TBWA-Manager Ruhanen und von Bechtolsheim "Viele Agenturen wissen nicht mehr, was gute Arbeit ist"

Donnerstag, 06. Oktober 2016
Matthias von Bechtolsheim (l.) und Troy Ruhanen
Matthias von Bechtolsheim (l.) und Troy Ruhanen
Foto: TBWA
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Vorige Woche war das internationale TBWA-Netzwerk zu Gast in Berlin. In der deutschen Hauptstadt fanden mehrere Management- und Kreativ-Meetings statt. Mit dabei der weltweite CEO Troy Ruhanen. Im Interview mit HORIZONT sprechen er und sein deutscher Statthalter Matthias von Bechtolsheim über die Lage der Omnicom-Tochter, das Selbstverständnis von Agenturen und die Entwicklung im hiesigen Markt.

Troy Ruhanen und Matthias von Bechtolsheim über ...

... Disruption:

Troy Ruhanen: Das Thema war etwas aus dem Fokus geraten – wie so oft, wenn man etwas schon sehr lange macht und vielleicht nicht mehr richtig pflegt. Wir haben das Konzept modernisiert. Das Prinzip ist aktueller denn je. Aber wir mussten ein System entwickeln, das uns erlaubt, es zu einem dauerhaften Filter für unsere Arbeit zu machen – und nicht nur bei drei großen Workshops im Jahr. Mit Disruption Live ist uns das gelungen. Wir screenen jetzt permanent, wie sich die Welt verändert und welche Auswirkungen das auf Marken hat.

... das Selbstverständnis von Agenturen:

Ruhanen: Viele Agenturen wissen nicht mehr, was gute Arbeit ist. Ihr Standpunkt ist nicht klar definiert. Sie verlieren sich in Serviceangeboten. Wir versuchen, uns auf den Kern zu konzentrieren – und der ist nicht service-, sondern produktgetrieben. Nur haben sich leider die meisten anders positioniert. In meinen Augen ist das einer der Gründe dafür, dass Networkagenturen in einem so wichtigen Markt wie Deutschland schwächeln und die unabhängigen Agenturen stärker sind. Die Unabhängigen konzentrieren sich mehr auf ihr Produkt und nicht auf ihre Rolle als Dienstleister.

... das Verhältnis zu den Kunden:

Ruhanen: Die großen Netzwerke haben sich viel zu sehr ihren Auftraggebern angepasst. Alles ähnelt sich – die Büros, die Prozesse, sogar die Mitarbeiter. Agenturen müssen sich aber von ihren Kunden unterscheiden und mehr Selbstbewusstsein zeigen. Wir wollen Köche sein, nicht Kellner. Wir haben kein Interesse daran, dass Kunden über unser Schicksal befinden. Wir wollen das selbst in die Hand nehmen.

... den Eindruck, dass es bei Heimat schon mal besser lief:

Matthias von Bechtolsheim: Ich kenne dieses Gerede. Das ist eine typische Reaktion. Wenn eine Agentur wie Heimat mit einem internationalen Netzwerk zusammengeht, dann wollen die Leute, dass alles schlechter wird. Ich kann Ihnen versichern: Wir waren und sind immer besonders kritisch mit unserer eigenen Entwicklung. Und wir sind zufrieden.

... die neue Führung für die deutsche TBWA-Gruppe:

von Bechtolsheim: Es hat sich gezeigt, dass es nicht die beste Idee war, beide Marken aus Berlin herausführen zu wollen. Deswegen haben wir in eine eigene Führung mit Andreas Geyr und Christian Mommertz investiert. Dass die Rechnung aufgeht, zeigt sich an den ersten Erfolgen.


Ruhanen: Wir sind in Düsseldorf auf einem guten Weg. Matthias hat mich informiert und mich gebeten, Andreas kennenzulernen. Das habe ich getan. Ansonsten vertraue ich voll auf seine Entscheidungen. Matthias ist unser Leader im deutschen Markt. Als Network-CEO muss man großen Respekt vor seinen lokalen Chefs haben, sonst kann man nicht erfolgreich zusammenarbeiten. mam

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