Serviceplan Agenturgruppe beurlaubt Jörg Schultheis wegen Beteiligung an Twinkind

Mittwoch, 29. April 2015
Zwischen Jörg Schultheis und dem Gruppenmanagement hat es geknallt
Zwischen Jörg Schultheis und dem Gruppenmanagement hat es geknallt
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Serviceplan Florian Haller Springer & Jacoby


Die Wege der Agenturgruppe Serviceplan und ihres Hamburger Standortchefs Jörg Schultheis scheinen sich zu trennen. Nach Informationen von HORIZONT wurde Schultheis Anfang der Woche beurlaubt und freigestellt. Zudem soll er als Gesellschafter abberufen werden. Dem Vernehmen nach wirft ihm die Holding ein nicht genehmigtes unternehmerisches Engagement außerhalb der Serviceplan-Gruppe vor. Die Agentur will sich nicht zum Thema äußern, Schultheis war nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Informierten Kreisen zufolge kam es vor zwei Wochen zum Bruch zwischen dem 47-Jährigen und der Gruppenführung um Gründer Peter Haller und Hauptgeschäftsführer Florian Haller. Stein des Anstoßes ist wohl die unternehmerische Beteiligung von Schultheis an der Berliner Firma Twinkind, die sich auf den Ausdruck von 3D-Miniaturfiguren spezialisiert hat. Offenbar hat Schultheis dieses Engagement nicht seinem Arbeitgeber gemeldet. Allerdings hat er in sozialen Netzwerken auch kein Geheimnis daraus gemacht, dass er mit Twinkind verbandelt ist. Die Firma wurde von Timo Schädel gegründet. Er hat früher für den Postproduktions- und 3D-Design-Anbieter Sehsucht gearbeitet. An der Frage, inwieweit Twinkind mit seinem Angebot in Konkurrenz zu Serviceplan steht, scheiden sich jetzt offenbar die Geister. Das Gleiche gilt für die Frage, inwieweit Schultheis durch seine Beteiligung an der Firma seine Aufgaben als Geschäftsführer und Partner vernachlässigt hat. Ob das Twinkind-Thema wirklich die Ursache oder eher der Anlass für die Trennung ist, muss sich zeigen. Das Verhältnis der Beteiligten und die gegenseitige Zufriedenheit mit dem Status quo war jedenfalls schon mal besser. Dass der Bruch noch zu kitten ist, scheint angesichts der jüngsten Entwicklung mit Beurlaubung und Freistellung wenig wahrscheinlich. Beobachter gehen davon aus, dass die Gründerfamilie Haller und die Holding ein deutliches Signal setzen wollen, dass sie unternehmerische Aktivitäten ihrer Partner außerhalb der eigenen Gruppe nicht tolerieren.

Das Engagement von Jörg Schultheis für Twinkind erhitzt die Gemüter bei Serviceplan
Das Engagement von Jörg Schultheis für Twinkind erhitzt die Gemüter bei Serviceplan (Bild: Twinkind)
Ausdrücklich nicht betroffen von dem jetzigen Konflikt ist Kreativchef Alexander Schill, mit dem Schultheis den Hamburger Standort von Serviceplan 2006 gestartet und erfolgreich aufgebaut hat. Die beiden haben schon bei ihrer vorherigen Station Springer & Jacoby zusammengearbeitet und galten bislang als enge Vertraute. Schill ist seit einiger Zeit auch als Geschäftsführer der Holding tätig und trägt die Entscheidung der Gruppe gegen Schultheis wohl mit.

Serviceplan Hamburg war Anfang des Jahres umgezogen und hat alle Firmen, mit denen die Gruppe in der Hansestadt vertreten ist, unter einem Dach gebündelt. In den sogenannten Elbhöfen - dem früheren Sitz von Scholz & Friends - sind mehr als 260 Mitarbeiter für Serviceplan tätig. Ein großer Kunde des Standorts ist der Autobauer BMW. Dessen Etat hatten die beiden früheren Mercedes-Werber Schultheis und Schill im Jahr 2009 gewonnen. Im vorigen Jahr ging das Deutschland-Mandat an Heye Grid verloren. International ist Serviceplan weiterhin für BMW tätig. Andere Kunden des Hamburger Büros sind Continental, Europcar, Metro Cash & Carry sowie Nuk. mam

Mehr zum Thema lesen Sie in HORIZONT-Ausgabe 18/2015 vom 30. April
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