Standortschließung UDG macht das Düsseldorfer Büro dicht

Donnerstag, 21. Dezember 2017
"Das Düsseldorfer Büro war betriebswirtschaftlich nicht tragfähig", sagt CEO Marcus Starke
"Das Düsseldorfer Büro war betriebswirtschaftlich nicht tragfähig", sagt CEO Marcus Starke
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Marcus Starke EQT SAP Jessica Peppel-Schulz


Als Marcus Starke vor vier Monaten Knall auf Fall den Chefposten bei der Digitalagenturgruppe UDG übernahm, wurde deutlich, dass der 2011 mithilfe des Finanzinvestors EQT gegründete Verbund Probleme hat. Jetzt leitet der neue CEO erste Umbaumaßnahmen ein. Das Büro in Düsseldorf, erst vor zwei Jahren gegründet, wird geschlossen. Betroffen sind rund 50 Mitarbeiter. Ihnen wurde gekündigt. Aktuell laufen Gespräche, wer in einer anderen Niederlassung weiterbeschäftigt werden kann.
"Natürlich fällt dieser Schritt nicht leicht, aber der Standort war betriebswirtschaftlich auf Dauer nicht tragfähig", begründet Starke seine Entscheidung. In Düsseldorf, wo unter anderem Huawei betreut wird, fehlt die kritische Masse, um das Büro profitabel zu führen. Stattdessen dominiert kleinteiliges Projektgeschäft. Das scheint ein generelles Problem der Gruppe zu sein. Dem Vernehmen nach stehen gleich mehrere Hundert Auftraggeber auf der Kundenliste. Einige davon tragen nur wenig zum Umsatz, wohl aber zu den Kosten bei.
Unter Starke will sich die Agentur künftig auf weniger, dafür größere Etats konzentrieren. "Wir werden genauer darauf achten, welche Mandate sich lohnen, und uns auf jene Kunden fokussieren, die viel Potenzial haben und mehr mit uns machen möchten", sagt der CEO, der verstärkt digitale Transformationsprojekte begleiten will. Entsprechend richtet er Investitionen aus. Große Standorte wie Ludwigsburg mit relevanten Kunden (Porsche) sollen ausgebaut werden, ebenso Hamburg und Berlin. Anderswo will der Chef eher auf die Bremse treten. Zusätzliche Schließungen sind aber nicht vorgesehen. "Ich halte nichts von Salamitaktik. Wenn ich planen würde, in nächster Zeit weitere Offices aufzugeben, hätte ich dies in einem gemeinsamen Schritt gemacht", sagt Starke. Nach dem Aus in Düsseldorf wird UDG immer noch an zehn Standorten in Deutschland vertreten sein.

Der neue Chef, der früher für Publicis und Wunderman sowie zuletzt in den USA unter anderem für SAP tätig war, will auch das Management stärker in die Pflicht nehmen. "UDG hat sich zuletzt zu viel mit sich selbst beschäftigt, das müssen wir ändern", sagt der CEO.  Nicht mehr zum Führungsteam gehört Peter Mergemeier. Der Ex-Geschäftsführer von Geometry Global war erst im Mai als Managing Partner für den Bereich Communication zu UDG gewechselt. Scheinbar hat die Zusammenarbeit aber nicht so geklappt wie erhofft, sodass der 44-Jährige wieder ausscheidet.

Unter Starkes Vorgängerin Jessica Peppel-Schulz blieben Umsatz- und Ertragsentwicklung hinter den Erwartungen zurück. So verlor die Agentur im vorigen Jahr in einem wachsenden Markt rund 5 Prozent ihres Volumens und fiel mit einem Gross Income von 66 Millionen Euro auf Platz 5 im Ranking zurück. Auch 2017 war die Geschäftsentwicklung nicht besonders gut. "Wir hinken dem Markt und vor allem unserem Potenzial hinterher. Wir können mehr, als wir derzeit auf die Straße bringen", erklärt Starke. Konkrete Zahlen will der Manager zwar nicht nennen, es ist aber davon auszugehen, dass UDG auch in diesem Jahr Umsatz verliert. Das soll 2018 anders werden. Dann will die Agentur die Trendwende schaffen und wieder wachsen – mindestens im Gleichschritt mit dem Gesamtmarkt, wenn möglich schneller. mam
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