WPP Scholz & Friends will offenbar Anteile zurückkaufen

Donnerstag, 01. Oktober 2015
Scholz & Friends-Chef Frank-Michaael Schmidt
Scholz & Friends-Chef Frank-Michaael Schmidt
Foto: Scholz & Friends

In der WPP-Gruppe bahnt sich ein ungewöhnlicher Schritt an. Wie aus dem Umfeld der weltweit größten Werbeholding zu hören ist, will die deutsche Tochter Scholz & Friends - über ihre Muttergesellschaft Commarco seit 2011 zu 100 Prozent im Besitz von WPP - Anteile zurückkaufen. Nach Informationen von HORIZONT geht es um 30 Prozent der Firmenpapiere.
Der Schritt ist ungewöhnlich, weil die von CEO Martin Sorrell geführte Gruppe in der Regel möglichst hohe Beteiligungen anstrebt. Dass sieht man beispielsweise gerade bei dem Versuch, die Mehrheit an der Digitalagentur Syzygy zu übernehmen, an der die Holding bislang 30 Prozent hält. Dass WPP bei einer vollständig von ihr kontrollierten Agentur Anteile wieder abgibt, widerspricht dieser Strategie und zeigt, dass die Rechnung mit Scholz & Friends bislang offenbar nicht so aufgegangen ist, wie das beide Seiten gehofft haben. Schon im vergangenen Jahr hatte sich Konzernchef Sorrell eher zurückhaltend über die Entwicklung der deutschen Agentur geäußert. In einem Gespräch mit der "Wirtschaftswoche" sagte er: "Commarco mit der Agentur Scholz & Friends lief nicht fantastisch, aber solide." Ein Gegenbeispiel für die bisherige Strategie von WPP ist der Deal mit der Hirschen Group. Hier hat sich WPP mit 49 Prozent der Anteile zufrieden gegeben. Scholz & Friends erhofft sich von dem jetzt geplanten Schritt wohl nicht zuletzt, über Beteiligungen Top-Leute besser an das Unternehmen binden und neue Führungskräfte gewinnen zu können. Insidern zufolge hat der Vorstand um CEO Frank-Michael Schmidt zuletzt versucht, weitere Aushängeschilder für die Agentur zu gewinnen. Nicht zuletzt der Kunde Opel mit seiner anspruchsvollen Marketingchefin Tina Müller dürfte das gern sehen. Vor allem nachdem mit André Kemper einer ihrer Lieblingskreativen die Commarco-Gruppe verlassen wird, um sich mit der von ihm und Tonio Kröger gegründeten Agentur Antoni um die Werbung von Mercedes-Benz zu kümmern.

WPP macht den Großteil seiner Umsätze von zuletzt 1,2 Milliarden Euro in Deutschland mit der Mediaagenturgruppe Group M. Sie steht dem Vernehmen nach für rund die Hälfte der hiesigen Umsätze. Das Kerngeschäft der klassischen Werbeagenturen steht dagegen seit Jahren unter hohem Druck und dürfte kaum noch wachsen. Diese Situation sorgt offenbar dafür, dass WPP zu Zugeständnissen bereit ist. Neben Scholz & Friends ist die Holding hierzulande mit Ogilvy, Grey, JWT und Young & Rubicam vertreten.

Scholz & Friends hat für Donnerstagvormittag zu einer Pressekonferenz eingeladen. Dort sollen personelle und strukturelle Weichenstellungen für die Gruppe präsentiert werden. Über die möglichen Veränderungen hatte zunächst Manager-Magazin Online spekuliert. Später griff der Schwestertitel Spiegel Online die Meldung auf. mam
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