Wieden + Kennedy "Agenturen, die verkaufen, verlieren ihre Kultur"

Freitag, 20. Juni 2014
Wieden + Kennedy verantwortet weltweit erfolgreiche Top-Kampagne wie Nikes "Winner Stays"
Wieden + Kennedy verantwortet weltweit erfolgreiche Top-Kampagne wie Nikes "Winner Stays"


Wieden + Kennedy will unabhängig bleiben. Für die US-Agentur kommt der Verkauf an ein Network oder eine internationale Werbeholding nach wie vor nicht infrage. Das betont President Dave Luhr bei einem Auftritt im Rahmen der Cannes Lions . "Agenturen, die das tun, verlieren nach zwei bis drei Jahren ihre Kultur. Für uns ist unsere Kultur aber der entscheidende Faktor", sagt der Manager des langjährigen Nike-Betreuers. Durch einen Verkauf von Wieden + Kenndey hätte die Führung finanziell sicher "sehr glücklich" werden können, aber "unsere Mitarbeiter wären es nicht" wegen des Kulturwandels, der zwangsläufig folge, so Luhr. Sein Kollege Mark Fitzloff, Global Executive Creative Director, erläutert mit einer Anekdote von früher den Vorteil, den unabhängige Agenturen für ihn haben. Als junger Texter habe er eine Anzeige für Nike entwickelt, die völlig daneben ging. Der damalige Chef von Nike Phil Knight habe daraufhin bei Agenturchef Dan Wieden angerufen und gesagt, er gehe davon aus, dass der verantwortliche Mitarbeiter entlassen werde. Daraufhin habe Wieden geantwortet: "Wir entscheiden selbst, wen wir entlassen und wen nicht."

Ein wichtiger Baustein für die Unabhängigkeit der Agentur ist den W+K-Managern zufolge die Haltung, sich eine "Outsider"-Perspektive zu bewahren. "Wir dürfen bei unseren Auftraggebern nicht so tun, als würden wir ihr Business besser verstehen als sie selbst", sagt Luhr. Vielmehr gehe es darum, einen frischen und unverbrauchten Blick auf die Dinge zu werfen. "Es ist kein Zeichen von Loyalität, jedes Chart des Kunden auswendig zu kennen", so Luhr. Um sich diese freie Perspektive zu erhalten, helfe auch der Stammsitz in Portland, Oregon. Dort sei man weit ab vom Schuss der Werbemetropolen, was einen unabhängigen Blick erleichtere.

Ohne Präsenz in den Werbezentren geht es aber auch für Wieden + Kennedy nicht. Neben Portland ist die Agentur in New York, London, Sao Paulo, Amsterdam, Delhi, Tokio und Shanghai vertreten. Zusätzliche Büroeröffnungen sind laut Luhr vorerst nicht geplant. Gleichzeitig erklärt er, dass man weiter wachsen und auch das internationale Geschäft ausbauen wolle. Fitzloff betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Kooperationen mit Firmen aus anderen Disziplinen. Zu den Kunden der Agentur gehören neben Nike Unternehmen wie Coca-Cola, Procter & Gamble, Chrysler, Sony und Kraft. mam
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