WPP Hamburger Protestinitiative macht Friedensallee zur "Scholz & Friendsallee"

Mittwoch, 20. August 2014
Kreativer Protest gegen die Baupläne von WPP (Foto: Pro Wohnen Ottensen)
Kreativer Protest gegen die Baupläne von WPP (Foto: Pro Wohnen Ottensen)


Der Bürgerprotest gegen den geplanten Bürokomplex der WPP-Holding im Hamburger Stadtteil Ottensen formiert sich. Aktivisten der überparteilichen Initiative "Pro Wohnen Ottensen" haben die Friedensallee symbolisch umbenannt, indem sie das Wort "Frieden" auf dem Straßenschild durchstrichen und darunter "Scholz & Friendsallee" befestigten. In der Friedensallee soll bis Anfang 2017 ein sechsstöckiges Bürogebäude entstehen, das 850 Mitarbeitern von WPP-Firmen Platz bieten könnte. In erster Linie handelt es sich dabei um die Beschäftigten der Werbeagentur Scholz & Friends, die derzeit an der Kehrwiederspitze im Hamburger Hafen und mit dem zweiten Büro Neumarkt in Eimsbüttel sitzt. Darüber hinaus sollen weitere WPP-Töchter nach Ottensen ziehen. Insgesamt ist von zwölf Firmen die Rede, die die Londoner Agenturholding in Ottensen unterbringen möchte.

Aber nun machen die Anwohner gegen diese Pläne mobil und übergaben dem Hamburger Finanzsenator Peter Tschentscher eine Online-Petition, die rund 1800 Bürger und Einzelhändler unterschrieben haben. In einem offenen Brief an den Hamburger Senat fordern sie zudem den Stopp der Baupläne, die von Prokom Invest als Bauträger realisiert werden sollen.

Auf dem Gelände des Zeiseparkplatzes sollten ursprünglich ab diesem Sommer neue Wohnungen, die Hälfte davon öffentlich gefördert und zu erschwinglichen Preisen, gebaut werden. Der entsprechende Architekten-Wettbewerb war bereits abgeschlossen, als vor einigen Wochen die Hamburger "Mopo" meldete, dass auf dieser Fläche stattdessen Prokom ein Bauvorhaben realisieren will. Die Bürgerinitiative "Pro Wohnen Ottensen" ist im Gegensatz zu Hamburger Politikern nicht der Ansicht, dass die Ansiedlung von WPP eine "kreative Befruchtung" für den Stadtteil sein wird. Sie fordert, wie geplant mit dem Bau der Wohnung zu beginnen.

Bislang scheint es noch keinen offiziellen Bauantrag beim Altonaer Bezirksamt zu geben. Aber die Unterstützer der Petition befürchten, dass der Bürokomplex bereits hinter den Senatskulissen "nach Gutsherren-Art" durchgewunken wurde. ejej

Update:


Stellungnahme von Richard Karpik, Geschäftsführer von WPP Deutschland in Frankfurt:

"Wir haben zusammen mit einem Maklerbüro nach einem Standort in Hamburg für Anfang 2017 gesucht, in dem wir in Hamburg ansässige Firmen und Niederlassungen der WPP-Gruppe in einem Gebäude zusammenlegen wollen. Unter rund 15 Angeboten haben wir uns dann Anfang 2014 für dieses Objekt entschieden.

Nach unserer Kenntnis ist dieses Grundstück im Bebauungsplan als Gewerbe-/Bürofläche ausgewiesen; von der jetzt einsetzenden politischen Diskussion sind wir überrascht worden. Der Adressat der Proteste kann nur der Bauherr sein und nicht der Mieter WPP; wir haben zu keiner Zeit Einfluss auf irgendwelche politischen Kräfte genommen oder dies auch nur versucht."
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