Werbeholdings WPP senkt erneut die Prognose und erwartet kein Wachstum mehr

Mittwoch, 01. November 2017
2017 ist kein gutes Jahr für die von Martin Sorrell geführte WPP-Gruppe
2017 ist kein gutes Jahr für die von Martin Sorrell geführte WPP-Gruppe
© WPP

2017 wird kein gutes Jahr für die internationalen Werbeholdings. Jetzt hat auch die weltweite Nummer 1 WPP ihre Prognose noch einmal nach unten korrigiert. Der von CEO Martin Sorrell geführte Konzern erwartet für dieses Jahr kein Wachstum mehr - weder bei Umsatz noch Ertrag. Das hat das Unternehmen bei der Vorlage der Zahlen für das 3. Quartal bekannt gegeben. Im Sommer hatte WPP seine Jahresprognose bereits von 3 auf "null bis zu ein Prozent" gesenkt.
Im 3. Quartal verzeichnet die Gruppe, zu der Netzwerke wie Ogilvy, Y&R, JWT und Grey (in Deutschland auch Scholz & Friends und Thjnk) sowie die Mediaaagenturen der Group M gehören, einen Umsatzrückgang von 2 Prozent auf 3,65 Milliarden britische Pfund (4,1 Milliarden Euro). Für die ersten neun Monate ergibt sich ein Minus von 0,9 Prozent auf 11,1 Milliarden Pfund (12,68 Milliarden Euro). Besonders schlecht liefen die Geschäfte zuletzt in Nordamerika. Hier hat WPP mehr als 5 Prozent seiner Umsätze verloren (9 Monate: minus 3,7 Prozent). In der Region "Western Continental Europe", zu der auch der deutsche Markt gehört, fiel ein Minus von 0,9 Prozent an (plus 0,2 Prozent). Einzig in Großbritannien konnte WPP den Umsatz im 3. Quartal steigern - um 1,8 Prozent.
In den einzelnen Geschäftsfeldern hat WPP im Berichtszeitraum Juli bis September durch die Bank weg Umsatz verloren. Bei der größten Säule "Advertising and Media Investment Management" 2,6 Prozent. Mit 2,9 Prozent fällt das Minus im Bereich "Data Investment Management" noch größer aus. Als Grund für den Umsatzrückgang und die noch einmal gesenkte Prognose nennt Konzernchef Sorrell vor allem die auf Kostenreduzierung ausgerichtete Unternehmensstrategie vieler Auftraggeber. Vor allem die Zurückhaltung der großen Konsumgüterkonzerne, die für rund 30 Prozent der Umsätze von WPP stehen, macht der Gruppe wohl zu schaffen. Die Abwanderung von Werbegeldern zu Google und Facebook sowie die Konkurrenz durch die großen IT-Beratungsfirmen, die im Digitalbereich zunehmend in das Geschäftsfeld der etablierten Agenturen eindringen, reichen laut Sorrell dagegen nicht zur Erklärung der aktuellen Entwicklung.

Experten gehen nicht davon aus, dass sich die Zahlen von WPP und der anderen Werbekonzerne schnell erholen. Der renommierte US-Analyst Brian Wieser von Pivotal Research Group rechnet erst für Ende 2018 oder sogar 2019 wieder mit spürbarem Wachstum. Damit geht die Zeit der Rekordjahre erst einmal vorbei. Nach der Wirtschaftskrise 2008/09 hatte WPP zuletzt sechs Jahre in Folge Rekordergebnisse präsentiert. Am Kapitalmarkt kamen die Zahlen erwatungsgemäß nicht gut an. Am gestrigen Dienstag rutschte der Börsenkurs auf ein Jahrestief. Im Vergleich zum Höchststand Anfang März waren WPP-Aktien damit fast 30 Prozent weniger Wert. Allerdings haben sich die Papiere inzwischen wieder leicht erholt. mam
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