Schutzschirmverfahren Aimaq von Lobenstein will sich selbst sanieren

Mittwoch, 03. Juni 2015
André Aimaq (l.) und Hubertus von Lobenstein suchen nach einem Ausweg für ihre Agentur
André Aimaq (l.) und Hubertus von Lobenstein suchen nach einem Ausweg für ihre Agentur
Foto: AvL

Die Berliner Agentur Aimaq von Lobenstein steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Wie jetzt durch eine Bekanntmachung des Amtsgerichts Charlottenburg öffentlich wird, befindet sich die Agentur seit Ende Februar in einem sogenannten Schutzschirmverfahren. Dieses ermöglicht Unternehmen, die in finanzielle Schieflage geraten sind und denen Zahlungsprobleme drohen, sich in Eigenregie zu sanieren.
Um dieses spezielle Verfahren des Insolvenzrechts in Anspruch nehmen zu können, muss eine positive Fortführungsprognose für das Unternehmen bestehen. Dies sei im Fall von Aimaq von Lobenstein gegeben, betonen die Agenturchefs André Aimaq und Hubertus von Lobenstein in einer Erklärung in eigener Sache. Darin heißt es, dass der laufende Geschäftsbetrieb normal fortgesetzt werde und man dabei sei, sich mit geeigneten Maßnahmen selbst neu aufzustellen. Welche Maßnahmen das sind, wollen die Verantwortlichen derzeit nicht sagen. Nur so viel: "In den vergangenen drei Monaten konnte sowohl das Geschäft mit den bestehenden Kunden weitergeführt und zum Teil ausgebaut werden, als auch neue Kunden hinzugewonen werden." Gleichzeitig befinde man sich in mehreren Neugeschäftsprozessen.

Der Agentur zufolge soll das Schutzschirmverfahren in rund sechs Wochen abgeschlossen sein. Nicht kommentieren wollen die Inhaber Hinweise, dass sie sich nach einem neuen Investor beziehungsweise strategischen Partner umsehen. In diesem Zusammenhang soll es Gespräche mit klassischen Werbenetworks - beispielsweise Young & Rubicam - und Digitalagenturen gegeben haben.

Ebenfalls unklar bleibt, was konkret zu der aktuellen Schieflage geführt hat. Offenbar ist es aber nicht gelungen, die Agentur nach dem Verlust des mit Abstand größten Kunden Ergo im Herbst 2013 an Wettbewerber Rapp so aufzustellen, dass sie dauerhaft wirtschaftlich weiterarbeiten kann. Zwar konnten einge Mandate gewonnen werden, zum Beispiel von Auctionata, Lekker und Takko, ein ganz dicker Fisch war aber nicht dabei. Angaben zur Umsatz- und Ertragsentwicklung sowie zur Mitarbeiterzahl macht die Agentur derzeit nicht. Im Herbst 2014 war von 35 Angestellten die Rede, zuletzt soll es aber noch einmal Kündigungen gegeben haben.

Von Lobenstein war Mitte 2011 als Geschäftsführender Gesellschafter bei der damaligen Agentur Aimaq & Stolle (früher: Aimaq Rapp Stolle) eingestiegen. Der Werbemanager war seinerzeit als freier Berater tätig. Zuvor stand er an der Spitze von Agenturnetworks wie TBWA, BBDO und Saatchi & Saatchi. Zu seinen vorherigen Stationen gehört Springer & Jacoby. mam

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