Scholz & Friends Was das Aus von Air Berlin für den Etathalter bedeutet

Sonntag, 29. Oktober 2017
Air Berlin ist bald Geschichte
Air Berlin ist bald Geschichte
© Air Berlin

Vor fast einem Jahr holte Scholz & Friends den Werbeetat von Air Berlin. Eigentlich hatte die Agentur viel vor mit dem Kunden - die Pläne werden durch die Insolvenz der Airline nun jedoch obsolet. Wie hat man bei Scholz & Friends die Nachricht vom Air-Berlin-Aus aufgenommen? Und wie wirkt sich der Wegfall des Etats auf das Geschäft der Commarco-Tochter aus? Vorstandsmitglied Percy Smend hat gegenüber HORIZONT Online Stellung bezogen.
Als Air Berlin im vergangenen November die Etatvergabe an Scholz & Friends bestätigte, befand sich die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft bereits in schwerer finanzieller Schieflage. Der Wechsel der Leadagentur von Track, das den Kunden seit 2007 betreut hatte, hin zu Scholz & Friends, sollte der Marke zumindest kommunikativ neuen Schwung verleihen. Immerhin kennt sich die Agentur mit Kunden, die mit dem Rücken zur Wand stehen, gut aus - siehe Opel. Percy Smend, Partner, Chief International Officer und darüber hinaus mit der Gesamtverantwortung für den Opel-Etat ausgestattet, sollte den neuen Kunden betreuen. Im Interview mit HORIZONT Online wird schnell deutlich, dass der Verlust von Air Berlin ein schmerzlicher ist: "Air Berlin ist eine deutsche Marke, die lange für ein bestimmtes Lebensgefühl stand und willkommene Vielfalt in die Airline-Monogamie brachte", sagt Smend. "Wir bedauern das Aus für die Marke und den Kunden Air Berlin natürlich sehr - zuallererst aber für unsere dortigen Ansprechpartner, die mit Leib und Seele Airberliner waren. Mit ihnen hatten wir eine ungemein gute, spannende und vertrauensvolle Beziehung."
Percy Smend, Scholz & Friends
Percy Smend, Scholz & Friends (Bild: Scholz & Friends)
Klar wird aber auch: Wirtschaftlich wird die Agentur den Verlust verschmerzen können. "Scholz & Friends hatte sonst ein stabiles Jahr, sodass der Wegfall des Air-Berlin-Etats aufgefangen werden kann", so Smend. Bei Scholz & Friends waren standortübergreifend etwa zwölf Mitarbeiter mit Air Berlin befasst. Diese werden nun auf andere Etats verteilt.

Damit bleibt das eigentliche Werk der Kreativen, Strategen und Berater unvollendet. Eigentlich sollte das Team gemeinsam mit dem Kunden eine ähnliche Turnaround-Story schreiben, wie dies mit Opel ansatzweise gelungen war. Die entsprechende Kampagne war bereits fertig. Entsprechend groß ist die Enttäuschung bei Smend: "Wir hatten viel vor mit Air Berlin. Unsere Marken-Kampagne sollte eine Fluglinie zeigen, die sich nicht am Boden befindet, sondern auf der Startbahn."
Air Berlin Schokoherzen
Bild: Track

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Der Scholz & Friends-Vorstand gibt auch ein Einblicke in die geplante Kampagne. Diese sollte sich "an den spezifischen Journeys und Touchpoints der Passagiere" orientieren, vor allem also auf mobile Kanäle setzen. Zudem sollte der Auftritt Partner und Influencer einbinden, die "die Ambition und Haltung von Air Berlin teilten" so Smend. "Das Ziel war eine deutliche Neupositionierung und Aufwertung der Marke."

Die letzte Air-Berlin-Werbung stammt vom Ende des vergangenen Jahres und kam kam vom vormaligen Etathalter Track. Und so bleibt Air Berlin nicht mit einer fulminanten letzten Kampagne in Erinnerung, sondern mit Schokoherzen, die für viel Geld auf Ebay versteigert werden, sowie als Marke, die zwar groß und bekannt, letztendlich aber nicht überlebensfähig war. ire
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