Anti-Untertitel-Spot Jung von Matt bringt Hörgeschädigte und Inklusions-Aktivisten gegen sich auf

Freitag, 29. April 2016
Das Video brint Jung von Matt viel Kritik ein
Das Video brint Jung von Matt viel Kritik ein
Foto: Arenalingua

Es sollte ein lustiger Werbespot für einen Fremdsprachendienst werden - im Endeffekt brachte Jung von Matt mit dem Video "Subtitles Destroy Movies" jedoch eine Diskussion über Diskriminierung von Gehörlosen in Gang. Auf Facebook rechtfertigt sich die Agentur für den Film - doch die Debatte ist damit noch nicht vorüber.
Der kreative Kniff schien genial: In dem Werbespot für den Fremdsprachendienst Arenalingua wollen ein paar Bankräuber nach ihrem Coup die Flucht antreten. Da es sich um ein englisches Original handelt, müssen die Schauspieler synchron übersetzt werden. Doch statt dem Zuschauer eine wichtige Hilfestellung beim Verstehen des Films zu geben, werden die schwarz unterlegten Einblendungen als Problem präsentiert: die Untertitel begegnen den Protagonisten des Spots als reale Gegenstände - was etwa zu einer Kollision mit ihrem Fluchtfahrzeug führt. Produziert wurde der Spot von Element E unter der Regie von Kay Kienzler. Wer Sprachen lernt, braucht keine Untertitel, so die Botschaft des Spots. Bei einigen Zuschauern blieb jedoch eine andere Message hängen: Jung von Matt diskriminiert Gehörlose. "Yo ihr Hipster bei Jung von Matt #Untertitel ermöglichen gehörlosen Menschen den Genuss von Kulturgütern wie Filmen", schrieb etwa der Inklusions-Aktivist Raul Krauthausen auf Facebook. Auf der Facebook-Seite von Jung von Matt liefen zahlreiche weitere Kommentare auf, die den Machern mangelnde Sensibilität gegenüber gehörlosen  oder schwerhörigen Menschen vorwerfen.

Angesichts der zahlreichen empörten Reaktionen formulierte Jung von Matt auf Facebook eine Rechtfertigung: "Mit dem Film richten wir uns explizit an hörende Menschen und wollen diese motivieren, in einer Zeit der Streaming-Dienste ihre Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern. Eine bewusste Diskriminierung gehörloser und schwerhöriger Menschen war und ist nicht Zielsetzung", heißt es in dem Statement der Agentur.

Dadurch sehen sich die Kritiker allerdings nicht beschwichtigt - im Gegenteil. "Löscht das Video bitte aus Respekt gegenüber uns Gehörlosen Menschen", schreibt ein Kommentator auf Facebook. "SubtitlesDestroyMovies verletzt sehr wohl die Gefühle von UNS gehörlosen und schwerhörigen Menschen, da wir seit Jahren für Barrierefreiheit durch Untertitel kämpfen und da kommt ihr mit so einer millionenschweren diskriminierenden Werbung, die absolut überhaupt nicht durchdacht ist", so Bloggerin Julia Probst. Und Krauthausen attestiert der Agentur die "beste nopology ever". Der Begriff soll Entschuldigungen beschreiben, die alles andere als aufrichtig sind.

Auch Arenalingua bekam die Kritik zu spüren und setzte auf Facebook folgendes Statement ab: 
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