Syzygy-Chef Lars Lehne "Wir müssen lernen, als Einheit aufzutreten"

Dienstag, 12. Juli 2016
CEO Lars Lehne will die Syzygy-Gruppe enger zusammenführen
CEO Lars Lehne will die Syzygy-Gruppe enger zusammenführen
Foto: Manuel Hossfeld
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Syzygy Lars Lehne Marco Seiler


Häufig halten sich neue CEOs in Antrittsinterviews mit konkreten programmatischen Aussagen zurück. Erst recht mit solchen, die in einer eigentlich gut dastehenden Firma als Kritik am Vorgänger verstanden werden könnten. Nicht so Lars Lehne, seit Ende voriger Woche offiziell neuer Chef bei Syzygy. Er wählt erfreulich klare Worte, wenn er seine Pläne für die Digitalagenturgruppe schildert. Im Kern geht es darum, die Gruppe enger zusammenzuführen. Außerdem will Lehne E-Commerce, Consulting und Datenvisualisierung auf- und ausbauen.
Eigentlich sollten Sie CEO Marco Seiler im September ablösen. Warum erfolgt der Wechsel schon jetzt?
Wir haben gemerkt, dass wir anfangen, uns auf den Füßen herumzustehen. Marco wollte bereits viele Entscheidungen von mir treffen lassen. Ich wollte das aber nicht, solange er CEO ist. Das könnte so aussehen, als wollte ich ihn übergehen. Auch die Geschäftsführer der einzelnen Einheiten hatten das Problem, dass sie nicht genau wussten, mit wem sie eigentlich reden sollen. Deswegen haben wir gemeinsam den Aufsichtsrat gebeten, die Stabübergabe vorzuziehen. Bei Ihrem Einstieg haben Sie Syzygy einen Rohdiamanten genannt. Wo wollen Sie den schleifen?
Wir müssen noch besser lernen, wirklich als Gruppe zu funktionieren. Bislang arbeiten die einzelnen Firmen unter dem Dach von Syzygy eher individuell und nicht als Verbund. Das hatte auch seine Berechtigung. Ein Großteil des Wachstums und der guten Kennziffern rühren daher, dass hier jede einzelne Agentur kennzahlenorientiert geführt wird. Jetzt wollen wir zusätzlich daran arbeiten, dass noch mehr Teamgeist und ein übergreifendes Angebot entsteht.

Als börsennotierte Agentur dürfen Sie die Kennziffern nicht vernachlässigen.
Das wollen wir auch gar nicht. Es gibt böse Zungen, die behaupten, Syzygy sei eine Bank mit angeschlossenen Agenturen. Das halte ich für falsch und ungerecht. Aber wir wollen schon versuchen, die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe zu intensivieren, auch über Standorte hinweg. Das waren die Kollegen bislang nicht gewohnt. Wir müssen lernen, als Einheit aufzutreten.

Wie wollen Sie das erreichen?
Das Erste, was ich in diesem Zusammenhang einführen werde, ist ein deutsches Management Board mit Vertretern aus allen Firmen der Gruppe. Es arbeitet sich viel besser zusammen, wenn man sich regelmäßig trifft und sieht. Außerdem braucht man so etwas wie eine gemeinsame Vorstellung davon, wo man hin will. Wir haben dieses Ziel für uns entwickelt. Alles,was wir tun, steht künftig unter dem Leitmotto: We create happiness.

Klingt fast wie Coca-Cola.
Ist doch gut, die sind ja erfolgreich damit. Aber im Ernst: Wir wollten ein Motto, das sexy klingt, sich aber auch über verschiedene Produkte und Disziplinen hinweg mit Inhalt füllen lässt. Kein 08/15 Mission Statement. Gerade bei technologischen Themen spielt der Happiness-Faktor ja eine enorm wichtige Rolle. Wir alle kennen diesen "Uber-Moment" – wenn Technik einfach funktioniert.

Das ist der Überbau. Aber was machen Sie auf der operativen Ebene, um die Gruppe enger zusammenzuführen?
Wir wollen die Struktur einfacher machen und die Anzahl der GmbHs reduzieren. Damit haben wir schon angefangen. Syzygy München, bislang eine eigene GmbH, wird bei Syzygy Deutschland integriert. Die operative Einheit und das Team bleibt unangetastet, nur die gesellschaftsrechtliche Einbettung ändert sich. Wenn ich will, dass ein Standort gut funktioniert, braucht er den kompletten Rückhalt aller anderen Agenturen. Nach diesem Vorbild werden wir überprüfen, wo sonst noch Steine herumliegen, die wir aus dem Weg räumen müssen.

Geht das auch so weit, dass Sie einzelne Firmennamen anfassen?
Wir werden sicher nicht mit der Keule rumlaufen und alles zwanghaft in Syzygy umbenennen. Aber da, wo es Sinn ergibt, werden wir etwas ändern. Grundsätzlich ist unser Ziel, die Marke Syzygy zu stärken. Dafür wird der eine oder andere Firmenname zurückgenommen.

Gibt es denn Themenfelder oder Disziplinen, die Sie in diesem Kontext neu aufsetzen oder stärken wollen?
Absolut. Unser Anspruch ist es, End-to-End-Lösungen anzubieten, also die Wertschöpfungskette so weit wie möglich und zu uns passend auszubauen. Da kommt man am Thema E-Commerce natürlich nicht vorbei. Hier sind wir bislang noch relativ schwach aufgestellt. Das wollen wir ändern. Wir sondieren gerade den Markt und prüfen, ob wir in diesem Bereich zukaufen oder selbst etwas aufbauen wollen. Ein weiteres Thema ist die Visualisierung von Daten. Da sind wir mit Unique Digital aus Performance-Sicht schon relativ weit, jetzt wollen wir das stärker ins Marketing übertragen. Und last but not least wollen wir unsere Consulting-Kompetenz verstärken. Interview: mam/vs

Das vollständige Interview lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 28/2016 vom 14. Juli
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