WPP-Strategie Martin Sorrells Liebeserklärung an Google

Dienstag, 05. August 2014
Für WPP-Boss Martin Sorrell ist Deutschland ein eroberter Markt (Foto: Agentur)
Für WPP-Boss Martin Sorrell ist Deutschland ein eroberter Markt (Foto: Agentur)


Gewohnt schlagfertig macht der 69 Jahre alte WPP-Boss Martin Sorrell ein für allemal klar, dass er noch lange nicht ans Aufhören denkt. "Vorher muss man mich schon erschießen", sagt der CEO der weltgrößten Agenturholding in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin "Bilanz". Ebenso deutlich rückt er von seiner früheren Kampfeshaltung gegenüber dem Suchmaschinenbetreiber Google ab, den er noch vor wenigen Jahren als "Frenemy", als freundlichen Feind des Agenturgeschäfts, bezeichnet hatte.
Doch diese Zeiten scheinen endgültig passé, denn inzwischen bezeichnet Sorrell den Suchmaschinengiganten nicht nur als wertvollstes, sondern auch machtvollstes Unternehmen der Welt, mit dem WPP "gerade die größte Beziehung eingeht, die wir je zu einem Medienunternehmen hatten." 3 Milliarden Dollar werden die WPP-Agenturen, die laut Sorrell derzeit Werbeetats in Höhe von etwa 75 Milliarden Dollar verwalten, vermutlich dieses Jahr bei Google investieren. Bislang sei die News-Corp-Gruppe von Rupert Murdoch mit 2,5 Milliarden Dollar für das Print-, TV- und Filmgeschäft zusammen der größte Medienpartner von WPP gewesen.

Als Wachstumstreiber für die Werbebranche benennt der Chef von Werbenetworks wie Ogilvy & Mather und Young & Rubicam sowie der weltweit größten Mediaagenturgruppe Group M die Suche nach Inhalten und Informationen auf mobilen Endgeräten sowie den Video-Bereich; allen voran der bei der Google-Tochter Youtube.

Doch auch die sozialen Medien sieht Sorrell weiter im Aufwind. 650 bis 700 Millionen Dollar werden die WPP-Agenturen dieses Jahr bei Facebook platzieren, das für Sorrell "ein gutes Medium für Marken, die sich präsentieren möchten", ist. Vor allem goutiert er die Facebook-Bemühungen, den Mobilbereich weiter auszubauen. "Betrachtet man die hohe Nutzerzahl, könnte das sehr erfolgreich werden", sagt Sorrell. Doch auch auf Twitter wird dieses Jahr mit 100 Millionen Dollar doppelt so viel Werbegeld wie im Vorjahr entfallen und bei Yahoo werden es seinen Berechnungen zufolge rund 500 Millionen Dollar werden.

Bezogen auf sein eigenes Unternehmen setzt der WPP-Chef weiter auf organisches Wachstum, das seinen Angaben zufolge jährlich rund 4 Prozent beträgt. Durch den Zukauf von Firmen wachse die Gruppe hingegen nur um 2 bis 3 Prozent pro Jahr, wobei dieses Jahr weltweit bereits 31 neue Unternehmen dem WPP-Imperium einverleibt wurden.

Von seiner regionalen Expansionsstrategie, die Sorrell bereits seit Jahren verfolgt, wird er nicht abrücken. Nach wie vor hat er die BRIC-Staaten, also Brasilien, Russland, Indien und China, im Visier sowie die "nächsten Elf", wie er sie zu nennen pflegt. Gemeint sind damit Ägypten, Bangladesch, Indonesien, Iran, Mexiko, Nigeria, Pakistan, die Philippinen, Südkorea, Türkei und Vietnam. In diesen Märkten erzielt WPP laut Sorrell derzeit 31 Prozent des Umsatzes und dieser Anteil soll in absehbarer Zeit auf 40 bis 45 Prozent steigen.

Die sechs wichtigsten Märkte für WPP aber sind nach wie vor die USA (7 Milliarden Dollar), Großbritannien (3 Milliarden), China (1,5 Milliarden), Deutschland (1,4 Milliarden), Frankreich (850 Millionen) und Brasilien (800 Millionen). Zugleich merkt Sorrell aber auch an, dass "sich Mitteleuropa nach Osten orientieren wird." In Russland, Polen und Deutschland sehe WPP "extrem gute Möglichkeiten, wobei Deutschland bereits ein eroberter Markt ist." ejej
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