WPP-Chef Martin Sorrell "Wir machen Trading-Deals nur online"

Mittwoch, 22. Juli 2015
WPP-Chef Martin Sorrell
WPP-Chef Martin Sorrell
Foto: Cannes Lions
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WPP-Chef Martin Sorrell ist ein gefragter Mann, auch bei deutschen Tageszeitungen. Vor kurzem gab es ein längeres Gespräch mit ihm in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", jetzt zieht das "Handelsblatt" nach. Auf vier ganzen Seiten spricht Sorrell unter anderem über sein Gehaltspaket, den deutschen Markt und die Entwicklung der WPP-Gruppe. Dabei macht er die eine oder andere Aussage, die - nun ja - zumindest verwundert.
Beispielsweise wenn er auf die Gewinne seiner Mediaagenturen und deren im Vergleich zu den Werbetöchtern deutliche höhere Rendite angesprochen wird. "Die Renditen sind gleich über das Unternehmen verteilt", entgegnet Sorrell kurz und knapp. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass schon die WPP-Werbeagenturen in Deutschland unterschiedliche Margen erzielen. Eine Agentur wie Ogilvy gilt beispielsweise als deutlich profitabler als andere Marken der Gruppe. Noch fraglicher wird die Aussage Sorrells über die angeblich gleich über das Unternehmen verteilten Renditen, wenn man den Quervergleich zu anderen Disziplinen, vor allem Media, herstellt. So hatte der frühere Ogilvy-Chef (und damit WPP-Manager) Thomas Strerath Anfang des Jahres öffentlich erklärt, dass Mediaagenturen Profitmargen um die 30 Prozent erzielen, während Werbeagenturen "bestenfalls noch eine zweistellige Marge einfahren können".

Bemerkenswert ist auch die Festellung Sorrells, dass WPP Trading-Deals nur online macht. Von deutschen Medienvermarktern und Werbungtreibenden ist da anderes zu hören. Auch der Satz des Konzernchefs, dass WPP seine Marktposition - die Mediasparte Group M hat in Deutschland laut aktuellen Recma-Zahlen einen Marktanteil von 45 Prozent - zum Nutzen der Kunden einsetze, dürften nicht alle Marktteilnehmer uneingeschränkt teilen. Schon länger gibt es Hinweise darauf, dass manche Mediaagenturen mit zum Teil wenig transparenten Geschäftsmodellen nicht zuletzt eigene Interessen verfolgen.

Klaus-Peter Schulz, Chef des Agenturverbands OMG, hat diese Vorwürfe allerdings erst kürzlich wieder als "Behauptung der Ewiggestrigen" ins Reich der Legenden verwiesen. Sämtliche Fragen und Mutmaßungen zu diesem Thema seien seit Jahren vom Tisch. Auch hier gilt wieder: Bei den Medienvermarktern und bei den Kunden dürften das nicht alle so sehen. mam
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