"Thai-Chi-Wahlkampf" Stephan Rebbe zur Werbung der Parteien

Donnerstag, 22. August 2013
Harmlos: Die CDU wirbt mit freundlichen Gesichtern
Harmlos: Die CDU wirbt mit freundlichen Gesichtern

Am 22. September findet die Wahl zum 18. Deutschen Bundestag statt. Damit beginnt für die Parteien die heiße Phase des Wahlkampfs - eigentlich. Denn die SPD und ihr Spitzenkandidat Peer Steinbrück haben mit ihrem verstolperten Wahlkampfauftakt der CDU offenbar jeglichen Druck genommen. Die Regierungspartei um Kanzlerin Angela Merkel scheint die letzen Wochen bis zur Wahl jedenfalls aussitzen zu wollen - und lehnt sich daher auch auf den Plakaten nicht weit aus dem Fenster. HORIZONT.NET hat mit Stephan Rebbe, Geschäftsführer Beratung bei der Hamburger Kreativagentur Kolle Rebbe, über die Wahlkampagnen der Parteien gesprochen.
"Auf Steinbrück hört anscheinend kaum jemand": Stephan Rebbe
"Auf Steinbrück hört anscheinend kaum jemand": Stephan Rebbe
Herr Rebbe, wie bewerten Sie die aktuellen Wahlkampagnen der Parteien aus kreativer Sicht, insbesondere die Auftritte der beiden "großen" Parteien CDU und SPD? Insgesamt sind das höchstens durchschnittliche Wahlkampagnen. Die CDU hat in meinen Augen die Nase leicht vorn, weil sie als Regierungspartei einen sehr staatsmännischen und getragenen Ton anschlägt, der die nach Sicherheit suchenden Menschen erreicht. Als Oppositionspartei hat es die SPD naturgemäß schwerer. Aber die Leute durchschauen es schnell als Ablenkungsmanöver, wenn nur der Gegner attackiert wird, aber inhaltliche Aussagen vermieden werden, weil man in der Partei noch keine einheitliche Meinung gefunden hat.

Tut die CDU gut daran, auf Nummer sicher zu gehen? Die Motive sind sehr positiv, tun niemandem weh. Das ist Thai-Chi-Wahlkampf: Man lässt den Gegner einfach ins Leere laufen. Für uns Beobachter mag das langweilig sein, aber es funktioniert.

Investiert die SPD zu wenig? Auf jeden Fall hätte die SPD zunächst mehr in die interne Kommunikation investieren müssen. Es fehlt an Einigkeit und Zusammenhalt, die dem Spitzenkandidaten uneingeschränkten Rückhalt verschafft. Schon Schröder forderte ein Ende der Kakofonie. Er konnte sie auch unterbinden, aber auf Steinbrück hört anscheinend kaum jemand.

Was hätten Sie anders gemacht? Es steht uns nicht gut zu Gesicht, von außen Ratschläge zu erteilen. Aber ein wenig mehr Mut, hier und da eine provokante Spitze, gern humorvoll verpackt, hätte ich schon gern gesehen. mas/tt
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