Touristik Shanghai Berlin löst Jung von Matt bei L’tur ab

Donnerstag, 22. Juni 2017
Michael Moser von Shanghai Berlin (li.) mit seinem Team
Michael Moser von Shanghai Berlin (li.) mit seinem Team
© Shanghai Berlin

Vom Werbe-Großmeister Jung von Matt zur 45-Mitarbeiter-Agentur Shanghai Berlin: die TUI-Tochter L’tur hat eine neue Leadagentur. Das Ziel: Der zuletzt etwas müde daherkommende Last-Minute-Reiseveranstalter soll sein altes Angreifer-Gen wieder entdecken.

Dass bei L’tur nicht mehr alles so läuft wie gewünscht, wurde spätestens im Sommer 2016 klar: Der langjährige Vorstandschef Markus Orth nahm seinen Hut, das Kommando führt seitdem Marek Andryszak, 44. Der ehemalige Chef von TUI Polen legt gerade einen rasanten Aufstieg im Konzern hin. Anfang des Jahres wurde er zusätzlich zum COO von TUI Deutschland befördert, im Juli übernimmt er sogar den Vorsitz der Geschäftsführung. Nebeneffekt: Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis L’tur einen neuen Chef bekommt - TUI Deutschland und die Last-Minute-Tochter in Personalunion zu führen, dürfte dann doch etwas zu viel des Guten sein. Der Umbruch in Baden-Baden geht also weiter.

Mit einem Umsatz von 420 Millionen Euro und über 100 Shops zählt L’tur zu den bekannten Touristikmarken in Deutschland. Gegründet wurde das Unternehmen 1987 von Karlheinz Kögel, der schnell zu den schillerndsten Figuren der Branche aufstieg - L’tur war schneller, innovativer und frecher als das Establishment und führte das Last-Minute-Geschäft in Deutschland in ganz neue Dimensionen. 1998 stieg Marktführer TUI ein, übernahm die Mehrheit, baute sie aus und setzte im Dezember 2016 schließlich den Schlusspunkt: Die Hannoveraner kauften Kögel, 70, seine verbliebenen 20 Prozent am Unternehmen ab. Die große Frage ist jetzt, wie viel Freiheit TUI und sein neuer Chef Andryszak L’tur geben - und wie viel Budget bewilligt wird, um kommunikativ wieder in die Offensive zu kommen.

Im vergangenen Jahr war L’tur mit der bemerkenswert schwachen (und wohl auch nicht sonderlich erfolgreichen) Kampagne  „Nix wie weg“ auf den Bildschirmen zu sehen. Auch von einer überzeugenden Verbindung von klassischer Werbung und des im Reisegeschäfts so wichtigen Performance Marketings war nicht viel zu erkennen.

Und jetzt also Shanghai Berlin. Die Agentur gibt es auch schon eine ganze Weile, nämlich seit 2001, die Positionierung klingt aber ziemlich auf der Höhe der Zeit: „Wir sind die Story-Engineers für das digitale Zeitalter“, beschreibt Mit-Geschäftsführer Michael Moser die Positionierung. Im Kern geht es um eine Versöhnung von Kreation und Daten - also etwas, was sich inzwischen auch die Großen der Branchen auf die Fahnen schreiben. Zum Kerngeschäft von Shanghai Berlin zählen die Gestaltung von Websites, Sales-Apps und die Konzeption von Performance-Kampagnen.

Wahrscheinlich ab Herbst wird man sehen, wie radikal (oder eben nicht) sich die Kommunikationsstrategie von L’tur verändert und ob es die Marke schafft, wieder sichtbarer zu werden. Ein Schwerpunkt wird sicher darin bestehen, Werbung, Performance Marketing, Content und Social besser miteinander zu verzahnen. Eine wichtige Rolle spielt dabei wohl Friederike Aulhorn. Die kam vor einem Jahr von der Deutschen Bahn als neue Digitalchefin nach Baden-Baden. L’tur war lange Zeit eine richtige Angreifer-Marke - mal sehen, ob sie das wieder werden kann. js

HORIZONT-AUSGABE MIT DIGITAL MARKETING REPORT - JETZT GRATIS LESEN

Das Thema Digitalmarketing steht auch im Mittelpunkt der aktuellen Ausgabe von HORIZONT, der in dieser Woche der große Report Digitalmarketing beiliegt. Der Report bietet einen großen Rundumschlag zu Themen wie Künstliche Intelligenz, Wear- und Hearables und Software-Anbietern. Jetzt die gesamte Ausgabe gratis lesen!

Meist gelesen
stats