Track-CEO Stefan Setzkorn "Daten sind überhaupt nicht sexy"

Freitag, 09. Oktober 2015
Track-Kreativchef Stefan Setzkorn hält nicht viel von Buzzword-Bingo
Track-Kreativchef Stefan Setzkorn hält nicht viel von Buzzword-Bingo
Foto: Track
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Track Stefan Setzkorn Effie Content Marketing


Nach etwas mehr als einem halben Jahr hat die Hamburger Agentur Track, Nachfolger von Rapp Germany, schon sichtbare Spuren hinterlassen. Neben Kampagnen für Air Berlin, Ergo Direkt und Lindt, kann sich das Team um Kreativchef Stefan Setzkorn über drei Effie-Nominierungen und einen silbernen Cannes-Löwen in der brandneuen Kategorie Creative Data freuen. Setzkorn ist darauf zwar sehr stolz, erklärt aber auch, weshalb es nichts bringt, sich auf Buzzword-Themen wie Big Data und Content Marketing zu stürzen und dabei möglicherweise die klassische Werbung zu vernachlässigen.

Gehört es zu Ihrer Strategie, im ersten Jahr mit Preisen für Publicity zu sorgen, damit sich der neue Agenturname einprägt? Nein, gar nicht. Schon als wir noch Rapp hießen, sind wir den Weg gegangen, dass wir nur mit echten, beauftragten Arbeiten bei Kreativwettbewerben mitmachen. Genauso war es auch dieses Jahr. Und die Effie-Nominierungen beweisen zusätzlich, dass unser Kurs der richtige ist, weil wir mit unserer Arbeit auch wirklich etwas für die Kunden bewirken.

Bei Ihrer Umfirmierung im März haben Sie sich als Markenagentur in einer vernetzten Welt positioniert. Das will heute jeder sein. Geht es etwas präziser? Markenkommunikation, eCRM/CRM und Digital behandeln wir seit jeher absolut gleichberechtigt. Viele unserer Arbeiten sind daher sehr erklärungsbedürftig. Der Erfolgscase für McDonald’s ist komplex, den kann man nicht einfach ins Schaufenster hängen, weil man es auf den ersten Blick nicht verstehen würde. Vielleicht fliegen wir auch deshalb als Agentur manchmal etwas unter dem Radar.

Die Jury der Cannes Lions hat es offenbar verstanden. Ihre eCRM-Lösung für McDonald’s holte Silber in der neuen Kategorie Creative Data und gehört zu den Hoffnungsträgern der ebenfalls neuen Effie-Kategorie Customer Value. Warum sind Daten plötzlich so sexy? Daten sind überhaupt nicht sexy. Sie waren es noch nie und werden es nie sein. Aber wenn man es versteht, Daten richtig einzusetzen und darauf aufbauend Ideen zu generieren, die sowohl kreativ als auch gewinnbringend für den Kunden sind, dann kann das sehr sexy sein. Ich gehöre aber nicht zu denjenigen, die sich komplett auf so ein Buzzword-Thema stürzen. Einen 30-Sekünder finde ich nach wie vor genauso spannend. 

Und der gehört heute auch noch zu Ihrem Tagesgeschäft? Natürlich. Es kommt einfach nur auf die Aufgabenstellung des Kunden an. Für die Lindt-Submarke Hello haben wir eine ganz klassische Kampagne entwickelt, die zu den erfolgreichsten Markeneinführungen im FMCG-Bereich der letzten Jahre zählt. Es gibt kein Wundermittel in der Kommunikation, auch wenn heute alle über Big Data und Content Marketing sprechen. Letztlich muss man für jeden Kunden einen individuellen Weg finden und diesen dann anständig umsetzen. Aber man sollte sich davor hüten, von allem ein bisschen was zu machen und sich damit zu verzetteln. 

Bei der Umpositionierung von Rapp Germany zu Track im März dieses Jahres hieß es, Track soll international expandieren. Wie sehen Ihre Pläne diesbezüglich aus? Es gibt ein ganz kares Commitment dazu vom weltweiten DDB-Chef Chuck Brymer, der bei der Entwicklung der Marke Track auch persönlich involviert war. Die ersten Niederlassungen existieren bereits. Toronto und Singapur. Mit etwas Glück werden neben Hamburg und Berlin noch weitere Ableger in Europa eröffnet.

Interview: Bärbel Unckrich

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