Werbefestivals Cannes und Co spülen 72 Millionen in die Kasse von Ascential

Montag, 31. Juli 2017
Die Cannes Lions sind die Cash Cow von Ascential
Die Cannes Lions sind die Cash Cow von Ascential
© Ascential

Die Muttergesellschaft der Cannes Lions hat ihre Halbjahresbilanz vorgelegt. Wer sich die Zahlen von Ascential genauer ansieht, versteht noch besser, warum die Kritik von Agenturen und anderen Teilnehmern an den hohen Kosten für das Werbefestival in Südfrankreich immer lauter wird.
Der Umsatz in der Konzernsparte Exhibitions & Festivals erhöhte sich um mehr als 8 Prozent auf 137 Millionen britische Pfund (153 Millionen Euro). Davon entfallen allein 63 Millionen Pfund auf die Cannes Lions. Das ist ein Plus von 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 42 Prozent der Umsätze erzielen die Veranstalter mit dem Verkauf von Festival-Pässen, 41 Prozent mit Einreichungen. Der Rest entfällt auf "Partnerships & Digital" (15 Prozent) sowie Kommissionen für Hotel-Buchungen (2 Prozent). In diesem Jahr wurden laut Angaben von Ascential 10.000 zahlende Besucher für das weltweit größte Werbefestival registriert. Die Zahl der Besucher, die ohne offizelle Akkreditierung vor Ort sind, wird von Beobachtern auf rund 30.000 geschätzt.
Ein Grund für die zuletzt noch einmal deutlich verschärfte Kritik an den hohen Kosten für die Cannes Lions dürfte die hohe Rendite sein, die Ascential mit seiner Veranstaltungssparte einfährt. Der Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) liegt bei 64,5 Millionen Pfund (72 Millionen Euro), was einer Umsatzrendite von 47 Prozent (!) entspricht. Die großen Werbeholdings, die mit ihren Delegierten und Einreichungen zu den wesentlichen Finanzierern des Festivals gehören, kommen auf Margen um die 15 Prozent.

WPP-Chef Martin Sorrell hatte beim Werbefestival im Juni noch einmal auf die hohen Ausgaben für Cannes hingewiesen und den Vorschlag ins Spiel gebracht, die Veranstaltung womöglich woanders stattfinden zu lassen. Der neue Publicis-Chef Arthur Sadoun will sogar ein ganzes Jahr lang auf die Teilnahme an Werbefestivals verzichten und die gesparten Mittel in den Aufbau der internen KI-Plattform "Marcel" stecken. Die Cannes-Organisatoren haben bereits auf die Kritik reagiert. Unmittelbar nach Ende des diesjährigen Festivals haben sie einen Beirat mit führenden Vertretern der Werbeindustrie ins Leben gerufen, um den Verbesserungsbedarf auszuloten. Die Branche dürfte vor allem an geringeren Kosten interessiert sein.

Ingesamt erzielte Ascential von Januar bis Juni einen Umsatz von 222 Millionen Pfund. Neben der Verastaltungssparte gehört noch der Bereich Information Services zum Unternehmen. mam
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