Ranking Werbefilmproduktionen Markenfilm bleibt die Nummer 1 / Czar Film prescht nach vorne

Freitag, 31. Juli 2015
Führen Markenfilm künftig zu dritt: Johannes Bittel, Oliver Hack und Florian Beisert (v.l.)
Führen Markenfilm künftig zu dritt: Johannes Bittel, Oliver Hack und Florian Beisert (v.l.)

Die 30 größten deutschen Werbefilmproduktionen erzielten im Vorjahr einen Umsatz von rund 339,5 Millionen Euro - das entspricht einem Wachstum von etwa 5 Prozent gegenüber 2013. Sechs Unternehmen in den Top 10 konnten sogar überdurchschnittliche Zuwächse verzeichnen. Darunter auch die ewige Nummer 1: Die Markenfilm-Gruppe verzeichnet ein Plus von 7,3 Prozent auf 58,9 Millionen Euro.

Die 20 größten deutschen Werbefilmproduktionen 2014

Quelle: Horizont

Fußnoten zum Chart

2) internationale Gruppe mit Deutschland-Niederlassungen in Düsseldorf, Hamburg, München 3) bis Ende 2013 wurden die Umsätze von Embassy of Dreams und Gap Films aufgrund einer Fusion im März 2010 kumuliert. Inzwischen sind beide Firmen wieder eigenständig; Gap hat sich nicht am Ranking beteiligt 4) Umsatz nur bis 23. Oktober 2014, danach Aufteilung der Firma in Rabbicorn Films und Bakery Films
Den größten Sprung machte jedoch Czar Film: Die beiden deutschen Niederlassungen der internationalen Gruppe in Berlin und Hamburg haben ihre Umsätze im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Mit 21,4 Millionen Euro schaffte das Team um Jan Fincke und Thorne Mutert den Sprung von Platz 12 auf Platz 4.
„Es wäre schön, wenn wir uns umsatzmäßig zwischen 15 und 20 Millionen Euro einpendeln würden.“
Jan Fincke
Jan Finke, Czar Film
Jan Finke, Czar Film (Bild: Czar Film)
"Wir haben inzwischen eine tolle, feste Crew. Das führt dazu, dass bestehende Kunden immer wiederkehren", begründet Geschäftsführer Fincke den Erfolg. In den vergangenen Jahren konnte Czar seinen Umsatz stets verdoppeln - diesen Anspruch hat Fincke jetzt allerdings nicht mehr: "Es wäre schön, wenn wir uns umsatzmäßig zwischen 15 und 20 Millionen Euro einpendeln würden." Fincke ist realistisch: Der Kostendruck nimmt eher weiter zu. Die Renditen sind im Keller. Das bestätigen fast alle Produzenten in den Top 30. Der Grund dafür liegt nicht zuletzt am generell gestiegenen Bedarf an bewegten Bildern. Was für die Produzenten prinzipiell positiv ist, wird gleichzeitig zum Problem: Immer mehr Unternehmen bündeln ihre unterschiedlichen Bewegtbildprojekte – Werbe-, Image-, Messe- und Online-Filme – und erwarten dafür satte Rabatte. Zudem steigen die qualitativen Anforderungen an Online-Produktionen, während viele Werbungtreibende nach wie vor nicht bereit sind, dafür auch entsprechend höhere Budgets in die Hand zu nehmen beziehungsweise die gleichen Mark-ups zu zahlen, die bei der Herstellung von TV-Spots üblich sind.

Florian Beisert, Co-Geschäftsführer von Markenfilm, beschreibt die Konsequenzen dieser Entwicklung: "Wir gehen bei der Produktion häufig eine Extrameile, wenn es dem Ergebnis dienlich ist, und müssen uns im Nachhinein leider oft fragen, ob der Kunde das überhaupt bemerkt beziehungsweise wertschätzt. Dafür zahlen will er nämlich in der Regel nicht. Kunde, Agentur und Produktion ziehen oft nicht an einem Strang, was den qualitativen Anspruch der Filme betrifft." Er beobachtet weiter: "Die Werbebudgets bleiben konstant, werden aber auf immer mehr Töpfe verteilt. Kein Wunder also, dass gerade im Produktionsbereich der Kosten- und Konkurrenzdruck immens hoch ist."

Bei einigen bekannten Playern in den Top 30 hat es in den vergangenen Monaten strukturelle Veränderungen gegeben: Die Münchner Embassy of Dreams hat seine Partnerschaft mit Gap Films beendet – „in bestem Einvernehmen“, wie Embassy-Chef Helmut Hartl betont. Es sei einfach zu schwierig gewesen, die Zweimarkenstrategie zur Zufriedenheit aller Beteiligten aufrechtzuerhalten. Immerhin hielt die Liaison mehr als drei Jahre. Bei Rabbicorn Films, ehemals Jotz, und Bakery war schon nach etwas mehr als zehn Monaten Schluss. Die beiden hatten Ende 2013 ihren Zusammenschluss zu Rabbicorn Media verkündet. Im Oktober 2014 kam es dann bereits zur Trennung. "Sagen wir mal so: Wir haben geheiratet und sind erst dann zusammengezogen", beschreibt Bakery-Chef Stefan Schuh die Situation. Es hat wohl einfach nicht gepasst. Unabhängig davon geht nun auch sein ehemaliger Partner und Bakery-Co-Gründer Florian Sigl eigene Wege. Er will künftig verstärkt als Regisseur tätig sein.

Auch bei Anorak Film ist einiges neu: Nachdem Geschäftsführerin Christiane Dressler bereits im April bekannt gegeben hatte, dass sie das Werbefilmgeschäft von Radical Media zur Neugründung Anorak auslagert, hat sie sich nun Unterstützung in die Geschäftsführung geholt. Olrik Kleiner, zuletzt Executive Producer von Tempomedia Berlin, ist ab sofort Co-Chef von Anorak Film.

Last but not least meldet der Verband der Werbefilmproduktionen, die Sektion Werbung innerhalb der Produzentenallianz, einen Rekord: Nie zuvor haben sich so viele deutsche Produktionsfirmen und Postproduktionen zusammengetan, um unter einem einheitlichen Dach geschlossen aufzutreten und ihre Zunft bestmöglich zu repräsentieren. Verbandssprecher Tony Petersen stellt fest: "Es ist gerade hoch spannend, was sich im Bereich Bewegtbild tut. Unsere Aufgabe ist es nun, bestimmte Standards zu etablieren, damit unsere Branche gestärkt in die Zukunft blicken kann." bu

Mehr über Entwicklungen und kreative Trends in der Werbefilmbranche sowie das vollständige Top-30-Ranking steht in HORIZONT-Ausgabe 31/2015 vom 30. Juli, die auch auf  Tablets oder - nach einmaliger Registrierung - als E-Paper gelesen werden kann. Nicht-Abonnenten können hier ein HORIZONT-Abo abschließen.
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