VCCP-Kreativer Oliver Frank „Das Heischen nach Awards ist ein Spiel, das uns zu viel Geld und Ressourcen kostet“

Montag, 06. Oktober 2014
VCCP-Kreativchef Oliver Frank
VCCP-Kreativchef Oliver Frank
Foto: Foto: Daniel Josefsohn

Gerade hat VCCP Berlin die erste Arbeit für BMW Motorrad gezeigt. Der Imagefilm „Make Life a Ride“ ist Bestandteil einer internationalen Kampagne, deren Etat Kreativchef Oliver Frank und sein Team im Frühsommer gewonnen hatten. Ist er auch der Türöffner für weiteres BMW-Geschäft, womöglich einen Automobilauftrag? Nein, sagt Frank. Man habe in den letzten zwei Jahren zwar zwei Mal um Auto-Etats von BMW gepitcht und sei zwei Mal knapp Zweiter geworden. „Die Erfahrungen daraus und die hohe Qualität unserer Arbeit haben uns zu BMW Motorrad gebracht und wir sind sehr glücklich mit diesem innovationsfreudigen und mutigen Kunden“, so der Kreative.

Im HORIZONT-Interview erzählt Frank, wie es sich anfühlt, eine BMW-Agentur zu sein, warum aber Gründungskunde O2 auf absehbare Zeit der spannendste Kunde bleiben wird. Außerdem kündigt er an, zusammen mit Managing Director Robin Karakash an der Sichtbarkeit von VCCP im deutschen Markt zu arbeiten. Warum er Kreativawards allerdings für keine gute Maßnahme zum Eigenmarketing hält, lesen Sie hier:

Zu Ihren Referenzen gehören große Namen wie Nike, Warner Music oder Sky. Ferreros Milchschnitte haben sie verloren, dafür zuletzt Projekte für Freixenet und Converse gewonnen. In der Branche gelten Sie als Agentur, die sich auf dem deutschen Markt durchaus etabliert hat. Den großen Durchbruch gab es aber noch nicht. Wir arbeiten an unserer Sichtbarkeit im Markt. Als wir 2008 starteten, saßen wir noch mit unseren privaten Laptops in den Räumen von unseren Freunden bei Trigger Happy Productions. Wir hatten O2, und es war absolut nicht klar, wohin die Reise geht. Wir haben losgelegt, bevor wir uns um unsere CI oder um eine Philosophie gekümmert haben. Das ging eine Zeit lang sehr gut, auch weil O2 uns sehr gefordert hat. Heute sehen wir, dass es zwar schön war, ein Geheimtipp zu sein. Fürs Business ist es jetzt deutlich besser, dass wir sichtbar sind. 

„Wir halten Awards nicht für ultrarelevant.“
Oliver Frank
Mit dafür sorgen, dass VCCP auf dem deutschen Markt stärker gesehen wird, soll Robin Karakash. Nachdem Sie in den ersten Jahren einige Managing Director, wie Sie selbst sagen, verschlissen haben, ist er nun seit einem Jahr an Bord. Wie ist die Zusammenarbeit? Wir haben bewusst nach jemandem gesucht, der von Kundenseite kommt. Robin ist ein fantastischer inspirierender Charakter, der im Planning von Coca Cola digitale Markenführung quasi aufgesaugt hat. Dazu kommt sein Wissen über Media aus der Zeit bei Be Viacom. Ich freue mich, wenn so jemand unsere kreative Arbeit beurteilt.

„Es ist zwar schön, ein Geheimtipp zu sein. Fürs Business ist es jetzt deutlich besser, dass wir sichtbar sind.“
Oliver Frank
A propos Beurteilen. Warum lassen Sie Ihre Arbeiten nicht öfter bei Kreativwettbewerben beurteilen? Immerhin sind Awards eine bewährte Maßnahme, wenn es um die Sichtbarkeit von Agenturen geht. Wir halten Awards nicht für ultrarelevant. Weder für Kunden noch zur Beurteilung der eigenen Arbeitet. Wir freuen uns, wenn wir für die Arbeit, die wir gemacht haben, Awards bekommen. Wir trachten nicht danach. Daher schicken wir sehr gezielt, vielleicht etwas spärlich ein. Ein London International Advertising Award bringt uns nichts.

Auf Ihr Award-Konto gingen dieses Jahr nur zwei Preise – ein silberner und ein bronzener ADC-Nagel für „Gewachsen auf Beton“ für Nike. Ohne Zweifel berechtigte Gewinne für eine moderne integrierte Arbeit. Trotzdem: Hätte die Ausbeute nicht ein bisschen besser ausfallen können? In der vergangenen Saison hatten wir beim ADC nur diese eine Arbeit eingereicht – und in sechs von neun Kategorien eine Auszeichnung oder mehr gewonnen. Was uns am meisten freut: Wir sind unter den fünf besten integrierten Kampagnen aus Deutschland. In das Haifischbecken Titanium Award in Cannes haben wir unser Geld nicht geworfen.

Auch, wenn die einzelnen Awards ihren Wert haben: Nur die Summe sorgt dafür, dass eine Agentur im Kreativranking stattfindet. Ist die Top-Liste der kreativsten Agenturen kein Ziel für Sie? Nein. Das Heischen nach Awards ist ein Spiel, das uns zu viel Geld und Ressourcen kostet. Ich sehe mit 70 Mitarbeitern keinen Weg, hier reinzukommen, ohne Dinge zu tun, die unserem Ethos widerstreben. Julia Bröder

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