Scholz & Friends Opel-Agentur kauft Anteile von WPP zurück und verpflichtet Erik Heitmann

Donnerstag, 01. Oktober 2015
Erik Heitmann steigt bei Scholz & Friends ein
Erik Heitmann steigt bei Scholz & Friends ein
Foto: Scholz & Friends

Es war bereits vorab durchgesickert, inzwischen gibt es die offizielle Bestätigung: Die Agenturgruppe Scholz & Friends kauft Anteile von dem bisherigen 100-Prozent-Eigentümer WPP zurück. Dabei geht es um ein Paket von 25 Prozent und nicht, wie zunächst berichtet, von 30 Prozent. Zudem verpflichtet die Opel-Agentur den früheren Springer & Jacoby-Kreativen Erik Heitmann.

Die Neuigkeiten verkündete Agenturchef Frank-Michael Schmidt im Rahmen eines ausführlichen Pressegeprächs in Berlin. Der Rückkauf der Anteile wird begleitet von einem neuen Managementsystem. Der bisherige Vorstand wird aufgelöst und in ein Partnerboard überführt, das die zentralen Entscheidungen für die Agentur treffen soll. Dem Gremium gehören zunächst 14 Partner an. Zudem gibt es einen erweiterten Partnerkreis von rund 20 Führungskräften.

Die 25 Prozent, die Scholz & Friends zurückkauft, werden vom Management übernommen. Jeder Partner investiert persönlich in eine Beteiligung, mindestens einen sechsstelligen Betrag. Parallel etabliert die Gruppe eine gemeinsame Gewinn- und Verlustrechnung für alle S&F-Agenturen. Davon erhofft sich CEO Schmidt, Silostrukturen innerhalb des Unternehmens abzubauen. "Mit diesem großen Schritt stärken wir die kreative, unabhängige und unternehmerische Identität von Scholz & Friends", ist der Agenturchef überzeugt.

Im Kern geht es zum einen darum, Scholz & Friends aus der Network-Ecke herauszuholen, in die die Agentur nach der Übernahme durch WPP in der öffentlichen Wahrnehmung geraten war. "Mit diesem Modell positionieren wir uns jenseits der Spaltung des Marktes in traditionelle Networks und Inhaberagenturen", sagt Schmidt. Zum anderen erhofft sich der CEO, dass durch das neue System gewisse Abnutzungseffekte im Management überwunden werden können.

Das Kalkül ist offenbar, dass sich die Führungskräfte in dem neuen System mehr für den Erfolg der gesamten Gruppe und nicht nur ihrer jeweiligen Unit ins Zeug legen. Dafür sollen nicht zuletzt Dividendenanspruch und die Beteiligung am Unternehmenswert sorgen. Mit diesen Instrumenten soll es darüber hinaus gelingen, Top-Mitarbeiter an Scholz & Friends zu binden beziehungsweise weitere anzulocken.
„Mit diesem großen Schritt stärken wir die kreative, unabhängige und unternehmerische Identität von Scholz & Friends.“
Frank-Michael Schmidt
Zu ihrer wirtschaftlichen Situation macht die rund 700 Mitarbeiter starke Agentur mit Verweis auf Sarbanes-Oxley keine konkreten Angaben. Die Umsatzentwicklung sei stabil, allerdings stehe die Marge wie bei allen Agenturen weiter unter hohem Druck, sagt Schmidt. Er beklagt in diesem Zusammenhang, dass die Kunden heute mehr denn je Spitzenleistungen und -personal von ihren Agenturen erwarten, die "Preisbewilligungsbereitschaft" aber nicht im selben Maß ausgeprägt sei. Im Klartext: Die Kunden zahlen zu schlecht.

Auch personell tut sich bei Scholz & Friends etwas: Für den wichtigen Kunden Opel verpflichtet die Agentur den Kreativen Erik Heitmann. Der heute 49-Jährige war in der Vergangenheit CCO von Springer & Jacoby. Zuletzt hat er als Freelancer an den Kampagnen für den Opel Corsa und den Opel Astra mitgearbeitet. Jetzt steigt er fest bei Scholz & Friends ein. Als Creative Concept Director soll er zusammen mit Geschäftsführer Wolf Heumann die Werbung des Autobauers entwickeln. Während sich Heumann neben seiner konzeptionellen Arbeit auch um die Teams kümmert, konzentriert sich Heitmann auf die Ideenentwicklung.

In dieser Funktion ähnelt sein Job dem von André Kemper, auch wenn CEO Schmidt betont, dass Heitmann nicht dessen Nachfolger wird. Wann Kemper zu seiner neuen Agentur Antoni wechseln kann, steht unterdessen immer noch nicht fest. "Ich bin guten Mutes, dass wir bald eine Lösung präsentieren können", sagt Schmidt, ohne sich auf einen genauen Zeitpunkt festzulegen. Mit dem Thema sind inzwischen nicht nur Schmidt und Kemper, sondern auch WPP-Chef Martin Sorrell befasst.

Fest steht dagegen, dass Scholz & Friends weiter für die "FAZ" werben wird. Die Zusammenarbeit währt seit 20 Jahren und wurde soeben bis Ende 2017 verlängert. Für den Herbst ist ein neues Motiv angekündigt. mam

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