"Viel Luft nach oben" Das neue Beate-Uhse-Logo im Expertencheck

Freitag, 02. August 2013
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Beate Uhse hat sein in die Jahre gekommenes Logo überarbeitet. Dabei hat der Erotikkonzern nicht zuletzt eine Zielgruppe im Auge, die man zunächst weniger mit Beate Uhse verbindet: Junge Frauen. Dabei seien 60 Prozent der Kunden bereits heute weiblich und 80 Prozent der Produkte für Frauen hergestellt, wie Vorstandsmitglied und COO Erwin Cok auf der jüngsten Hauptversammlung offenbarte. Kann das Ziel, eine jüngere weibliche Zielgruppe zu adressieren, mit dem neuen Logo gelingen? HORIZONT.NET hat bei Designexperten nachgefragt. Lesen Sie auf den folgenden Seiten die Einschätzungen von Knut Maierhofer (KMS Team), Christina Schirm (Peter Schmidt Group) und Uli Mayer-Johanssen (MetaDesign).

Knut Maierhofer, Inhaber und Geschäftsführer, KMS TEAM

Knut Maierhofer, Inhaber und Geschäftsführer, KMS TEAM
Ist es das, was Frauen wirklich wollen? Das neue Logo von Beate Uhse soll die vermehrt weibliche Kundschaft ansprechen, aber auf mich wirkt das Logo zu klischeehaft weiblich, geradezu kindlich-prinzessinenhaft und schlichtweg unsexy. Die rosafarbene Schreibschrift, die Schnörkel und das Herz wecken Assoziationen von mädchenhaften Kindermarken wie Sarah Kay oder Prinzessin Lillifee. Dem Logo fehlt die Qualität, der Stil und die Klasse einer starken erotischen Marke. Aber auch das alte, "männlichere" rote Logo spricht mich in keinster Weise an. Es hat für mich den Reiz einer Buchhaltungssoftware. Wenigstens hatte man versucht, dem eine Idee zugrunde zu legen.

Christina Schirm, Creative Director, Peter Schmidt Group

Christina Schirm, Creative Director, Peter Schmidt Group
Eine Neupositionierung in Richtung der vorwiegend weiblichen Zielgruppe durch einen emotionalen, verspielten und deutlich wertigeren Markenauftritt scheint ein logischer und längst fälliger Schritt für das Unternehmen Beate Uhse. Fraglich jedoch, ob ein weiblicher Blickwinkel zwingend Schnörkel mit Herz impliziert. Feminin und mädchenhaft werden hier leider gleichgesetzt, eine ältere Zielgruppe und auch die männliche werden sich vernachlässigt fühlen. Bleibt abzuwarten, ob das Logo vom Gesamterscheinungsbild aufgefangen wird und in die richtige Richtung geht.

Die technische Umsetzung des Schriftzugs, vor allem des Monogramms, zeugt von typografischem Wollen aber wenig von Können. Zu wenig fließen die Formen ineinander, zu wenig harmonisch stehen die Buchstaben zueinander. Auch der hart abgetrennte Zusatz "Aktiengesellschaft" will sich nicht so richtig zur Verspieltheit dazugesellen.

Dennoch eine inhaltlich positive Weiterentwicklung und ein mutiger Schritt, passend zur pionierhaften Historie des Unternehmens.

Uli Mayer-Johanssen, Chairwoman of the Executive Board, MetaDesign

Uli Mayer-Johanssen, Chairwoman of the Executive Board, MetaDesign
Die Überarbeitung des Markenzeichens trägt laut Unternehmen einer stärkeren Ausrichtung an der weiblichen Zielgruppe Rechnung. Vor diesem Hintergrund mit der bisherigen Formensprache zu brechen ist nachvollziehbar, zumal das alte Markenzeichen keine wirkliche Eigenständigkeit oder hohe Wiedererkennbarkeit hatte. Ob das neue Logo dazu beiträgt der inhaltlichen Zielsetzung gerecht zu werden, lässt sich allerdings erst beurteilen, wenn der gesamte Auftritt der Marke überarbeitet wurde.

Ungewöhnlich ist sicher, dass das Unternehmen sich entschieden hat, die Wort-Bildmarke schon mal alleine ins Rennen zu schicken. Bleibt zu hoffen, dass sich mehr tut als nur das Logo zu erneuern, denn immer noch ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile. Die spannende Frage wird sein: wofür möchte das Unternehmen in Zukunft stehen? Das neue Markenzeichen ist bei aller rosaroten Barbieoptik samt Herzchensentimentalität und Schleifchenoptik ein richtiger Ansatz, aber mit viel Luft nach oben.
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