"St. Pauli pinkelt zurück" Die Macher über die Anti-Pinkel-Kampagne und wie es weitergeht

Freitag, 06. März 2015
Das Logo der von Publicis Pixelpark erdachten Anti-Pinkel-Aktion in St. Pauli
Das Logo der von Publicis Pixelpark erdachten Anti-Pinkel-Aktion in St. Pauli
Foto: Screenshot Youtube / IG St. Pauli
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St. Pauli Publicis Groupe S.A. Pixelpark


Selten hat eine Standort-Kampagne derart Begeisterungsstürme ausgelöst wie die Aktion "St. Pauli pinkelt zurück". Im Kampf gegen Wildpinkler in Hamburgs Vergnügungsviertel haben die Interessensgemeinschaft St. Pauli zusammen mit BID Reeperbahn Wände mit einem besonderen Lack beschichtet, der den Urinstrahl wieder zurückspritzt. Wie die Idee zur Kreation entstanden ist und die Aktion weitergeht, verraten die Macher der verantwortlichen Hamburger Agentur Publicis Pixelpark und der Kunde IG St. Pauli gegenüber HORIZONT Online.
Großartige Überzeugungsarbeit mussten die Verantwortlichen auf Agenturseite, Philipp Hentges (CD Text), Felipe Franco (CD Art) und Nicole Grupski (Beratung), beim Kunden nicht leisten. "Die IG St. Pauli war sofort von der Idee begeistert", so Grupski. Das Thema lag im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße, denn eigentlich kenne jeder in Hamburg das Pinkel-Problem auf St. Pauli, erklärt Texter Hentges. Die Existenz von superhydrophoben Lacken und deren wasserabweisende Wirkung war dem Agenturteam bekannt. Franco: "Wir haben Produktvideos im Internet gesehen und dachten: Wow! Nano-Technologie. Damit lässt sich was machen." Und was mit Wasser klappe, funktioniere auch mit Urin, ergänzt Hentges. Vier Wochen für die Konzeption, vier Wochen für die Umsetzung - nach vergleichsweise kurzer Zeit war das Projekt fertig. Und die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Agentur und Kunde sind von der Resonanz überwältigt. "Wir werden von dem Erfolg gerade etwas überrannt", gesteht Julia Staron, Quartiersmanagerin des BID Reeperbahn. Unzählige deutsche und auch internationale Medien berichteten über die Aktion. Neben HORIZONT Online auch die "Süddeutsche", Spiegel Online, Bild oder "The Guardian".

Zudem gebe es Anrufe und Mails aus aller Welt. "Ob Köln, Bonn wegen des Karnevals, das Münchner Oktoberfest, der Ballermann - alle fragen nach dem Lack", so Staron weiter. Die herstellende US-Firma Resource Energy Group der Spezialflüssigkeit "Ultra-Ever Dry" wisse gerade gar nicht, wie ihr geschehe und komme kaum mit den Anfragen hinterher.
Die Warnschilder gibt es demnächst auf dem Nachtmarkt zu kaufen
Die Warnschilder gibt es demnächst auf dem Nachtmarkt zu kaufen (Bild: Screenshot Youtube / IG St. Pauli)
Dass die präparierten Wände Wildpinkler nun erst recht anlocken könnten, glauben die Kreativen von Publicis Pixelpark nicht. "Sie laufen ja Gefahr, sich nass zu machen", so Hentges. Die größte Herausforderung der Arbeit sei im Übrigen gewesen, die Aktion "bei gefühlten Minusgraden"
zu dokumentieren und "mit dem Video genau die richtige Tonalität zu treffen", verrät Franco.

Wie geht es weiter?

In zwei Wochen sollen drei bis vier weitere Pinkel-Hotspots lackiert und die Stellen mit den Schildern markiert werden, so Staron gegenüber HORIZONT Online. Fans der Aktion können sich freuen: "Parallel dazu werden der Lack und die Schilder zum Kauf auf dem Nachtmarkt auf dem Spielbudenplatz angeboten. Wir konnten einen super St. Pauli Rabatt aushandeln."

Wie bereits berichtet, soll es in Kürze Pinkelkarten geben, die
über einige Hotels, Hostels und Gästeführer an St.-Pauli-Touristen verteilt werden. Auf den Karten erhalten Hamburg-Besucher, die das stille Örtchen einer Kneipe oder eines Restaurants aufsuchen, einen Stempel. Bislang konnten Staron und ihr Team ein kleines Netzwerk an teilnehmenden Gastronomen gewinnen. Auch die Schnapssponsoren Helbing und Rhabbi sind mit dabei, denn für den sechsten Stempel gibt es einen Schnaps aufs Haus. jm
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