WPP Ogilvy & Mather kündigt freigestelltem CEO Thomas Strerath fristlos

Montag, 04. Mai 2015
Thomas Strerath liegt im Streit mit seinem bisherigen Arbeitgeber Ogilvy
Thomas Strerath liegt im Streit mit seinem bisherigen Arbeitgeber Ogilvy
Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images

Die Trennung zwischen Thomas Strerath und Ogilvy & Mather wird doch noch zu einem Rosenkrieg. Wie der freigestellte CEO, der im September als Vorstand bei Jung von Matt anheuert, heute via Facebook bekannt macht, hat er Ende voriger Woche eine fristlose Kündigung seines bisherigen Arbeitgebers erhalten. Das knappe Schreiben ist vom Finanzchef der deutschen Ogilvy-Gruppe Helmut Hechler unterzeichnet und wurde von Strerath auf seinem Account veröffentlicht.
Ogilvy begründet die fristlose Kündigung von Strerath mit einer "andauernden schweren Verletzung seiner Treuepflichten" und "Verstößen gegen seinen Dienstvertrag". Konkret wirft ihm die Agentur unter anderem vor, dass er im März auf der CeBIT im Namen seines künftigen Arbeitgebers Jung von Matt aufgetreten sei und unter anderem den Ogilvy-Kunden IBM besucht habe. Ein entsprechender Post ist auf Streraths Facebook-Seite zu finden.
Im Tragen dieser Namensschilder sieht Ogilvy eine Verletzung der Treuepflicht
Im Tragen dieser Namensschilder sieht Ogilvy eine Verletzung der Treuepflicht (Bild: Facebook)
Der Manager dementiert, dass er im Auftrag von Jung von Matt auf der Computermesse in Hannover unterwegs war. Vielmehr habe er für die Teilnahme an einer Produktpräsentation des IT-Konzerns eine Firmenakkreditierung gebraucht. Ebenso für eine Veranstaltung des früheren Ogilvy-Kunden SAP, der künftig von BBDO betreut wird. Diese Akkreditierung habe er von Ogilvy nicht bekommen, deswegen sei seine künftige Agentur eingesprungen.

Die fristlose Kündigung will Strerath nicht akzeptieren und kündigt an, juristisch dagegen vorzugehen. Wie so oft in solchen Fällen geht es nicht zuletzt ums Geld. Strittig ist offenbar die Höhe der Bonuszahlungen für den ehemaligen CEO. Der Konflikt schwelt schon länger. "Nach Wochen der Drohungen mit Schadensersatz- oder Unterlassungsklagen oder der interessanten Feststellung, ich hätte ja nie gekündigt, nun also der Versuch einer unehrenhaften Entlassung", schreibt Strerath bei Facebook.
Thomas Strerath
Bild: Alexander Hassenstein

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Ogilvy will nichts von solchen Klagen wissen. Vielmehr habe man lange Zeit nach einer einvernehmlichen Lösung gesucht und dabei "viele Provokationen ertragen". Jetzt sei man allein aufgrund der Rechtslage gezwungen, zu reagieren. "Wir müssen unser Geschäft schützen", teilt die WPP-Tochter mit.

Dass der Kampf mit harten Bandagen geführt wird, zeigt sich auch an anderer Stelle. WPP hat über seine Tochtergeselleschaft DSBK Activate beantragt, Strerath als Aufsichtsrat bei der Digitalagenturgruppe Syzygy abzuberufen. Für ihn will die britische Werbeholding Ralf Hering, Chef der Kommunikationsberatung Hering Schuppener, im Kontrollgremium installieren.

Heikel daran ist, dass WPP nur über 30 Prozent der Anteile verfügt und die Verantwortlichen der Agentur bislang immer erklärt haben, die Holding nehme keinen Einfluss auf die Geschäfte von Syzygy. Das scheint sich jetzt offenbar zu ändern. Mit Michael Mädel sitzt bereits ein Vertreter des Werbekonzerns im Aufsichtsrat. Syzygy-Chef Marco Seiler will sich nicht zum Thema äußern. mam

Update: Inzwischen hat Thomas Strerath den Facebook-Post gelöscht, mit dem er seine fristlose Kündigung bekannt machte. Es sei doch ratsamer, solche Themen und "die damit zusammenhängenden Emotionen" nicht in der Öffentlichkeit zu diskutieren, begründet er den Schritt.     




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