Von schwäbischen Metalheads und brennenden Porsches Kreative erzählen von ihrem spektakulärsten Autoerlebnis

Montag, 20. April 2015
Seit er 18 ist, fährt Götz Ulmer (Jung von Matt) alte Minis.
Seit er 18 ist, fährt Götz Ulmer (Jung von Matt) alte Minis.
Foto: Götz Ulmer

Jeder könnte darüber berichten: über das persönlich schrägste Autoerlebnis. HORIZONT hat bei Werbern und Kreativen nachgefragt, was ihnen Abgefahrenes mit dem eigenen Auto passiert ist.

Stefan Kolle (Kolle Rebbe)

Überzeugt Kaldewei: Kolle-Rebbe-Chef Stefan Kolle
Überzeugt Kaldewei: Kolle-Rebbe-Chef Stefan Kolle (Bild: Foto: Kolle Rebbe)
Bei meinem alten Fiat Uno konnte man jahrelang die Beifahrertür nicht mehr absperren. Das war aber total egal, denn den Wagen wollte eh niemand klauen. Ohne Probleme hätte ich Taschen voller Geld in ihm lagern können. Und genau dafür mochte ich den Uno: Er war weder Statussymbol noch Statement. Zuletzt schlugen dann ab und zu Flammen aus der Motorhaube. Das war einerseits ziemlich cool, bedeutete aber nach mehr als 15 Jahren das Ende unserer Beziehung. Denn auch der TÜV entzog meinem langjährigen Begleiter seinen Segen.
15 Jahre lang das Auto von Stefan Kolle: der blaue Fiat Uno
15 Jahre lang das Auto von Stefan Kolle: der blaue Fiat Uno (Bild: Kolle Rebbe)

Hermann Waterkamp (Leagas Delaney Hamburg)

Hermann Waterkamp
Hermann Waterkamp (Bild: Leagas Delaney)
Dieser Alfa war so ein Kauf, wie andere Männer ihn in der Lebensmitte tun, vielleicht um weichendes Haupthaar oder den Verlust an Haarfarbe zu kompensieren. Bei mir war es ein lang gehegter Wunsch, den ich mir bereits mit Ende 30 erfüllte. Der Vorteil des frühen Kaufs: Ich konnte noch lässig und vor Publikum geschmeidig in mein schönes Alfa Romeo Coupé Baujahr 1969 ein- und aussteigen. Neben dem unvergleichlichen Design zeichnete sich das Fahrzeug durch einen infernalisch guten Sound aus, für den ein nachträglich installierter Sportauspuff sorgte. Mit sattem Röhren, sägendem Kreischen und kehligem Nachgurgeln – je nach Drehzahl. Damit erntete ich viele bewundernde Blicke, die mich für den fehlenden Vortrieb und das teure Werkstatt-Abo entschädigten. Seltsamerweise eher von Männern älteren Semesters. Es waren aber auch Frauen darunter. Zugegeben, die Eltern des Waldorf-Kindergartens gehörten seinerzeit nicht zu meiner Fangruppe. Aber in der Schanze und auf dem Firmenparkplatz sah das ganz anders aus: pure Bewunderung. Oder nicht? Nachdenklich wurde ich, als ich eines Tages vor der Agentur vorfuhr und sich ein mir unbekannter Mann in grauem Kittel vor der Fahrertür aufbaute. Er war übellaunig und wiederholte immer wieder dieselbe Frage: "Finden Sie das eigentlich gut?" Schließlich fand ich heraus, dass es sich bei dem grimmigen Kerl um den Hausmeister des gegenüberliegenden Kindergartens handelte, dessen all-abendliche Bemühungen, sein Kleinkind in den Schlaf zu wiegen, durch die Le-Mans-Live-Übertragung, die sich aus meinem Auspuff den Weg ins Freie bahnte, vereitelt wurde. Kaum eingeschlafen, war das Kind wieder wach, während ich meinen Italiener Richtung Heimat steuerte. Da stand ich nun, irgendwie kleinlaut und mit zu großem Auspuff. Eines ist aber sicher: Eine Midlife Crisis war es sicher nicht. Dann schon eher eine Art  Spätpubertät. Jetzt verstehe ich zumindest die Harley-Fahrer, die sommers hartnäckig meine Gartenidylle zerbrüllen. Alles kleine Jungs auf zu großen Maschinen. War trotzdem ein tolles Auto.
Der Alfa Romeo Coupé von Hermann Waterkamp
Der Alfa Romeo Coupé von Hermann Waterkamp (Bild: Hermann Waterkamp)

Götz Ulmer (Jung von Matt)

Bekkenender Metal-Fan: Götz Ulmer
Bekkenender Metal-Fan: Götz Ulmer (Bild: Jung von Matt)
Wenn volltrunkene, schwäbische Metalheads um 5 Uhr morgens aus der Ludwigsburger Kultdisse "Rockfabrik" geschmissen werden, ist es Usus, Fahrdienste (auch für völlig Fremden) nicht zu verweigern. So auch an diesem frühen Sommersonntag 1994. Zwei völlig betrunkene Vorstadtrebellen quetschten sich mit hämischen Abwertungen bezüglich meines Mini auf die nicht gerade großzügige Rückbank desselben. Musik. Kippe. Neckarweihingen. Soweit alles klar. Nach ungefähr 666 Metern schrie einer der zwei eine Buchstabenkombination, die in diesen Kreisen nicht allzu oft vorkommt: "Leiser!" Nach erfolgter Befehlsausführung fragte mich das verdutzte Kuttenmonster, was ich diesem Auto für ein Sportfahrwerk spendiert hätte? Das sei ja "härter als das Leben"? Ich versicherte ihm, die Federung sei genau so ab Werk. Zudem seit den 60ern gleich: Gummi. Er grummelte noch bis zur Endstation vor sich hin und nachdem die zwei sich in bester Slapstickmanier hinten rausgefaltet hatten, vergaß ich den Vorfall.

Ein paar Wochen später kam der Held dieser Geschichte aus dem Trockeneisnebel der Tanzfläche fahrig hochprozentig und mit wehenden Haaren auf mich zugestürzt, streckte seinen zitternden Zeigefinger in mein Gesicht und zischte durch seine schlecht gerichteten Zahnreihen: "Wega Dir han i 2500 Mark für a Sportfederong an meim 3er hinblättra müssa, weil’s net soi ka, dass dei scheiß Konservados’ härter abgschtimmt isch als mei Karre. Des wär mei Urlaub gwä! Dank noch mal!, du A****!"
Seit er 18 ist, fährt Götz Ulmer (Jung von Matt) alte Minis.
Seit er 18 ist, fährt Götz Ulmer (Jung von Matt) alte Minis. (Bild: Götz Ulmer)

Elke Klinkhammer (McCann Worldgroup Deutschland)

Elke Klinkhammer
Elke Klinkhammer (Bild: McCann)
Man fuhr Mini oder VW Käfer. Oder eben Ente, den legendären 2CV. Das erste Auto. Endlich war es da, der fahrbare Untersatz in die Unabhängigkeit. Aber die Ente war rot. Einfarbig. Gewöhnlich. Das musste ich ändern und bemalte sie von Faltdach bis Felge mit Plattencover-Motiven von Genesis, Pink Floyd, Zappa und Bowie. Noch Jahre später fuhren Einzelteile in der Gegend herum – meine Ente war lange verschrottet, meine Werke offensichtlich nicht.

Kai Röffen (Thjnk Düsseldorf)

Kai Röffen
Kai Röffen
Seit 15 Jahren versuche ich nun, dahinterzukommen, warum ein ehemaliger Kollege von mir nicht vergessen hat, wo er sein Auto geparkt hat, sondern dass er ganz vergessen hatte, sein Auto zu parken. Aber von vorn: Besagter, leider anonym zu behandelnder Kollege hat nur wenig Zeit in seiner Mittagspause und beschließt, diese effizient zu nutzen: Er setzt sich in seinen Firmenwagen und fährt zum nächsten Imbiss. Dort holt er sich etwas auf die Hand, steigt wieder ein und fährt weiter. Er hält auf einer vielbefahrenen Straße und isst, in zweiter Reihe haltend. Und weil das Wetter so schön ist und weil bald Nachwuchs ins Haus steht und weil der Kollege sich so schön Zeit für einen Mittagsspaziergang vom Mund abgespart hat, beschließt er, einen eben solchen zu machen – einen kurzen Verdauungsspaziergang. Er steigt aus und geht los.

Während des kurzen Marsches ist ihm wohl eine gute Idee gekommen. Denn der Kollege geht schnurstracks in die Agentur und bringt die Idee zu Papier. Abends räumt er seinen Schreibtisch auf, macht das Licht aus, verlässt die Agentur und steigt ... nein, er steigt nicht in sein Auto. Denn sein Auto ist nicht mehr da. Besorgt ruft er die Polizei an, um den Verlust seines geliebten Firmenwagens mitzuteilen. Antwort am anderen Ende der Leitung: Ja, dieses Fahrzeug sei der Polizei bekannt, man habe es schließlich am Nachmittag von einer vielbefahrenen Straße geholt. Dort habe der Halter, aus welchen Gründen auch immer, nicht nur kurz gehalten, sondern wäre gleich ganz verschwunden. Und ob er zufällig besagter Halter sei? Eine Sache kann ich verraten: Selten hat der Satz "Das wird teuer" so zugetroffen wie an besagtem Abend. Sollten Sie also künftig vergessen haben, wo Ihr Wagen steht, stellen sie sich nicht nur eine, sondern gleich zwei Fragen: Hmm, wo habe ich denn geparkt? Oder habe ich vielleicht gar nicht geparkt?

Florian Grimm (GGH Lowe)

Florian Grimm, Geschäftsführer Grimm Gallun Holtappels
Florian Grimm, Geschäftsführer Grimm Gallun Holtappels
Zwei Autos von mir haben während der Fahrt  angefangen zu brennen. Bei normalem Tempo mitten in der Stadt. Das ist die einzige Geschichte, die mir spontan einfällt. Und viel mehr kann man dazu gar nicht sagen. Etwas doof nur, dass beides Porsche waren und ich es etwas unangenehm finde, damit hausieren zu gehen. Auch wenn es sich natürlich um geile Kisten gehandelt hat.

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