Wegen Data Corrupter Facebook mahnt Grey ab

Donnerstag, 11. Mai 2017
Facebook geht juristisch gegen den "Data Corrupter" von Grey vor
Facebook geht juristisch gegen den "Data Corrupter" von Grey vor
Foto: Grey
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Das weltweit größte soziale Netzwerk Facebook geht juristisch gegen die Werbeagentur Grey vor. Der Internet-Konzern hat die WPP-Tochter für den von ihr entwickelten "Data Corrupter" über eine US-Kanzlei abgemahnt und aufgefordert, den Einsatz und die Verbreitung des Tools zu stoppen. Mit dem Browser-Plug-in will die Agentur um Kreativchef Fabian Kirner dem Phänomen Filterblase den Kampf ansagen.
Die Idee: Der Data Corrupter soll verhindern, dass Nutzern in ihrer Facebook-Timeline nur solche Nachrichten angezeigt werden, die der Algorithmus des sozialen Netzwerks aufgrund des bisherigen Nutzerverhaltens ermittelt. Technisch funktioniert das so, dass nach jedem Post, der gelikt wird, automatisch eine Vielzahl weiterer zufällig ausgewählter Likes addiert werden, sodass die Daten für Analysten unbrauchbar werden.
Gegen dieses Vorgehen wehrt sich Facebook nun juristisch und argumentiert, dass die Entwicklung und die Verbreitung des Data Corrupters gegen bestimmte Richtlinien des Unternehmens verstoße. Zugleich sind die persönlichen Facebook-Konten der beteiligten Köpfe sowie die eigens bei Facebook eingerichtete Seite gesperrt worden. Grey will der Abmahnung Folge leisten und hat die Verbreitung des Tools gestoppt. Die entsprechende Website ist nicht mehr erreichbar. Dass es Ärger mit Facebook geben würde, dürfte den Verantwortlichen von Anfang an klar gewesen sein. Womöglich hat man diesen sogar bewusst einkalkuliert, um der Aktion mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

"Sicher war es unser Fehler, mit dieser technischen Lösung gegen die Richtlinien des Netzwerks zu verstoßen. Jedoch bleibt hier eine große gesellschaftspolitische Herausforderung, der wir uns weiter widmen wollen", sagt Grey-Chef Dickjan Poppema und appelliert an Facebook, sich für einen Dialog zu öffnen. Ob es dazu kommt, ist unklar. Eine HORIZONT-Anfrage zum Thema lässt das US-Unternehmen bislang unbeantwortet. Bei Grey-Kooperationspartner "Orange by Handelsblatt", dem Jugendportal aus der gleichnamigen Düsseldorfer Verlagsgruppe, bedauert man die Intervention von Facebook. mam
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