Wahlkampf-Logo von Hillary Clinton im Expertencheck "Wäre es ein Soundlogo, würde es lauthals brüllen"

Dienstag, 14. April 2015
Hillary Clinton präsentiert auf ihrem Facebook-Account ihr Wahlkampf-Logo
Hillary Clinton präsentiert auf ihrem Facebook-Account ihr Wahlkampf-Logo
Foto: Screenshot facebook.com/hillaryclinton
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Hillary Clinton Wahlkampf Expertencheck


Kaum präsentierte Hillary Clinton das Logo für ihre Wahlkampf-Kampagne zur US-Präsidentschaftswahl, hagelte es Häme und Spott in den sozialen Netzwerken. HORIZONT Online hat deutsche Designexperten zu Hillarys H befragt. So richtig angetan ist von ihm keiner.
Am vergangenen Sonntag machte Clinton ihre Kandidatur in einem Youtube-Video offiziell. Doch es sind nicht die Wahlkampfversprechen der Demokratin, die die Diskussionen in den Sozialen Netzwerken bestimmen, sondern ihr Wahlkampflogo: Ein simples blaues H, dessen Mittelbalken als roter Pfeil dargestellt ist. Kreiert hat das Logo der Designer Michael Bierut von der Pentagram. Was sich die US-Agentur genau bei dem Zeichen gedacht hat, konnte auf Nachfrage noch nicht in Erfahrung gebracht werden.
„Wäre es ein Soundlogo, würde es lauthals brüllen.“
Peter Martin, Martin et Karczinski
Deutsche Designer haben sich allerdings auch so bereits ihre Meinung zu dem Zeichen gebildet. Logos sollen die hinter ihm stehenden positiven Persönlichkeitsmerkmale zum Ausdruck bringen, erklärt Peter Martin, Geschäftsführer von Martin et Karczinski in München. Das sei im vorliegenden Fall jedoch eindeutig schief gegangen. Das Logo wirke sehr aggressiv. "Wir sehen zwei starke Vertikale, die von einer roten Horizontalen durchbrochen werden wie von einer Dampfwalze. Dadurch wirkt das Zeichen sehr aggressiv. Wäre es ein Soundlogo, würde es lauthals brüllen. Als derart konfrontativ oder gar 'revolutionär' habe ich Frau Clinton allerdings nie wahrgenommen", so Martin. Für Sven Carsten Alt, Vorstand der Hamburger Agentur Syndicate Design, macht das Zeichen aber durchaus Sinn, auch wenn ihn die Optik nicht überzeugt. Es sei Ausdruck ihrer Strategie: "Kraftvoll wie eine Mann, kompromisslos wie ein Republikaner und mit einer klaren Botschaft: Mit Hillary geht es für die USA nach vorn (und vielleicht auch einen Schritt nach rechts?)", so Alt. Mit Warmherzigkeit und Menschlichkeit sei keine Wahl zu gewinnen - "und mit einem schönen Logo auch nicht!" Norbert Gabrysch, Vorstandschef von Wir Design in Berlin, vergleicht das Logo gar mit einem "alten Verkehrszeichen unseres Bundesamtes für Wasser- und Schifffahrtsstraßen". 

Tony Lyons, Design Director bei Landor Associates in Hamburg, stellt die Einfachheit des Logos heraus. Den Kultstatus von Shepard Faireys 'Hope'-Poster werde es wahrscheinlich nicht erlangen. Lyons: "Womöglich ist dafür aber das Wahlkampfversprechen erreichbarer." jm

Die vollständigen Statements lesen Sie im Folgenden:

Sven Carsten Alt, Vorstand Syndicate Design

Sven Carsten Alt, Vorstand Syndicate Design
Sven Carsten Alt, Vorstand Syndicate Design (Bild: Agentur)
"Hillary Clinton möchte keine Fehler machen und nach ihrer verkannten Ära als First Lady und Außenministerin endlich als erste Frau der Geschichte als Präsidentin ins Weiße Haus einziehen. Sie hat ihre erste Chance verpasst und Barack Obama schnappte ihr den Job weg. Jetzt greift sie erneut an. Ihre letzte Chance.

Das Logo ist Ausdruck ihrer Strategie: Kraftvoll wie eine Mann, kompromisslos wie ein Republikaner und mit einer klaren Botschaft: Mit Hillary geht es für die USA nach vorn (und vielleicht auch einen Schritt nach rechts?). Mit Warmherzigkeit und Menschlichkeit ist keine Wahl zu gewinnen. Und mit einem schönen Logo auch nicht!"

Norbert Gabrysch, Vorstandsvorsitzender von Wir Design

Norbert Gabrysch, Vorstandsvorsitzender von Wir Design
Norbert Gabrysch, Vorstandsvorsitzender von Wir Design (Bild: Agentur)
"Sieht aus wie ein altes Verkehrszeichen unseres Bundesamtes für Wasser- und Schifffahrtsstraßen. Hillary Clinton hat es verdient, mit besseren Beratern und Experten zusammenzuarbeiten. Sonst sehe ich schwarz für die Zukunft Amerikas."

Peter Martin, Geschäftsführer Martin et Karczinski

Peter Martin, Geschäftsführer Martin et Karczinski
Peter Martin, Geschäftsführer Martin et Karczinski (Bild: Agentur)
"Beim Kampagnenlogo von Hillary Clinton handelt es sich um ein indexikalisches Typogramm. Als Zeichen kommt ihm die Funktion zu, die hinter ihm stehende Persönlichkeit und ihre Haltung zum Ausdruck zu bringen. Allerdings ist der Versuch, positive Persönlichkeitsmerkmale zu kommunizieren, im vorliegenden Fall eindeutig gescheitert. Wir sehen zwei starke Vertikale, die von einer roten Horizontalen durchbrochen werden wie von einer Dampfwalze. Dadurch wirkt das Zeichen sehr aggressiv. Wäre es ein Soundlogo, würde es lauthals brüllen. Als derart konfrontativ oder gar 'revolutionär' habe ich Frau Clinton allerdings nie wahrgenommen.

Zuletzt erinnert das Hillary-H auch an ein Verbotsschild – und bekommt etwas Entlarvendes: Während Barack Obama in seiner Kampagne die US-amerikanische Bevölkerung stets mitdachte und sie einlud, Teil von etwas zu sein, hat das Hillary-H das Abweisende, ja Autoritäre und auch nicht unbedingt Demokratische des Warnhinweises."

Tony Lyons, Design Director bei Landor Associates

Tony Lyons, Design Director bei Landor
Tony Lyons, Design Director bei Landor (Bild: Agentur)
"Eine Annäherung an die Republikaner. Könnte das die versteckte Botschaft in Hillary Clintons Wahlkampflogo sein? Wahrscheinlich nicht. Auf jeden Fall hat man sich mit dem Logo für einen sehr direkten und einfachen Ansatz entscheiden. Interessant wird es jetzt zu sehen, wie die 'Marke' Hillary Clinton insgesamt umgesetzt wird und wie stark diese plakative Symbolik die tatsächliche Botschaft der Kampagne tragen wird. Den Kultstatus von Shepard Faireys 'Hope'-Poster wird man wahrscheinlich nicht erlangen. Womöglich ist dafür aber das Wahlkampfversprechen erreichbarer."
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