Wie Frauen ticken JWT will die Frauen unter allen Agenturen am besten verstehen

Freitag, 06. Mai 2016
JWT ist den Female Tribes auf der Spur
JWT ist den Female Tribes auf der Spur
Foto: Screenshot Youtube

Unfreiwillig komisch kommt J. Walter Thompsons mit der Veröffentlichung seiner globalen Studie "Women's Index" daher. "Mit dieser Studie und den daraus resultierenden 20 Female Tribes untermauern wir unser Versprechen, die Agentur mit dem besten Verständnis für Frauen in der Branche zu sein", lässt sich Bernd Adams, Chief Operating Officer bei J. Walter Thompson Germany, zitieren. Angesichts der erst kurz zurückliegenden Affäre um die sexistischen Äußerungen des nunmehr Ex-CEO Gustavo Martinez und dem darauf folgenden Schlagabtausch zwischen WPP-Chef Martin Sorrell und Publicis-Boss Maurice Lévy entbehrt das Zitat nicht einer gewissen Ironie.
Da hilft es auch nicht, dass Adams natürlich das Verständnis für die Frau als Entscheiderin im Kaufprozess meint, und die Studie sicherlich für Werber und Marketer wertvolle Erkenntnisse zu den Einstellungen von Frauen zu Themen wie Karriere, Religion, Finanzen, Attraktivität, Sexualität, Erziehung, Gesundheit und persönlichen Zielen liefert. Schließlich erfolgte die Trennung von JWT und Martinez vor allem, weil er die ehemalige Kommunikationschefin der Agentur Erin Johnson laut deren Klage unter anderem aufgefordert haben soll, ihn zur Toilette zu begleiten, damit er sie dort vergewaltigen könne. Außerdem soll er sich abfällig über Afro-Amerikaner und Juden geäußert haben. Martinez war 2014 von McCann zu JWT gekommen. 2015 übernahm er den weltweiten CEO-Posten. Ob es ausgerechnet JWT gelingen wird, den Blick auf Frauen und den Diskurs über sie zu ändern, ist mehr als fraglich. Dennoch hat sich die Kampagne, die mit der Studie einhergeht und die unter anderem im Film "Female Tribes Manifesto" kommuniziert wird, zum Ziel gesetzt, dies zu tun. "Kulturell schätzen wir den Einfluss von Frauen in der modernen Gesellschaft noch immer zu gering – obwohl Frauen heutzutage Führungskräfte, Präsidentinnen, Astronautinnen, Erfinderinnen und nicht einfach 'nur' Mütter sind. Wir sehen Frauen noch zu häufig nur in der Rolle der Erzieherinnen, obwohl wir von vielen Erfolgen und Verdiensten der Frauen auf zahlreichen anderen Gebieten wissen. Mit der Anerkennung dieser Erfolge schaffen wir ein Bewusstsein in der Gesellschaft und fördern weitere positive Entwicklungen, die Frauen initiieren", kommentiert Rachel Pashley, Global Planner bei JWT, die Ergebnisse der Studie.

Zu den Ergebnissen zählt unter anderem, dass mehr als die Hälfte der Frauen der Meinung ist, ehrgeiziger zu sein als ihr Ehepartner, dass 68 Prozent der weiblichen Befragten glauben, ihre Ziele sicher zu erreichen, und 79 Prozent, dass Frauen mit Kindern fokussierter arbeiten. Gleichzeitig stellen 53 Prozent fest, dass sie schlechter bezahlt werden als Männer, und 43 Prozent, dass ihre Meinung weniger geschätzt wird, weil sie Frauen sind. Übrigens bestätig die Studie bereits existierende Umfragen, die zeigen, dass ein Großteil der finanziellen Entscheidungen in der Familie von Frauen getroffen werden - hier sind es 73 Prozent.

Insgesamt 20 Thesen, die sogenannten Female Tribes, hat JWT anhand der Studienergebnisse herausgearbeitet. Sie sind unter jwt.com/femaletribes zu finden. ems
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