Von Spacken, harten Nüssen und WTF-Momenten Das erwarten Kreative vom ADC-Festival

Dienstag, 09. Mai 2017
Diese Kreativ-Experten standen in der ADC-Umfrage Rede und Antwort
Diese Kreativ-Experten standen in der ADC-Umfrage Rede und Antwort
Foto: dfv

Gestern fiel der Startschuss für das ADC-Festival in Hamburg. Mehr als 350 Juroren, allesamt Top-Kreative aus der deutschen Werbeindustrie, wählen aus mehr als 7000 Einsendungen ihre Favoriten. HORIZONT Online hat sich bei langjährigen ADC-Mitgliedern und Rookies umgehört, wie Ihre Erwartungen an den Wettbewerb und den Kongress sind. Herausgekommen ist ein erstaunlich positives Plädoyer für die deutsche Kreativwirtschaft und den Club, auf den sonst gerne auch mal ordentlich geschimpft wird.

Jo Marie Farwick, Überground

Jo Marie Farwick
Jo Marie Farwick (Bild: Überground)
Welche Erwartungen haben Sie an das diesjährige Festival und den Wettbewerb? All die Spacken treffen. All die Unspacken treffen. Input. Ideen. Liebe. BTW: ich muss mir noch die Nägel machen. #umfragenimmermitschlchtenwitzenanfangen  Rechnen Sie im Wettbewerb mit Überraschungen? Disruptiver Creativity Beatart? Nope.

Welche Art von Arbeiten sollten in Ihrer Kategorie auf dem Siegertreppchen stehen? Bittesehr: große, sichtbare, crossmediale, mutige Arbeiten von großen, echten, mutigen Kunden. Bittenichtmehr: OOH Poster in dutzenden Kategorien mit schönen Illus – die sollen in Vernissagen angeschaut werden.

Gibt es aus Ihrer Sicht eindeutige Favoriten? Ja. Siehe oben. 

VW Lachende Pferde
Bild: VW

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Wie beurteilen Sie generell das zurückliegende Kreativjahr aus deutscher Sicht? Ich schliess man generell von uns auf andere: unseres war so semi. Wir haben unfassbar viel zu viel Geld für Award-Einreichungen im Ausland ausgegeben und gewonnen haben oldschool nichtsbringende OOH Poster für staubige Länder, in denen es knallt und Uhren. Alter. Nicht geil. Für die Kohle hätte ich einen Pool auf dem Dach bauen können und jeden Morgen Bahnen schwimmen. Da wäre ich jetzt zufriedener und würde länger leben.

Wie finden Sie das Festivalmotto und das Programm? Da haben sich jetzt schon alle einmal drüber aufgeregt. Lass ich. In diesem Land hat doch jeder noch ein Spezialgewürz und auch noch ne gute Idee für ne Zutat; da wird einfach keine geile Bouillabaisse draus.

Was macht der ADC momentan richtig? Menschen dazu holen, die toll sind. Rookie-Agenturen auszeichen. Dies das.

Was nervt gewaltig? Dass ich dieses Jahr nicht rauchen und trinken darf. (Anmerkung der Redaktion: Herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft!!!)

Florian Meimberg, Regisseur

Florian Meimberg
Florian Meimberg (Bild: privat)
Welche Erwartungen haben Sie an das diesjährige Festival und den Wettbewerb? Dieselben wie jedes Jahr: Ich freue mich auf die Mischung aus Inspiration und Party. Aus alten Kollegen und neuen Kontakten. 

Rechnen Sie im Wettbewerb mit Überraschungen? Nun, ich hoffe auf welche! Von den Einreichungen in meiner Jury (Onlinefilm) war ich im letzten Jahr insgesamt etwas enttäuscht. Keine „What-The-Fuck-Momente“. Zu wenig wirklich Neues. 

Welche Art von Arbeiten sollten in Ihrer Kategorie auf dem Siegertreppchen stehen? Geschichten, die so eindringlich sind, dass sie aus dem Hupkonzert der Online-Botschaften herausstrahlen. Ein paar davon hoffentlich ohne Weihnachtsbaum. 

Gibt es aus Ihrer Sicht eindeutige Favoriten? Toll fand ich im letzten Jahr „Die neue Nähe“ für die Aktion Mensch. Der Kurzfilm „Welcome To Farewell – A Blind Man’s Poem“ für Mercedes-Benz ist eine großartige Regie-Arbeit.

Wie finden Sie das Festivalmotto und das Programm? Ein spannender Mix. Ich werde mir nicht alle Kongress-Speaker ansehen können, freue mich aber zum Beispiel auf die Hip-Hop Jungs und die Lego-Roboter.

Was macht der ADC momentan richtig? Ich finde es super, wie der ADC sich in den letzten Jahren geöffnet hat. Und inzwischen weit über den Tellerrand der klassischen Werbung hinaus schaut. Die hitzige Debatte darüber, was denn nun die Mission des ADC zu sein hat, wird dem Club insgesamt gut tun. Reibung erzeugt Wärme. 

Roland Rudolf, Cheil

Roland Rudolf
Roland Rudolf (Bild: Cheil)
Welche Erwartungen haben Sie an das diesjährige Festival und den Wettbewerb? Sehen, verstehen, mitmachen und neugierig sein. Was den Rest angeht: nachdem wir uns erst letzte Woche zwei Webbys für Samsung und einen Yellow Pencil für Jägermeister abgeholt haben, hoffentlich noch mehr schöne Momente und viele gute Gespräche mit Kollegen.

Rechnen Sie im Wettbewerb mit Überraschungen? Auf jeden Fall. Aber hoffentlich nicht in der Form, dass (nur) eine Print-Kampagne den Grand-Prix gewinnt.

Welche Art von Arbeiten sollten in Ihrer Kategorie auf dem Siegertreppchen stehen? Viele von denen, die Funktion mit Form verbinden, wenige von denen, die Ästhetik über Funktion stellen.

Gibt es aus Ihrer Sicht eindeutige Favoriten? Kategorieübergreifend hat neben den „üblichen Verdächtigen“ wie Hornbach (wie immer gut) sicherlich zuletzt die #GrowUp-Kampagne von Mercedes und Antoni viel Aufmerksamkeit erfahren. Außerdem ist die extrem digital-first-gedachte Audi Brand Appearance im interaktiven und Designbereich sehr bemerkenswert.

Wie beurteilen Sie generell das zurückliegende Kreativjahr aus deutscher Sicht? Durchwachsen. International gesehen gab es schon bessere Jahre. Und in Sachen sichtbarer, digital geprägter Kreativität liegt Deutschland nach wie vor hinter Ländern wie den USA, Schweden, Großbritannien oder Japan zurück. Das beweist auch das Festivalprogramm, in dem es von Spezialisten aus dem überwiegend englischsprachigen Ausland nur so wimmelt, die offensichtlich eigens für die Digitale Disaster Relief anreisen müssen. 

Wie finden Sie das Festivalmotto und das Programm? Ein Motto soll ja für polarisierende Konversationen sorgen. Insofern erfüllt es seinen Zweck. Aber viel wichtiger ist es, den Inhalt und damit die Gesamtsituation der Kreativ Wirtschaft zu verstehen. Das diesjährige Programm ist ein guter Anfang, um den kreativen Kulturwandel in Deutschland weiter voran zu treiben. 

Was macht der ADC momentan richtig? Er stellt die richtige Diagnose und verweist auf wichtige Behandlungsmethoden.

Was nervt gewaltig? Es scheint mir, dass in unserem Land der Begriff Disruption oft mit Destruction verwechselt wird. Denn der ständige Abgesang auf den ADC und anderer Organisationen hilft keinem weiter. Es wäre schön, wenn wir den Club auch mal nach vorne gerichtet wertschätzen. Denn es wird gerade eine Menge für eine zeitgemäße Ausrichtung getan. 

Ralf Zilligen, McCann

Ralf Zilligen
Ralf Zilligen (Bild: McCann)
Welche Erwartungen haben Sie an das diesjährige Festival und den Wettbewerb? Noch mehr Arbeiten, die in der Realität keine Rolle gespielt haben, mit denen sich Agenturen aber kreativ profilieren möchten. Der Trend zum Paralleluniversum wird sich verschärfen.

Rechnen Sie im Wettbewerb mit Überraschungen? Ich rechne nicht damit, aber ich hoffe stark darauf.

Welche Art von Arbeiten sollten in Ihrer Kategorie auf dem Siegertreppchen stehen? Arbeiten, die uns zeigen, wie wir unsere Konsumenten auf neuartige Weise erreichen. Also Arbeiten, die Verbraucher-Insights, Idee und Technologie auf magische Weise miteinander verknüpfen.

Gibt es aus Ihrer Sicht eindeutige Favoriten?  Wieder mal vieles von Hornbach und ich persönlich hoffe auf die gesamte Kommunikation rund um die Elbphilharmonie-Eröffnung.

Wie beurteilen Sie generell das zurückliegende Kreativjahr aus deutscher Sicht? Für mich persönlich als Silberstreifen.

Wie finden Sie das Festivalmotto und das Programm? Unvermeidbar.

Was macht der ADC momentan richtig? Was nervt gewaltig? Die Öffnung für neue Themen ist natürlich höchste Eisenbahn. Triebfeder ist und bleibt aber eher die Eitelkeit und nicht der aufrichtige Wunsch zu lernen. 

Fabian Frese, Kolle Rebbe

Fabian Frese
Fabian Frese (Bild: Kolle Rebbe)
Welche Erwartungen haben Sie an das diesjährige Festival und den Wettbewerb? Ich werde mich wie immer freuen alle möglichen Leute wieder zu treffen. Mich wie immer aufregen, weil unsere Arbeiten völlig unterbewertet werden. Und mich daran erinnern, dass ich mir nach meiner Cannes-Jury eigentlich geschworen hatte, nie wieder den ganzen Tag in einem dunklen Raum Werbefilmchen zu gucken.

Rechnen Sie im Wettbewerb mit Überraschungen? Jedes Jahr denke ich, dass ich die Favoriten im Laufe des Jahres eh schon alle irgendwo gesehen habe. Um dann bei der Verleihung festzustellen, dass es eine Reihe Arbeiten gibt, die ich noch nicht kenne. Und zu allem Überfluss auch noch besser als meine eigenen finde. Trotz dieser kurzen persönlichen Sinnkrise bin ich gespannt, was so kommt.

Welche Art von Arbeiten sollten in Ihrer Kategorie auf dem Siegertreppchen stehen? Gute Filme.

Gibt es aus Ihrer Sicht eindeutige Favoriten? Wirklich begeistert hat mich dieser Spot zur EM, in dem die beiden Engländer in so einem Deutschland-Klischee-Albtraum-Flieger sitzen, mit dem dicken Jungen im Deutschlandtrikot. Extrem berührend fand ich den Film, in dem Menschen mit Behinderungen Kindern ihre technischen Hilfsmittel demonstrieren. Herzlich gelacht habe ich auch bei der Mockumentary über das Funkloch in Wuppertal. Muss mal rauskriegen, welche fantastische Agentur diese Arbeiten gemacht hat. Ach so, diese lachenden Pferde fand ich auch ganz okay.

Wie beurteilen Sie generell das zurückliegende Kreativjahr aus deutscher Sicht? Ich habe den Eindruck, dass es ein ganz guter Jahrgang ist. Mit vielen Arbeiten auf vergleichbar hohem Niveau. Auch wenn der große Abräumer-Case a la „Hornbach-Hammer“ oder „Rechts gegen Rechts“ nicht dabei ist. Mit dem Festivalmotto haben die meisten Sachen nichts zu tun. Aber mit sehr guter Kreation.

Wie finden Sie das Festivalmotto und das Programm? Das Programm liest sich traditionell besser als das Motto. Deshalb hoffe ich sehr, dass ich mir ein paar Vorträge anhören kann. Ich werde mir diesmal mangels Zeit die Inhalte vorher gar nicht durchlesen und nur nach klangvollen Namen entscheiden. Deshalb sind Johnny Vulkan und Buddy Buxbaum auf jeden Fall gesetzt. Wobei ich stark vermute, dass beides nur Pseudonyme von Götz Ulmer sind.

Was macht der ADC momentan richtig? Was nervt gewaltig? Da ich mich selber als Mitglied relativ wenig einbringe, finde ich es nicht so angemessen rumzunölen. Nur dieser Kategorie-Wahnsinn geht mir auf die Nerven. Wenn eine tolle Idee leider nur in ein bis zwei Kategorien passt, eine mittelmäßige Idee dafür mehr wert ist, weil sie in 12 Subsubsub-Kategorien Bronze holt, läuft irgendwas falsch. Aber wenigstens ist das keine Erfindung des ADC. Und irgendwie muss man Verleihung, Kongress und Ausstellung ja wohl auch finanzieren.

Till Eckel, Jung von Matt/Spree

Till Eckel
Till Eckel
Was macht der ADC momentan richtig? Wie der ADC zum Beispiel das Festival weiterentwickelt hat, verdient Anerkennung statt Meckerei. PUNKT.

Wie finden Sie das Festivalmotto und das Programm? "Creativity beats Technology" –  für junge Kreative würde ich mich da über mehr Inspiration statt Wichtigkeit freuen. Klingt außerdem ein bisschen nach dem Pfeifen im Walde. Als müsste sich jemand Mut zu reden. Das ist aber unnötig. Vorab und nur an Namen lässt sich das Programm nicht gerecht beurteilen. Ich mache es dann, wenn die Teilnehmer wieder zurück in der Agentur sind. Im besten Fall inspiriert mit neuen Möglichkeiten im Kopf. 

Welche Art von Arbeiten sollten in Ihrer Kategorie auf dem Siegertreppchen stehen? Arbeiten, die aus der Kommunikations-Flut absolut herausragen und somit hartes Tagesgeschäft belohnen. Das ist für mich die wichtigste Aufgabe des ADC: Großartige Ideen loben, die nicht nur für das Siegertreppchen gemacht wurden.

Rechnen Sie im Wettbewerb mit Überraschungen? Ganz vorne nicht. Spannend wird es immer dann, wenn einem echte Sachen begegnen, die man aufgrund ihrer Aussteuerung gar nicht ganz wahrgenommen hat, die aber super sind.

Matthias Storath, Heimat

Matthias Storath, Heimat
Matthias Storath, Heimat
Welche Art von Arbeiten sollten in Ihrer Kategorie Branded Content/PR auf dem Siegertreppchen stehen? Eigentlich einfach: Arbeiten, über die nicht nur die Branche gesprochen hat. Arbeiten, über die man gesprochen hat, ohne dass sie mit Millionen Media gepusht wurden. Arbeiten, die die Wahrnehmung über ein Produkt verändert haben.

Gibt es aus Ihrer Sicht eindeutige Favoriten? Am besten vorher nicht darüber nachdenken ob es irgendwelche Favoriten gibt. Lieber hinfahren, schauen, was es 2016 so gegeben hat und wenn es gut war dann gibt’s einen Nagel. Fertig.

Wie finden Sie das Festivalmotto und das Programm? "Disrupting Deutschland". Ach, da wurde schon so viel von ganz vielen Leuten gesagt. Wüsste gar nicht, was ich mir da noch ausdenken könnte, was auch nur im Ansatz neu wäre. Ach komm, ich lass es dieses Jahr einfach. Obwohl es mich natürlich schon juckt.

Was macht der ADC momentan richtig? Was nervt gewaltig? Über den ADC wird ja immer gelästert: Nicht relevant genug, nicht digital genug, nicht klassisch genug, alte Männer, keine Frauen, zu altbacken, nur doofe Werber, die Kampagnen für’s Festival sind immer blöd, Motto ist Kacke, Film eine Katastrophe. Etc. und Pipapo. Ist ja auch ok, so was zu sagen, mach ich auch jedes Jahr. Muss ja was geredet werden. Wäre sonst langweilig. Und die Fachpresse muss halt auch irgendwas schreiben. Aber weil ja de facto dauernd geschimpft wird, ist das vielleicht doch ein Zeichen dafür, dass der ADC irgendwie Bedeutung hat. Weil er eben auch geschafft hat, außerhalb der Branche wahrgenommen zu werden. Wollen wir alle nicht wahrhaben, ist aber wahrscheinlich so. Ganz schlimm, ich weiß. Aber wir werden drüber wegkommen.


Karolina Matheis, Matheis Casting

Karolina Matheis
Karolina Matheis (Bild: Jakob de Braga)
Welche Erwartungen haben Sie an das diesjährige Festival und den Wettbewerb? Ich freue mich sehr auf den inhaltlichen Dialog auf Augenhöhe mit anderen Kreativen!  Sonst findet ein Austausch häufig nur projektspezifisch in einer auftragsgebundenen Situation statt. Sich nun aber losgelöst von entsprechenden Erwartungshaltungen und wirtschaftlichen Faktoren begegnen zu können, freut mich sehr.  Und da mein Fachbereich - das Casting - als kreatives Handwerk im ADC noch nicht stark genug repräsentiert und wahrgenommen wird, möchte ich als erste im ADC aufgenommene Casting Direktorin natürlich auch die Gelegenheit nutzen,  mehr Aufmerksamkeit für dieses Gewerk zu schaffen. 

Rechnen Sie im Wettbewerb mit Überraschungen? Na ich hoffe doch!

Welche Art von Arbeiten sollten in Ihrer Kategorie auf dem Siegertreppchen stehen? Stark emotionalisierende Arbeiten, die nicht nur stark in der kreativen Idee, sondern auch stark in der Umsetzung sind. Etwas, das "out of the box" gedacht und umgesetzt wurde und mich somit zum Nachdenken anregt. 

Wie beurteilen Sie generell das zurückliegende Kreativjahr aus deutscher Sicht? Ich spüre eine Bewegung in unserer Branche, bestehende Strukturen zu überdenken, wünsche mir jedoch eine noch viel stärkere Dynamik des Wandels. Aus den tradierten Systemen und Herangehensweisen kann sicherlich viel sinnvolles in das nächste Kapitel unserer Kreativwelt mitgenommen werden. Um eine zeitgemäße Umsetzung realisieren zu können, muss in weiten Teilen jedoch umgedacht werden. Das schlichte Festhalten an alten Strukturen ist nicht förderlich und stört den nötigen Wandel. 

Was macht der ADC momentan richtig? Was nervt gewaltig? So wie unsere Branche aktuell einen Wandel erfährt, darf aus meiner Sicht auch der ADC sich seinem Wandel nicht verwehren, sondern sollte sich diesem sogar ganz bewusst hingeben. Der Versuch, den guten Pfad auf diesem Weg zu finden, ist manchmal genau richtig und manchmal nervt er halt auch.

Jens Theil, Supermoon (Wynken, Blynken & Nod)

Jens Theil
Jens Theil (Bild: WB&N)
Welche Erwartungen haben Sie an das diesjährige Festival und den Wettbewerb? Ich rechne mit harten Kommentaren zu unserem Namenswechsel aber ich freu mich trotzdem auf all die lieben Kollegen.

Rechnen Sie im Wettbewerb mit Überraschungen? Es wird alles so sein wie immer. Allerdings hoffe ich, dass wir dieses Jahr mit einem anderen Signal da stehen als mit einer Print-Anzeige, die als beste Arbeit des Jahres präsentiert wird.

Welche Art von Arbeiten sollten in Ihrer Kategorie auf dem Siegertreppchen stehen? Die echten! In den letzten Jahren hatte man das Gefühl, die Print-Jury ist ein Selbstbedienungsladen, in dem keine unangenehmen Fragen gestellt werden. Ich glaube, dass wir dieses Jahr eine tolle Besetzung haben, mit der das anders läuft. 

Wie beurteilen Sie generell das zurückliegende Kreativjahr aus deutscher Sicht? Ich finde toll, dass soviel kleine Agenturen sichtbare und teilweise herausragende Arbeiten draußen hatten. Was den Innovationsgrad betrifft, sind wir als Branche, glaube ich, eher Level geflogen.

Wie finden Sie das Festivalmotto und das Programm? Das Motto verstehe ich nicht. Das Programm ist klasse. Es ist allerdings ein bisschen schade, dass die Ausstellung nicht mehr so zentral ist und dass sich das Programm über einen so langen Zeitraum streckt. Kann sein, dass dadurch ein bisschen Spannung verloren geht. Aber das werden wir sehen.

Elke Klinkhammer, McCann Worldgroup

Elke Klinkhammer
Elke Klinkhammer (Bild: McCann)
Welche Erwartungen haben Sie an das diesjährige Festival und den Wettbewerb? "Technology beats Creativity?!" – das ist das Motto des Festivals und der Anspruch an den Wettbewerb, dieses Spannungsfeld auszunutzen.

Rechnen Sie im Wettbewerb mit Überraschungen? Eigentlich nicht, aber das Leben steckt ja gewöhnlich voll davon.

Welche Art von Arbeiten sollten in Ihrer Kategorie auf dem Siegertreppchen stehen? Kommunikationsideen, die den Status quo herausfordern. Ideen, die auf eine gesellschaftliche Entwicklung setzen, eine neue Verbindung zwischen Mensch und Marke schaffen und in ihrer Umsetzung neue Dimensionen eröffnen. Okay, die Siegertreppe hat hohe Stufen.

Gibt es aus Ihrer Sicht eindeutige Favoriten? Es gibt immer Arbeiten, von denen man neidlos sagen kann: WTF. Nicht immer kommen diese Arbeiten aus Deutschland.

Wie beurteilen Sie generell das zurückliegende Kreativjahr aus deutscher Sicht? Genau so.

Was macht der ADC momentan richtig? Was nervt gewaltig? Für mich steht dieses Jahr natürlich der Junior Wettbewerb im Fokus und ich bin top motiviert. Generell gibt es spannende neue Formate, auch eine neue Bandbreite an Speakern – schade, dass die ADC Kampagne das nicht widerspiegelt.

Bettina Olf, Thjnk

Bettina Olf
Bettina Olf
Welche Erwartungen haben Sie an das diesjährige Festival und den Wettbewerb? Ich freue mich besonders auf den Kongress und natürlich auf die Diskussionen in den Juries.

Rechnen Sie im Wettbewerb mit Überraschungen? Eigentlich wird man jedesmal von etwas überrascht. Wenn es nicht die Arbeiten an sich sind, dann sind es oft Unterschiede in der Beurteilung, mit denen man nicht gerechnet hätte.

Welche Art von Arbeiten sollten in Ihrer Kategorie auf dem Siegertreppchen stehen? Die, die dem Kunden helfen und dabei mutig und wirklich überraschend sind.

Gibt es aus Ihrer Sicht eindeutige Favoriten? Von eindeutig kann vorher nie die Rede sein. Promotion & Media zum Beispiel werden im Vorfeld nicht so diskutiert, wie etwa Film. Persönlich mag ich Hornbachs "Projekt Germany" sehr gerne und für Thjnk würde ich mich freuen, wenn wir mitunter mit ALI COLA punkten.

Wie beurteilen Sie generell das zurückliegende Kreativjahr aus deutscher Sicht? Es gab definitiv schon bessere Jahre.

Wie finden Sie das Festivalmotto und das Programm? Das Rahmenprogramm finde ich spannend. Das jedes Mal wieder mit begrenzten Mitteln auf die Beine zu stellen ist wirklich beeindruckend und die Organisatoren verdienen Respekt dafür. Das diesjährige Motto finde ich inhaltlich richtig, die Kampagne jedoch formal etwas fad. Man übersieht sie einfach schnell.

Was macht der ADC momentan richtig? Ich finde es gut, wie sich der ADC geöffnet hat. Das wird ja immer wieder gerne diskutiert, aber ich finde die neuen Mitglieder sehr bereichernd. 

Myles Lord, DDB

Myles Lord, DDB
Myles Lord, DDB (Bild: Agentur)
Welche Erwartungen habe Sie an das diesjährige Festival und den Wettbewerb? Ich denke, es wird ein gutes Jahr werden – es gibt richtig gute Arbeiten, die sich schon bei den internationalen Awards bewiesen haben. Ich glaube nicht, dass wir umwerfende Innovationen sehen werden, aber ich bin mir sicher, dass wir ein sehr hohes Level im Bereich Bewegtbild erleben werden.

Rechnen Sie im Wettbewerb mit Überraschungen? Ich finde, dass der ADC recht vorhersehbar ist. Wir lieben es, große Ideen mit hoher Sichtbarkeit zu feiern, die auch tatsächlich ein Produkt verkauft oder etwas verändert haben. Die größten Überraschungen sind manchmal die Unterschiede zwischen dem ADC und anderen internationalen Shows – es kommt vor, dass Arbeiten in Übersee viele Preise abräumen und hier vor Ort weniger Beachtung erfahren. Der ADC ist immer eine harte Nuss, die es zu knacken gilt. 

Welche Art von Arbeiten sollten in Ihrer Kategorie auf dem Siegertreppchen stehen? Als Juror im Bereich “Digital“ hoffe ich natürlich, dass wirklich digitale Arbeiten gewinnen. Viele Beiträge sehen das Web einfach als „PR Kanal“. Aber nur, weil viele Menschen online über deine Arbeit sprechen, qualifiziert sie das in meinen Augen nicht automatisch für einen digitalen ADC-Nagel. Genauso wenig kannst du deine digitale Idee nicht in der Kategorie TV einreichen, nur, weil in den 20-Uhr-Nachrichten über sie berichtet wurde. Für mich müssten die Arbeiten, die Preise gewinnen, die neuen Möglichkeiten digitaler Medien ausschöpfen. 

Wie beurteilen Sie generell das zurückliegende Kreativjahr aus deutscher Sicht? Ich denke, es war aus künstlerischer Sicht ein gutes Jahr.  Wir haben einige unglaublich gute Umsetzungen gesehen. Und da immer größere Budgets für Online-Videos und Content genutzt werden, gibt es viel mehr tolle Filmarbeiten. Zudem setzt sich der Trend zu “social good” als Teil des Geschäfts fort - in diesem Bereich haben vielen Agenturen wirklich neue Maßstäbe gesetzt. Hier passiert viel wirklich Innovatives und Wegweisendes.

Wie finden Sie das Festivalmotto und das Programm? Mir tut immer derjenige leid, der darauf gebrieft wird, dieses Motto zu schreiben – das ist das schwierigste Briefing des Jahres! Zum Motto: Es setzt die Messlatte ziemlich hoch. Ich hoffe, dass die diesjährigen Gewinner des ADC "Disrupting Deutschland" auch gerecht werden. Zudem denke ich, dass der zweite Teil des Mottos "Creativity beats Technology?!" für interessante Diskussionen sorgen wird. Ich denke, dass die Angst besteht, dass wir von Software, künstlicher Intelligenz, Robo-Writer, Algorithmen und Automatisierung ersetzt werden. Wir sehen den Aufstand vieler Störkräfte; große Technologieunternhemen und Beratungen kommen aus allen Richtungen in die Branche. Das Spielfeld verändert sich. Aber für mich ist Kreativität definitiv wichtiger als Technologie. Egal, wie das Geschäftsmodell oder der technische Rahmen aussieht: ein gute Kreatividee muss immer der Kern von allem sein. Aus Technologie entsteht keine Kreativität – sie kommt aus menschlicher Vorstellungskraft. Du kannst einer Maschine nicht beibringen, brillante kreative Gedanken zu haben, die die Herzen der Menschen berühren oder die Natur des Menschen zu verstehen. You can’t automate awesome! 

Was macht der ADC momentan richtig? Was nervt gewaltig? Das Ganze ist etwas lang und zäh über die Dauer einer Woche, aber es ist immer schön, alte Freunde und Kollegen zu treffen. Ich finde, dass der ADC so lange seine Aufgabe erfüllt, wie er inspiriert, inkludiert und dabei hilft junge Talente weiterzuentwickeln.

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