Werbeholdings WPP verliert Umsatz und senkt die Prognose

Mittwoch, 23. August 2017
Die aktuellen WPP-Zahlen dürften dem erfolgsverwöhnten CEO Martin Sorrell nicht gefallen
Die aktuellen WPP-Zahlen dürften dem erfolgsverwöhnten CEO Martin Sorrell nicht gefallen
Foto: WPP

Keine guten Nachrichten von der größten Werbeholding der Welt. WPP meldet für das 2. Quartal einen Umsatzrückgang von 0,8 Prozent. Bei der Kennziffer Net Sales (ohne bestimmte durchlaufende Kosten) fällt das Minus mit 1,7 Prozent sogar noch höher aus. Die schwächere Entwicklung nimmt der von CEO Martin Sorrell geführte Konzern zum Anlass, seine Prognose für das Gesamtjahr zu senken. WPP rechnet jetzt nur noch mit einem Umsatzwachstum zwischen null und einem Prozent.
Als Grund für den Umsatzrückgang nennt das Unternehmen geringere Ausgaben der Werbungtreibenden insbesondere in den Branchen FMCG und Handel. Im 2. Quartal haben sich vor allem die Geschäfte in den USA und in der Region "Western Continental Europe" eingetrübt. Hier steht ein Umsatzminus von 3 beziehungsweise 3,2 Prozent in den Büchern. Zu den europäischen Ländern, in denen es schlechter läuft als zuletzt, gehört neben Frankreich und Italien auch Deutschland. In Großbritannien kann WPP seinen Umsatz dagegen um 5,8 Prozent steigern.
Auf der Ebene der einzelnen Kommunikationsdisziplinen verliert der langjährige Wachstumsmotor Werbung/Media (Advertising and Media Investment Management) an Schwung. In diesem Segment büßt der Konzern 0,2 Prozent seiner Umsätze ein. Die Kennziffer Net Sales stagniert. Zu den Agenturen von WPP in diesem Segment gehören große internationale Werbenetworks wie Ogilvy, J. Walter Thomson, Y&R und Grey sowie die Mediaagenturen der Group M (Mediacom, MEC/Maxus, Mindshare). In Deutschland sind zudem die Werbeagenturen Scholz & Friends und Hirschen Group (Minderheitsbeteiligung) sowie seit kurzem Thjnk Teil der Gruppe.

Wegen des stärkeren 1. Quartals fallen die Halbjahreszahlen von WPP etwas besser aus als die für das zweite. Aber auch hier stehen letztlich Minuszeichen in den Büchern: In den ersten sechs Monaten ging der Umsatz um 0,3 Prozent zurück, bei den Net Sales beträgt der Rückgang 0,5 Prozent. Insgesamt erzielte WPP im 1. Halbjahr 2017 einen Umsatz von 7,40 Milliarden britischen Pfund (rund 8 Milliarden Euro). Die Rendite konnte um 0,2 Punkte auf 13,9 Prozent gesteigert werden. Das Unternehmen betont, dass die Umsatzverluste nichts mit der Cyber-Attacke Ende Juni zu tun haben, der WPP wie mehrere andere Konzerne zum Opfer gefallen ist. Man habe die Systeme innerhalb kurzer Zeit wiederherstellen können, teilt die Gruppe mit.

Nicht sehr zuversichtlich zeigt sich WPP in Bezug auf den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres. Die Holding rechnet jetzt nur noch mit einem Umsatzwachstum von maximal einem Prozent. Bisher war man von mindestens 2 Prozent ausgegangen. Da das Ausgabeverhalten der Auftraggeber sehr schwer vorherzusagen sei, werde man weiterhin vorsichtig agieren, nicht zuletzt bei der Einstellung neuer Mitarbeiter, heißt es in der offiziellen Mitteilung zur Halbjahresbilanz.

Auch die anderen Werbeholdings haben - mit Ausnahme von Omnicom (plus 4 Prozent) - zuletzt keine sonderlich guten Zahlen gemeldet. Publicis verzeichnet im 1. Halbjahr ein Minus von 0,2 Prozent, allerdings konnte die französische Gruppe anders als WPP im 2. Quartal wieder zulegen. Bei Dentsu beträgt der Rückgang 0,4 Prozent, Interpublic kommt auf ein Plus von immerhin 1,5 Prozent. mam

Update: Nach Vorlage der Halbjahreszahlen brach der Aktienkurs von WPP um mehr als 10 Prozent ein.
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