St. Pauli pinkelt zurück Publicis Pixelpark stoppt Wildpinkler in Hamburgs Vergnügungsviertel

Mittwoch, 04. März 2015
Szene aus dem Youtube-Video zur Aktion
Szene aus dem Youtube-Video zur Aktion
Foto: Screenshot Youtube / IG St. Pauli

Hamburgs Stadtteil St. Pauli ist im wahrsten Sinne des Wortes angepisst. Weil Betrunkene im Kult-Vergnügungsviertel an jede Ecke pinkeln, hat die Interessensgemeinschaft St. Pauli zusammen mit BID Reeperbahn nun einige Wände mit einem besonderen Lack beschichtet, der den Urinstrahl abweist. Die Aktion ist Teil einer Standort-Kampagne in Zusammenarbeit mit der Agentur Publicis Pixelpark.
In den vergangenen Tagen sind in dem Viertel oft heimgesuchte Wände mit einem "superhydrophobem Lack" beschichtet worden. Dieser sei derart wasserabweisend, dass Flüssigkeiten von der Oberfläche regelrecht abprallen und zurückspritzen: "Wer hier dagegen pisst, macht sich am Ende nur selbst nass. Das sorgt beim Pinkeln für nasse Hosen und Schuhe – äußerst unangenehm in so einer Partynacht", schreibt "St. Pauli News". Lackiert wurden bereits die Eingänge der Reeperbahn-Garagen am Spielbudenplatz und eine Wand an der Simon-von-Utrecht-Straße. Weitere sollen folgen. Die Macher der Aktion kennzeichnen die entsprechenden Stellen mit Hinweisschildern (siehe oben). "Hier nicht pinkeln! Wir pinkeln zurück. Dein St. Pauli" lautet die Botschaft darauf. Doch Vorsicht: Nicht alle präparierten Wände würden mit einem Schild versehen, so die Initiatoren.

Projektkoordinatorin Julia Staron von der IG St. Pauli beschreibt gegenüber "St. Pauli News" das Ganze als eine Art der Kommunikation, die nicht "oberlehrerhaft" rüberkomme. "St. Pauli spricht direkt zu seinen Gästen - ohne zu pöbeln oder zu meckern. Ich finde das eine ganz charmante Art, um auf das Problem aufmerksam zu machen", so Staron.

Wie der Kampf gegen die Wildpinkler weitergeht, hat Staron bereits verraten: In etwa vier Wochen soll es eine Stempelkarte geben. Auf dieser bekommt jeder Hamburg-Besucher, der das stille Örtchen einer Kneipe oder eines Restaurants aufsucht, einen Stempel. "Und beim Sechsten gibt's einen Schnaps aufs Haus", so Staron gegenüber Spiegel Online.

Von Publicis Pixelpark heißt es zu der Idee: "Wir mögen einfach St. Pauli – und Ideen, die genauso viel Spaß machen. Gerade bei Problemen, die einem stinken." Bei der Agentur zeichnen Philipp Hentges (CD Text), Felipe Franco (CD Art) und Nicole Grupski (Beratung) verantwortlich. Der Film entstand in Zusammenarbeit mit Markenfilm Crossing, Regie führte Alexander Steinhoff.

Es ist im Übrigen nicht die erste Kampagne, mit der die Hamburger Kreativen von Publicis Pixelpark in den Straßen der Hansestadt für Aufsehen sorgten. Ende vorigen Jahres erst hat das Team um Kreativchef Timm Weber im Auftrag des Arbeiter-Samariter-Bundes Obdachlosen mit wärmenden Plakaten geholfen. jm
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