segmenten, gewinnen und überzeugen, Pilotkampagnen auf SAP XM zu fahren. Zudem haben wir sehr wertvolle Verbesserungsvorschläge zur Optimierung der Plattform erhalten, die wir in unsere Release Planung aufgenommen haben. Das Feedback unserer Pilotkunden ist zugleich Ansporn und Bestätigung für uns, dass wir mit SAP XM das richtige Ziel verfolgen. Die Nachfrage ist nach wie vor enorm, da wir auf C-Level die drängendsten Herausforderungen mit einer durchgängigen End-to-End Integration von MarTech, AdTech und Mediaeinkauf adressieren können.

Digital Marketing Days

Wie sieht das Mediageschäft der Zukunft aus? Diese Frage ist auch Thema bei den Digital Marketing Days, die HORIZONT am 29. und 30. Juni 2017 in Berlin veranstaltet. Bei dem Pflicht-Termin für Digital-Entscheider diskutieren führende Branchenexperten wie Wolfgang Faisst (SAP XM) darüber, wie die Automatisierung die Zusammenarbeit von Mediaagenturen und Werbungtreibenden verändert. Jetzt hier anmelden!

Wenn Sie keine Kundennamen nennen können, dann vielleicht ein paar Zahlen? Über 100 Kampagnen sind bis dato über SAP XM gelaufen. Generell bestätigen die Pilotkunden die stark verbesserte Transparenz durch den Zugriff auf Inventar- und Budgetinformationen sowie Kampagnen-Performance-Daten über ein Echtzeit-Dashboard. Die Media-Kosten konnten teilweise um bis zu 45 Prozent auf CPM-Basis für digitale Awareness Displaykampagnen auf ausgewählten Premium-Inventaren reduziert werden, bei gleichzeitig verbesserten Kampagnenergebnissen.

Wie also sieht die Zukunft des Mediageschäfts konkret aus? Transformation und Wandel lassen sich nicht aufhalten und machen auch vor Mediaagenturen nicht halt. Die inkrementelle Optimierung überholter Geschäftsmodelle und-praktiken ist aus unserer Sicht sinnlos. Der Markt erwartet jetzt einen grundlegenden Wandel. Die Zukunft des Mediageschäfts liegt in dem Modell eines Agentur Holding Netzwerkes in der Cloud, in dem Werbungtreibende, Agenturen und Publisher transparent in Echtzeit zusammenarbeiten um für den Konsumenten relevante und damit erfolgreiche Digitalwerbung zu erzeugen. Das Netzwerk ist geprägt durch eine offene Kommunikation, Agilität und transparente Kooperation in Echtzeit.

„Transformation und Wandel lassen sich nicht aufhalten und machen auch vor Mediaagenturen nicht halt. “
Wolfgang Faisst
Werden die heutigen Mediaagenturen überleben, beziehungsweise wie werden sie überleben? Mediaagenturen spielen auch zukünftig eine wichtige Rolle. Ihre Kernkompetenz ist die ganzheitliche Mediaplanung und die strategische Mediaberatung des Kunden über alle Kanäle, und nicht der Einkauf und die Verwaltung von Mediabudgets. Wenn das implizite Fachwissen der Mediaagenturen mit den Fähigkeiten von Real-Time Technologie und künstlicher Intelligenz in einem agilen Cloud-Netzwerk verknüpft wird, entsteht das, was der Markt fordert: Transparenz, Effizienz und Relevanz in der digitalen Werbung. Mediaagenturen werden nur schwer den Mangel an Technologie- und Datenkompetenz aus eigener Kraft kompensieren können und suchen neue Partnerschaften in diesen Bereichen, etwa mit SAP Exchange Media.

Zur Person

Wolfgang Faisst ist seit 2005 bei SAP. Dort hat eine Reihe von Projekten und Produkteinführungen verantwortet, darunter die SAP App-Stores. Im Januar gründete Faisst SAP Exchange Media (SAP XM). Vor seinem Wechsel zu SAP arbeitete er unter anderem als Senior Manager bei Bain & Company.

 

 

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