ADC-Digitaljury "Viele waren mit dem Verhältnis zwischen Digital und ADC nicht ganz zufrieden"

Freitag, 05. Mai 2017
Timm Weber von Publicis Pixelpark ist Jurychef der ADC-Kategorie Digitale Medien 2
Timm Weber von Publicis Pixelpark ist Jurychef der ADC-Kategorie Digitale Medien 2
Foto: Publicis Pixelpark

Der Kreativchef von Publicis Pixelpark Timm Weber hat dem ADC voriges Jahr vorgeworfen, die Wettbewerbsergebnisse seien zu analog. Überhaupt sei der ADC in der digitalen Szene nicht wirklich anerkannt. So ganz hat er Deutschlands traditionsreichsten und größten Kreativwettbewerb allerdings noch nicht aufgegeben. Dieses Jahr leitet Weber erneut als Jurychef eine der beiden Digital-Kategorien. Was er davon erwartet, verrät er im Interview mit HORIZONT Online.

Letztes Jahr hast du deine grenzenlosen Enttäuschung über die Qualität der Digital-Einsendungen beim ADC in einem Gastkommentar zum Ausdruck gebracht. Glaubst du, der Appell hat gefruchtet?
Ich glaube nicht, dass der Appell allein Dinge grundsätzlich verändert hat. Allerdings sind in den letzten 12 Monaten ein paar Sachen passiert, weil viele mit dem Verhältnis zwischen Digital und dem ADC nicht ganz zufrieden waren. Diverses wurde geändert oder neu initiiert. So hat der ADC verstärkt neue Mitglieder aus dem Bereich Digital aufgenommen. Zum Beispiel Burkhard Müller von Deepblue, der auch gleich die ADC-App zur Ausstellung gemacht hat. Außerdem gibt es neue Kategorien im digitalen Bereich des Wettbewerbs, wie das Thema immersive Medien, Targeting, innovative Technologie, die sicher alle dazu beitragen werden, dass mehr und spannendere digitale Einsendungen beim ADC eingereicht werden. Das hat zu einem Plus von 20 Prozent bei den digitalen Einreichungen geführt. Dazu kommt ADC Peaks, eine Plattform mit Business Punk, auf der monatlich über die tollsten Cases abgestimmt wird und die so zu einer Beschäftigung mit spannenden digitalen Cases übers ganze Jahr beiträgt. Nicht zuletzt gibt es im Juni die Digital Experience in Düsseldorf  – ein eigenes Kongressformat mit tollen Speakern, Labs, Karriere-Lounge und mehr.

Vor einem Jahr hast du gesagt, ein ADC-Nagel habe kein Gewicht in der digitalen Welt. Digitale Arbeiten hätten ihre Bühne längst ganz woanders gefunden. Welche Bühne ist denn für diese Art von Kreativität besser geeignet als der ADC?
Auch in Deutschland gibt es Festivals, die sich komplett auf das Digitale fokussieren. Der Deutsche Digital Award zum Beispiel oder international die Webbies und Lovies. Aber natürlich gibt es auch ganz andere Arten der Anerkennung: FWA, awwwards et cetera. Auf der anderen Seite entwickelt sich die digitale Welt so rasend, dass da Platz ist für viele Formate. Hoffentlich auch für einen relevanter gewordenen ADC.
Tim Weber
Bild: Publicis Pixelpark

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Beim ADC bist du Juryvorsitzender der Kategorie "Digitale Medien 2". Was genau umfasst das und welche Art von Arbeiten hoffst du zu sehen?
Digitale Medien 2 bewertet ganz unterschiedliche Bereiche wie Mobile, Social Media, immersive Medien, innovative Nutzung oder Data Driven Creativity. Ich würde mich freuen, für die einzelnen Kategorien wirklich herausragende kraftvolle Arbeiten zu sehen. Und ich würde mich darüber hinaus freuen, wenn am Ende auch ein paar digitale Agenturen, die dem ADC jetzt mal eine Chance gegeben haben, zu den Gewinnern zählen. Wir werden sehen.

Hast du schon irgendwelche Favoriten?
Das will ich noch nicht verraten, sonst würde das dem Jury-Vorsitzenden vielleicht als Beeinflussung ausgelegt.

Worauf wirst du deine Jury-Kollegen einschwören?
Da wird es ganz klar nach den Regularien des ADC gehen, die ja für alle Kategorien gleich sind. Ich denke aber, dass wir neben Arbeiten, die durch ihre Idee glänzen auch nach Einsendungen schauen werden, die eine ganz besondere UX haben oder Technologie ungewöhnlich nutzen. Wir sollten versuchen, all das auszuzeichnen, was im digitalen Bereich neu gedacht und auch neu gemacht ist.

Was hältst du vom diesjährigen Festivalmotto "Creativity beats Technology?!"?
Der ADC ist ein Wettbewerb, deshalb steht in dem Motto wohl 'beat'. Ich bin eher so ein friedlicher Typ, deshalb glaube ich, dass das Eine und das Andere sich heutzutage bedingen. Du brauchst eine gute Idee und die richtige Technologie, damit es funktioniert. Und ganz zufällig ist das Mantra der Firma, für die ich arbeite: Neues schaffen aus Ideen und Technologie. 

Nach dem ADC ist vor den Cannes Lions. Dort bist du dieses Jahr Mitglied der Cyber Juror. Was erwartest du von diesem "Job"?
Erstmal muss ich sagen, dass ich mich riesig freue, wieder in Cannes in einer Jury zu sein. Diese Tage dort, der Austausch mit den anderen Juroren, die vielen interessanten Diskussionen, die zum Teil völlig anderen Sichtweisen, das finde ich sehr beeindruckend. Und auch sehr motivierend. Im Moment bedeutet dieser "Job" aber vor allem 400 Cases, die vorjuriert werden müssen.

Wie werden die Deutschen dieses Jahr in Cannes abschneiden?
Das hat doch in den letzten Jahren immer ganz gut geklappt. Warum sollte es dieses Jahr anders laufen? bu 

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