WPP Deutschland "Handelsgeschäfte im Mediabereich haben sich stark erhöht"

Freitag, 14. August 2015
CEO Martin Sorrell will die Position von WPP in Deutschland weiter ausbauen
CEO Martin Sorrell will die Position von WPP in Deutschland weiter ausbauen
Foto: Cannes Lions/Getty Images

"Das machen wir nur online" - mit dieser Aussage hat WPP-Chef Martin Sorrell Ende Juli für Verwunderung im deutschen Werbemarkt gesorgt. Gemeint waren Trading-Deals, bei denen Mediaagenturen Werbeplätze bei den Medienvermarkten einkaufen und dann mit zum Teil hohen Zuschlägen auf eigene Rechnung weiterverkaufen. Denn zumindest hierzulande ist bekannt, dass die unter dem Dach der WPP-Tochter Group M gebündelten Mediaagenturen solche Geschäfte bei weitem nicht nur im Onlinebereich machen, sondern nicht zuletzt im TV.
Ein Blick in die vor kurzem für das Geschäftsjahr 2013 veröffentlichte Bilanz von WPP Deutschland, unter deren Dach sämtliche hiesigen Aktivitäten des Werbekonzerns gebündelt werden, lässt ebenfalls Zweifel an der Richtigkeit der Aussage von Gruppenchef Sorrell aufkommen. Dort heißt es zur Begründung des um 15 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gestiegenen Umsatzes wörtlich: "Außerdem hat sich im Bereich Media der Anteil an Handelsgeschäften gegenüber früher stark erhöht." Von einem unbedeutenden Nischengeschäft, das man nur online betreibt, lässt sich demnach also kaum sprechen. Den Anteil der Mediasparte am Gesamtumsatz von WPP Deutschland beziffert das Unternehmen auf 25 Prozent. Klassische Werbung steht für 23 Prozent. Diese insgesamt 48 Prozent seien aus internationaler Perspektive immer noch relativ hoch, so das Unternehmen. Zum Vergleich: Weltweit tragen Media und klassische Werbung 42 Prozent zum Konzernumsatz bei. Den größten Teil seiner Umsätze macht WPP in Deutschland aber weder mit Media noch mit klassischer Werbung, sondern mit Marktforschung. Die Töchter TNS Infratest, Millward Brown und Icon Added Value machen 26 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Weiter ausbauen will WPP seine Position im Bereich Dialog- und Onlinewerbung. Hier kommt die Gruppe in Deutschland derzeit auf einen Umsatzanteil von 13 Prozent. Wachsen will man in diesem Segment unter anderem durch Zukäufe. Zuletzt hat WPP ein Übernahmeangebot für die Digitalagenturgruppe Syzygy gemacht, an der die Holding bereits mit 30 Prozent beteiligt ist. Schon verstärkt wurde das Geschäft im Bereich Markenführung. Hier hat sich WPP vor kurzem an der Hirschen Group beteiligt. Erstmals nennt die Gruppe in der Konzernbilanz offiziell die Höhe der Beteiligung. Sie beträgt "knapp 50 Prozent."
Martin Sorrell
Bild: Cannes Lions

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WPP Deutschland hat im Jahr 2013 durchschnittlich 6.669 Mitarbeiter beschäftigt. Das sind rund 5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Der Pro-Kopf-Umsatz erhöhte sich überproportional um 20 Prozent auf 181.125 Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) beträgt 170 Millionen Euro. Das ist ein Plus von etwa 7,5 Prozent gegeüber dem Vorjahr. Die Ebitda-Marge liegt bei 14,1 Prozent.

Zu den bekanntesten Marken der Holding gehören Werbeagenturen wie Grey, Ogilvy & Mather, Scholz & Friends, Y&R und J. Walter Thompson, die Mediaagentursparte mit den Group-M-Töchtern Mediacom, MEC, Mindshare und Maxus, PR-Agenturen wie Burson-Marsteller, Hill + Knowlton Strategies sowie Cohn & Wolfe und die Marktforschungssparte mit TNS Infratest, Millward Brown und Icon Added Value. mam
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