Thjnk Was ist dran am Flirt von André Kemper mit Opel und Scholz & Friends?

Donnerstag, 12. Dezember 2013
Spekulationen über die berufliche Zukunft von André Kemper (Foto: Holde Schneider)
Spekulationen über die berufliche Zukunft von André Kemper (Foto: Holde Schneider)

Durch die Agenturbranche wabert ein Gerücht. André Kemper, Co-Gründer und Aufsichtsrat von Thjnk (früher: Kemper Trautmann) soll sich in Gesprächen mit Opel und Scholz & Friends über eine mögliche Zusammenarbeit befinden. Der Branchendienst "Kontakter" berichtet darüber in seiner heutigen Ausgabe. Die Spekulation hat durchaus Charme: Kemper ist ein erfahrener Autowerber, er und Opel-Marketing-Vorstand Tina Müller, der nachgesagt wird, gern mit alten Weggefährten zusammenzuarbeiten, kennen und schätzen sich seit langem. Zudem können der Opel-Werbung kreative Impulse von einem Mann wie Kemper nicht schaden, auch wenn die Kommunikation zuletzt wieder lebendiger geworden ist und Scholz & Friends sogar Preise damit gewonnen hat (Effie, Euro Effie). Dennoch gibt es sowohl von Kemper als auch von der WPP-Tochter ein hartes Dementi. Thjnk will sich nicht öffentlich zum Thema äußern. Auch Opel möchte derzeit nichts sagen.

Thjnk-Vorstand Karen Heumann
Thjnk-Vorstand Karen Heumann
Umso mehr lohnt es sich, genauer auf die Hintergründe der Geschichte zu gucken und die Frage zu stellen, wem sie nützt. Dafür muss man den Kontext berücksichtigen, vor allem die Situation bei Thjnk. Kein Geheimnis ist, dass es zwischen dem Vorstand der Agentur (Karen Heumann, Armin Jochum, Michael Trautmann) und Aufsichtsrat Kemper zu Differenzen gekommen ist - manche Beobachter sprechen sogar von Zerwürfnis. Ebenfalls kein Geheimnis ist, dass beide Seiten schon länger Gespräche miteinander führen, wie man auseinandergeht. Die Agentur will sich neu erfinden und alte Zöpfe abschneiden. Dazu gehört für den Vorstand offenbar auch Kemper. Ihm ist dem Vernehmen nach frühzeitig signalisiert worden, dass man glaubt, auch ohne ihn gut zurechtzukommen. Das Gleiche gilt in Bezug auf seinen Bruder Wulf-Kemper, der die Agentur bereits verlassen hat.

Bei André Kemper liegen die Dinge jedoch anders. Er ist Mitgründer der Firma, hält Anteile in wesentlicher Höhe und sitzt im Aufsichtsrat. Ihn kann man nicht einfach so wegschicken. Gleichwohl hat Kemper die Zeichen der Zeit erkannt und sich im Markt nach neuen Betätigungsfeldern umgesehen. Mit 50 Jahren ist er noch zu jung für die Rente. In diesem Kontext haben wohl auch Gespräche mit Tina Müller und Scholz & Friends stattgefunden. Ob es tatsächlich zu einer Zusammenarbeit kommt, muss sich zeigen. Noch scheint es zu früh, das abschließend zu beurteilen.

Bleibt also die Frage, wem die Diskussion nützt. Vier Optionen bieten sich an: Opel, Scholz & Friends, Thjnk und André Kemper. Der Autobauer hat im Moment andere Sorgen, als sich öffentlich Gedanken um sein Agentur-Setup zu machen - erst recht, wenn er will, dass das angedachte Modell realisiert wird. Auch Scholz & Friends dürfte kein Interesse an der Debatte haben, da sie die Leistungsfähigkeit der Agentur und die Zufriedenheit des Kunden infragestellt: Kemper als Werbe-Retter für Opel, das kann CEO Frank-Michael Schmidt und seinem Team nicht gefallen. Bleiben Thjnk und Kemper selbst. Vorausgesetzt, dass deren Gespräche über eine Trennung tatsächlich - wie kolportiert wird - ins Stocken geraten sind, könnten beide Seiten versuchen, durch öffentlichen Druck Bewegung in die Sache zu bringen.

Letztlich dürfte aber derjenige am meisten profitieren, der will, dass ein möglicher Deal von Kemper mit Opel und Scholz & Friends platzt. Denn wird ein solches Thema zu früh öffentlich, ist es schnell tot. Unter diesem Gesichtspunkt scheint es plausibel, dass die Agentur mehr davon hat als Kemper. Hinzu kommt, dass sich damit eine Option eröffnet, über den Preis für das Auseinandergehen in Euro und Cent (Kemper hält ein großes Anteilspaket) neu zu diskutieren.

Interessant ist zudem, wie sich die Kunden von Thjnk verhalten. Laut offizieller Darstellung spielt Kemper im operativen Geschäft keine Rolle mehr. Er soll sich nur noch hier und da um einzelne Projekte kümmern, zum Beispiel für Henkel. Wie allerdings ein anderer wichtiger Kunde wie Audi, den Kemper viele Jahre betreut hat, reagiert, sollte dieser die Agentur komplett verlassen und für einen anderen Autobauer tätig werden wollen, muss man abwarten. Auch, ob das so schnell überhaupt möglich wäre. In der Regel werden vertragliche Wettbewerbssperren vereinbart. Opel-Marketingchefin Tina Müller weiß ein Lied davon zu singen. Für Spannung über die Weihnachtstage ist bei Thjnk also gesorgt. mam
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