Verband erhebt die Stimme Werbefilmproduzenten fordern einen Code of Conduct

Montag, 02. November 2015
Oliver Hack und Tony Petersen (v.l.)
Oliver Hack und Tony Petersen (v.l.)
Foto: Unternehmen

Die deutschen Werbefilmer hatten lange kein gemeinsames Sprachrohr mehr. Noch vor wenigen Jahren lagen die Verbandstätigkeiten der Sektion Werbung in der Produzentenallianz nahezu brach, die Mitglieder gingen in Scharen. Das alles ist Vergangenheit. Mit mehr als 50 Produktionsfirmen ist der Verband stärker denn je. Höchste Zeit, ein neues Selbstverständnis für die Branche zu definieren. Wie das aussehen könnte, erklären die Vorstandsmitglieder Oliver Hack (Markenfilm) und Tony Petersen (Gründer von TPF Films) im Exklusivinterview mit HORIZONT.

Die Sektion Werbung war zuletzt vor allem damit beschäftigt, verlorene Schäfchen wieder einzusammeln. Ist der historische Höchststand an Mitgliedern inzwischen erreicht?
Tony Petersen: Ja! Wir haben inzwischen mehr als 50 Mitglieder und repräsentieren rund 90 Prozent unserer Branche. Damit haben wir eine Masse erreicht," mit der wir endlich auch etwas bewegen können.
Oliver Hack: Dazu muss man sagen, dass wir vor einigen Jahren in einer Situation waren, wo wir damit rechnen mussten, dass uns der Verbandsstatus um die Ohren fliegt, weil wir so wenige Mitglieder hatten.

Woher kommt das neuerliche Bedürfnis der Werbefilmproduzenten, sich zu einer starken Allianz zu formieren wie zuletzt in den 90er Jahren?
Hack: Sicherlich hat das viel mit dem Engagement von Tony zu tun. Ab einem gewissen Punkt kommt dann eine Eigendynamik hinzu. Die Produzenten merken plötzlich: Okay, da geht was!
Petersen: Es sind wahrscheinlich einige Dinge parallel gelaufen, die sich positiv auf die Verbandssituation ausgewirkt haben. Zum einen hat unsere Verwertungsgesellschaft ihre Tätigkeit aufgenommen. Da haben dann schon viele realisiert, dass das ohne das Bemühen einer Organisation im Hintergrund niemals funktioniert hätte. Außerdem spürt man doch, dass über einen langen Zeitraum vieles verschludert wurde, weil auf Verbandsseite einfach nichts passiert ist.

Was genau wurde verschludert?
Petersen: Gewisse Regeln in der Zusammenarbeit zwischen Kunde, Agentur und Produktion sind in Vergessenheit geraten. Wie geht man beispielsweise in Pitches miteinander um? Was passiert, wenn ein Dreh aufgrund schlechter Wetterbedingungen verschoben werden muss? Wie sollten Kostenvoranschläge und Verträge standardmäßig aussehen?
Hack: Die Branche ist in Bewegung. Wir wollen die Rahmenbedingungen mit definieren und für mehr Rechtssicherheit bei Themen wie Buyouts im Internet und Geheimhaltung sorgen. 

In welcher Form sollen diese Rahmenbedingungen definiert werden? Ist ein festes Regelwerk geplant?
Petersen: Wir hatten Ende der 90er Jahre schon einmal ein Handbuch über die Arbeit der Werbefilmproduktionen herausgegeben. So etwas wird es in ähnlicher Form wieder geben inklusive einer App, die wir regelmäßig updaten wollen. Wir hoffen, dass wir im ersten Halbjahr 2016 damit fertig sind.

Handelt es sich dabei um eine Art Code of Conduct für die Werbefilmbranche?
Petersen: Ja, so könnte man es verstehen. Damals hat das Buch schon erstaunlich gut funktioniert. Jetzt wollen wir diese Standards aktualisieren und gemeinsam mit dem Forum Creative Services im Gesamtverband Kommunikationsagenturen definieren. Wir sind hier in engem Austausch mit dem GWA.

Welches Thema hat dabei oberste Priorität?
Hack: Das Thema Pitches steht recht weit oben auf unserer Liste. Es hat sich eingebürgert, dass oft bis zu zehn Produktionsfirmen zu einem Pitch eingeladen werden. Das kostet nicht nur die Produzenten sehr viel Geld, sondern auch den Werbungtreibenden. Aus Verbandssicht wird es kritisch, wenn wir aufgrund von Ausschreibungsrealitäten nur Verlierer haben: Kunde, Agentur und Produktion. Ich glaube fest daran, dass ein intensiveres Pitchen mit wenigen Teilnehmern für alle von Vorteil ist.
Petersen: Hier steckt auch noch ein weiteres Thema drin, das für uns hohe Priorität hat. Unserer Meinung nach gibt es auf Auftraggeberseite eine unzureichende Wahrnehmung für das hochkomplexe Produkt Bewegtbild. Dies ist jedoch die Grundlage für eine respektvolle und professionelle Zusammenarbeit.

Wie wollen Sie es erreichen, dass sich die Wahrnehmung Ihrer Branche verändert?
Petersen: Indem wir hart daran arbeiten, Standards definieren und Prozesse optimieren. In Seminaren und auf Kongressen wollen wir jede Möglichkeit nutzen, über unser Tun zu sprechen.
Hack: Wir müssen klarmachen, dass wir hochspezialisierte Unternehmen sind, die ein komplexes Produkt herstellen. Und das geht nur über guten Dialog. Als Verband haben wir inzwischen eine Größe erreicht, die es uns erlaubt, als Sprachrohr für die deutschen Werbefilmproduzenten aufzutreten. bu 

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