"Soft skills can come the hard way" Wie Jung von Matt die Lücke im Lebenslauf von Flüchtlingen schließt

Freitag, 26. Januar 2018
"Soft skills can come the hard way": Dieser Spruch dominiert die Lebenslauf-Kampagne von Social-Bee
"Soft skills can come the hard way": Dieser Spruch dominiert die Lebenslauf-Kampagne von Social-Bee
© Social-Bee

Die Lücke im Lebenslauf empfinden viele Recruiter als Makel. Doch während einige Menschen freiwillig eine Karrierepause einlegen, ist die Leerstelle in der Vita bei anderen der Flucht aus der eigenen Heimat in ein fremdes Land geschuldet. Das Start-up Social-Bee macht nun darauf aufmerksam, dass die Lücke im Lebenslauf von Geflüchteten keine Schwäche ist - und verwandelt sie gemeinsam mit Jung von Matt/Neckar mit einer aufmerksamkeitsstarken Kampagne in eine Stärke. Flüchtlings-Traumata zu Soft-Skills zu machen, mag provokativ sein - bei den Awards dürfte die JvM-Idee allerdings in jedem Fall für Furore sorgen.
Mehr als 500.000 Geflüchtete in Deutschland suchen nach Angaben von Social-Bee einen Job. Doch in einem Stapel voller Bewerbungen aufzufallen ist nicht leicht - insbesondere mit einer Lücke im Lebenslauf, die der Flucht geschuldet ist. Doch wer seinem Schreiben ein Curriculum á la Social-Bee beilegt, wird definitiv herausstechen. Denn der Integrationsdienstleister und JvM machen echte Fluchtrouten zum Teil der Gestaltung und integrieren sie in den Lebenslauf. Auf diese Weise verwandeln sie den vermeintlichen Makel im CV in eine Stärke. Die Lebensläufe werden deutschlandweit an Unternehmen geschickt, um Aufmerksamkeit auf die Kampagne zu lenken.
  • 57945.jpeg
    (© Social-Bee / Jung von Matt)
  • 57951.jpeg
    (© Social-Bee / Jung von Matt)
  • 57952.jpeg
    (© Social-Bee / Jung von Matt)
  • 57946.jpeg
    (© Social-Bee / Jung von Matt)
  • 57947.jpeg
    (© Social-Bee / Jung von Matt)
  • 57948.jpeg
    (© Social-Bee / Jung von Matt)
  • 57949.jpeg
    (© Social-Bee / Jung von Matt)
  • 57950.jpeg
    (© Social-Bee / Jung von Matt)
Zu der Kampagne von Social-Bee gehören außerdem insgesamt vier Plakate, fünf Videos und eine Kampagnenwebsite. Bei allen Maßnahmen spielen vier Flüchtlinge die Hauptrolle, die der Kampagne ein Gesicht geben: Bangalie K., Qutayba N., Zeray G. und Naser A.

Auf den Anzeigenmotiven sitzen die Männer in Bewerber-Haltung am Schreibtisch. Neben ihnen stehen typische Qualifikationen wie "Ich bin teamfähig" oder "Ich bin zielorientiert", in kleinerer Schrift folgt jedoch eine beklemmende Erörterung. Naser A. aus Afghanistan beschreibt sich beispielsweise als belastbar. Im Kleingedruckten steht, wieso: "An der Grenze zur Türkei kamen wir nicht weiter. Wir hatten drei Tage nichts zu essen". Die Motive werden bis zum 10. Februar auf 2.200 Plakaten und 4.000 Screens in München, Hamburg, Köln, Stuttgart, Frankfurt am Main und Düsseldorf zu sehen sein. Social-Bee konnte dafür Ströer als Partner gewinnen.



Außerdem ist jedem der Geflüchteten jeweils ein Kampagnenvideo gewidmet. Darin kommen sie zu Wort und erzählen aus dem Off die Geschichte ihrer Flucht, während kontrastierte Negativ-Aufnahmen von Kriegsgebieten, Soldaten und Flüchtenden eingeblendet werden. Auch hier werden die Erlebnisse auf der Flucht zu beruflichen Qualifikationen gemacht, zum Beispiel 
Entscheidungsstärke, Stressresistenz und Durchhaltevermögen. Erst am Ende des Videos sieht man die Protagonisten, dazu wird der Slogan "Soft skills can come the hard way" eingeblendet.



Die Gründer von Social-Bee möchten mit der Kampagne ein Umdenken in Unternehmen provozieren: Mit Fluchterfahrung sei man schließlich kein schwächerer Kandidat auf dem Arbeitsmarkt. "Das Erlebte kann sich in eine Stärke verwandeln. Wer das einmal im Kopf hat, wird immer wieder daran denken müssen. Auch, wenn er das nächste Mal einem Bewerber mit Fluchthintergrund gegenüber sitzt", erklärt Maximilian Felsner, Co-Founder von Social-Bee. Mitgründerin Zarah Bruhn ergänzt: "Geflüchtete sollen nicht mitleidig angesehen werden, sondern als die starken Persönlichkeiten, die viele von ihnen sind. Wenn unsere Kampagne diese Einstellung bei möglichst vielen Leuten erreicht, haben wir schon gewonnen."

Die Kampagne wurde pro bono in Zusammenarbeit mit dem Regisseur und Fotografen Olli Waldhauer realisiert. Die Kreation stammt von Jung von Matt/Neckar. Dort zeichnen die Creative Director Matthias Hess und Rico Nöel sowie die Art Director Tim Kaun und Jasmin Scharrer verantwortlich. Sie wurden von Denis Feges und Julien Bucaille (beide Senior Art Director/Digital) unterstützt. Das Graphic Design entwickelte Nico Witwicki, der zuständige Copywriter ist Lars Widmann. Tobias Frei (Lead Motion Designer), Martin Boué (3D Artist & Motion Designer), Markus Zierhofer (Musik) und Jan Brett (Sounddesign) sowie Anja Geib (Produktion) komplettieren das Team. Die Filmproduktion übernahm Wanda unter Mithilfe von Milchstrasse und Regisseur Maik Lüdemann.

Social-Bee agiert als zwischengeschalteter Arbeitgeber, indem das Start-up die Geflüchteten für maximal eineinhalb Jahre bei sich anstellt und sie bei Partnerunternehmen wie Würth, Krones und Vollcorner beschäftigt. Darüber hinaus betreut das Münchner Unternehmen seine Angestellten im Rahmen eines Integrationsprogramms, das aus Deutschkursen, sozialpädagogischer Hilfe und Zusatzqualifikationen besteht. Social-Bee will die Geflüchteten auf diese Weise fit für den deutschen Arbeitsmarkt machen und eine Übernahme durch das Kundenunternehmen oder einen anderen Arbeitgeber erreichen. bre 
HORIZONT Newsletter Kreation Newsletter

Die besten Kampagnen des Tages

 


Meist gelesen
stats