Von Hollywood nach Hamburg Wie zwei Composer mit ihrer eigenen Musikproduktion durchstarten wollen

Freitag, 26. Februar 2016
Christian Vorländer (l.) und Simon Heeger sind Anfang 2016 mit Zwei Music an den Start gegangen
Christian Vorländer (l.) und Simon Heeger sind Anfang 2016 mit Zwei Music an den Start gegangen
Foto: Zwei Music

Zwei Music heißt die Produktionsfirma, die Simon Heeger und Christian Vorländer Anfang des Jahres in Hamburg gegründet haben. Dabei steht die "Zwei" nicht etwa nur für die Chefetage, die aus den beiden 32-Jährigen besteht, sondern in erster Linie für den neuen, anderen Weg, den das Duo als Alternative zu etablierten Musikproduktionen bestreiten - und so dem gestiegenen Bedarf an maßgeschneiderten Kompositionen in Werbung und Film gerecht werden will.
Dabei nehmen es die beiden Gründer bewusst in Kauf, dass sie "eine Nummer kleiner starten" und verlassen sich ganz auf ihre Expertise und langjährige Erfahrung in der Branche. Heeger war zuletzt vier Jahre als Composer bei Yessian Music in Hamburg für Kunden wie Porsche, McDonald's und Pepsi tätig. Vorländer arbeitete in den letzten Jahren eng mit Deutschlands berühmtestem Filmkomponisten und Oscar-Preisträger Hans Zimmer in Hollywood zusammen und co-komponierte die Musik für Blockbuster wie "300" und "Man of Steel". Zuletzt steuerte er einen großen Teil des Soundtracks von "Mad Max: Fury Road" (siehe Trailer unten) bei, der in zehn Kategorien für die diesjährigen Oscars nominiert ist. Was die beiden leidenschaftlichen Musiker eint: "Wir lieben Filmmusik, wir lieben Werbemusik, aber vor allem lieben wir Musik", so Simon Heeger.

Mad Max - Fury Road (Official Main Trailer) from ZWEI Music on Vimeo.



Jetzt ist für sie die Zeit gekommen, sich freizuschwimmen, wie Heeger erklärt: "Wir hatten beide die Chance, in großen Produktionen mit wirklich inspirierenden Musikern und Menschen zu arbeiten. Diese Zeit war wichtig, um Erfahrungen in ganz unterschiedlichen Welten zu sammeln. Mit der Gründung von Zwei bringen wir jetzt alles zusammen, was wir können und wissen und erlebt haben. Und machen etwas Neues daraus."

Das Neue soll für die beiden zunächst einmal bedeuten, dass sie mehr Freiraum für die Projekte haben, die sie wirklich umsetzen wollen und sich auf das Wesentliche konzentrieren können. Selbst wenn die beiden dann mal einen großen Job verpassen sollten - sie wollen richtig zufrieden sein mit dem Projekt, an dem sie im jeweiligen Moment arbeiten. Klasse geht eben vor Masse.

Und auf die Klasse, also die Qualität des Produkts kommt es Heeger und Vorländer schließlich besonders an: "Viele Produktionen klingen heutzutage synthetisch und austauschbar, weil sie komplett am Computer entstehen und 08/15-Sounds verwendet werden", sagt Vorländer. Deshalb wolle Zwei Music viel Zeit "in handgemachte Sounds stecken, die sonst kein Schwein hat". "Wir wollen den Hollywood-Sound von Hans Zimmer nicht nur imitieren, sondern unseren eigenen Stil weiterentwickeln", so Vorländer weiter. Konkret heißt das nichts anderes, als grundsätzlich mit echten Musikern, Bands und Orchestern zusammenzuarbeiten, um am Ende ein qualitativ starkes Produkt für den Kunden zu haben.

Porsche - 718 Boxster – Design. from ZWEI Music on Vimeo.



Der Fokus auf musikalische Qualität ist dabei viel mehr als bloß ein unternehmerischer Leitsatz oder Alleinstellungsmerkmal. Die Produktionsfirma will damit der Entwicklung Rechnung tragen, dass maßgeschneiderte Kompositionen im digitalen Zeitalter, in dem so viel Musik kostenlos im Netz verfügbar ist, immer wichtiger werden - sei es in der Werbung, im Film oder bei Trailern. Der Grund: Um sich im "Tiefenbereich" von anderen abzusetzen, wird Multisensory-Branding - im konkreten Beispiel der Klang, das Sound-Branding - einer Marke immer wichtiger. Deshalb wollen die beiden Geschäftsführer ihre Kunden auch auf Musik aufmerksam machen, die im erster Moment vielleicht nicht mainstreamtauglich wirkt, mit der Marken dafür aber die Chance haben, neue Maßstäbe zu setzen.

Denn laut Vorländer und Heeger sind manche Kunden und Kreativagenturen noch sehr festgelegt auf bestimmte Sounds und Moodmusik aus der Konserve. In der Filmmusik ist es laut Heeger schon lange Usus, dass die Verantwortlichen genau darüber nachdenken, welche Geschichte musikalisch erzählt werden soll. Und genau das will Zwei Music jetzt in die Werbefilmproduktion mitnehmen: "Unser Filmmusik-Background hilft uns bei der Vertonung von Werbespots - und anders herum. Egal ob 120 Minuten oder 20 Sekunden - wichtig ist für uns nur, dass wir Musik machen, die originell ist und die Leute draußen wirklich bewegt", sagt Vorländer.
Auf der anderen Seite betonen die beiden, dass Werbefilm keineswegs das einzige Steckenpferd von Zwei Music werden soll. Zwar hat sich das Duo dank seiner Erfahrungen in kurzer Zeit eine bemerkenswerte Riege an Kunden - Fila, Porsche, Audi und BMW u.a. - aufgebaut und will auf dieser Basis bis Ende des Jahres zu einer etablierten Musikproduktion in Europa werden. Doch was den beiden wirklich am Herzen liegt, bleibt die Trailer- und Filmmusik. Und wer einmal in Los Angeles gelebt hat, den zieht es auch wieder dorthin zurück. Vorländer: "Wir wollen schon bald einen weiteren Standort in Los Angeles eröffnen, da viele der geplanten Filmprojekte nach wie vor über Hollywood laufen." Schließlich sei es so ja auch der ideale Weg, um die vielen bestehenden Kontakte in Übersee zu nutzen.

Bei solch ambitionierten Zielen scheint es nur eine Frage der Zeit, dass es trotz des Namens "Zwei" personell nicht nur bei Heeger und Vorländer bleibt. Wenn im Laufe des Jahres tatsächlich ein zweites Büro in Hollywood an den Start geht, wird noch der eine oder andere Mitarbeiter dazukommen. Die müssen Musik dann aber genauso lieben wie Simon Heeger und Christian Vorländer. tt
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